Evangelische Kirchengemeinde Gedern
Charlotte Gromm Stiftung der ev. Kirche in Gedern

Überreichung der Gründungsurkunde

 

Bericht im Kreisanzeiger vom 21. Dezember 2010

 

Erbe Charlotte Gromms soll in Gedern reiche Früchte tragen

(jub). „Stiften tut gut.“ - Mit diesem Leitgedanken hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) vor zehn Jahren eine Initiative gestartet, um den kirchlichen Stiftungsgedanken wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Mit gutem Erfolg. Viele Stiftungen wurden in der Folge gegründet. Eine der jüngsten Gründungen ist die Charlotte Gromm Stiftung der evangelischen Kirchengemeinde Gedern. Während des Gottesdienstes zum vierten Advent überreichte Dekan Wolfgang Keller die Urkunde dem Stiftungsvorstand; neben Pfarrer Kurt Johann sind das Andreas Hof als Vorsitzender und Mathias Kehm.

Wie notwendig es ist, mit einer Stiftung Gemeindeengagement zu sichern oder gar zu initiieren, betonte Dekan Keller in seiner Ansprache. Der demografische Wandel macht auch vor den Kirchen nicht halt. In Gedern kommen aktuell auf 30 Beerdigungen nur fünf Taufen. Das wiederum bedeutet, dass die Zuweisungen der Landeskirche sinken und die Kirchengemeinde über immer weniger öffentliche Mittel verfügt.

Die Charlotte Gromm Stiftung soll die Gederner Kirchengemeinde hier handlungsfähig machen. Auf welche Weise, ist in der Satzung festgelegt. Das Stiftungskapital, laut Pfarrer Johann aktuell „deutlich über 100 000 Euro“, bleibt dabei unangetastet. Gefördert wird nur mit dem Ertrag aus dem Vermögen (Die Kirchenkasse Darmstadt verzinst dieses Stiftungsvermögen mit fünf Prozent). Der Ertrag wiederum darf nicht in Steine, sondern nur in Menschen investiert werden.

So ist der Stiftungszweck die Unterstützung der Gemeindearbeit, die in Gedern von der Kinderkirche über die Konfirmandenfreizeit bis zum Seniorenkreis reicht. Ob nun einzelne Veranstaltungen gefördert werden, ob von den Erträgen der Stiftung vielleicht sogar einmal eine Gemeindepädagogin oder ein Kirchenmusiker finanziert werden können, wird der Stiftungsvorstand auf Antrag des Kirchenvorstandes zu entscheiden haben.

Kuriose Vorgeschichte

So kurios wie tragisch ist die Vorgeschichte dieser Stiftung. Die Namensgeberin Charlotte Gromm verbrachte ihren Lebensabend im Gederner Altenheim Schweitzerhof. Weil sie keine Angehörigen hatte, bat sie die evangelische Kirchengemeinde, sich nach ihrem Tod um ihre Beerdigung und die spätere Grabpflege zu kümmern. Pfarrer und Kirchenvorstand willigten ein und Charlotte Gromm setzte die Kirchengemeinde als ihren Erben ein. Die 5000 Euro, die sie gespart hatte, sollten dafür reichen. Was niemand wusste: Nur wenige Tage vor ihrem Tod im September 2006 erbte Charlotte Gromm unter anderem zwei Häuser. Erst Monate später setzte eine Bank, die auf Erbenermittlung spezialisiert ist, die Kirchengemeinde davon in Kenntnis. Dieses Erbe bildet den Grundstock der Charlotte Gromm Stiftung.

Wer aber war Charlotte Gromm? Nur wenig ist über sie bekannt. Pfarrer Johann skizzierte nach dem Gottesdienst beim Empfang im Gemeindehaus ein Frauenleben, das besser in unsere Zeit als in das vergangene Jahrhundert gepasst hätte. 1916 geboren, arbeitete Charlotte Gromm in den 30er Jahren in Berlin als Varietétänzerin. Plakate aus dem Nachlass zeugen von dieser Vergangenheit. Charlotte Gromm heiratete, ließ sich aber bald scheiden und musste sich und ihre Tochter in der Folge alleine durchbringen. Heute ein alltägliches Schicksal, damals die Ausnahme. Charlotte Gromm übernahm Gelegenheitsjobs und machte sogar noch eine Ausbildung zur Masseurin. Der frühe Tod der Tochter war ein herber Schicksalsschlag. Auf ihre alten Tage zog die Alleinstehende im Schweitzerhof ein. Und nun soll ihr Erbe in Gedern reiche Früchte tragen und wenigstens ihr Name in Erinnerung bleiben.

Weil das Stiftungsvermögen zwar nicht weniger werden, jederzeit aber wachsen darf, hatte die Kirchengemeinde insbesondere die Vertreter Gederner Vereine zu Gottesdienst und Empfang eingeladen. Sie sollen für die Stiftung werben und den Gedanken in die Bevölkerung tragen. Denn wird das Grundkapital durch Zustiftungen gemehrt, erhöhen sich auch die Erträge, die der Gemeindearbeit unmittelbar zu Gute kommen.

 

 

 

Dekan Wolfgang Keller (Zweiter von rechts) feierte am Sonntag mit der Gederner Gemeinde den Gottesdienst und überreichte dem Stiftungsvorstand - Andreas Hof, Pfarrer Kurt Johann, Mathias Kehm (v.l.) - die Stiftungsurkunde. Foto: Seipel

 

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