Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Pfarrer Knierriem

 

25 Jahre Seelsorger  
Abschied von Dekan Knierriem  
Abschied vom Amt  

 

25 Jahre Seelsorger

 

Bericht im Kreisanzeiger vom 26. Juli 1960

Gedern
(mg).

Am Samstag ehrten der Vorsitzende der Dekanatssynode, die Stadt Gedern, der Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde und der Kirchen- und Posaunenchor Dekan Knierriem anlässlich seiner fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit als Seelsorger. Aus den Ehrungsworten und Wünschen klang die Anerkennung seiner Leistungen als Hirte seiner Gemeinde, der in klarer Sprache das Wort Gottes als gegenwartsnaher Mensch mit den realen Seiten des Lebens zu verbinden und nahe zu bringen versteht. Auch seine baulichen Leistungen in der Gemeinde wurden gewürdigt.

     

Nach seinem Abitur in Worms studierte Dekan Knierriem Theologie in Gießen. 1935 nach Ober-, Mittel- und Nieder-Seemen in seine erste Pfarrstelle berufen, übernahm er 1939 die Kirchengemeinde Gedern, nahm am Krieg teil und stand den verwaisten Gläubigen nach der Entlassung aus der Gefangenschaft 1945 wieder als Seelsorger vor. Zum zweiten Male wurde er in diesem Jahr zum Dekan des Dekanates Schotten gewählt. Als Förderer und Mitwirkender des Kirchenchores, maßgeblicher Mitbegründer des Posaunenchores im Jahre 1946 und des Kinderbläserchores 1958 war er auch der Initiator der 100-Jahr-Feier der Kirche 1947 und Festredner der 600-Jahr-Feier der Stadt in 1956. An der Stolberg-, Volks- und Mittelschule lehrte er.

Unter seiner Regie wurde das Gemeindehaus der Kirche 1955 erbaut, 1956 die zwei neuen Glocken angeschafft, das Gesamtgeläute und die Orgel elektrifiziert, das Kirchendach erneuert. Seine vorausplanenden Arbeiten für das Jahr 1961 sicherte auch die generelle Inneninstandsetzung der Kirche.

 

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Abschied von Dekan Knierriem

 

(Bericht im Kreisanzeiger vom 11.10.1974

 

Festgottesdienst in Gedern —Wappenteller der Stadt überreicht

 

Gedern (db). Zum letzten Mal in seiner 40 jährigen Amtszeit als Pfarrer der Gemeinde Gedern betrat Dekan Ludwig Knierriem am Sonntag die Kanzel. „Ich habe es über die letzten Jahre hinaus immer wieder im Gebrauch gehabt, möglichst den vorgeschriebenen Predigttext zu wählen. Auch heute habe ich das getan. Ich versuche nun, euch eine Erntedankfestpredigt zu halten." Mit diesen Worten begann der Dekan seine letzte Predigt. Und alle hörten mit großer Aufmerksamkeit zu. Die gewählten Worte des Dekans trafen auch auf seine langjährige Dienstzeit zu: „Geben ist seliger denn nehmen.“

 

 

Die Mitwirkung des Posaunenchors, des Kirchenchors und des Gesangvereins „Liederkranz" verlieh dem Festgottesdienst eine ganz besondere Feierlichkeit. Der Altar, vor dem Dekan Knierriem zu Beginn des Festaktes auf einem Stuhl Platz nahm, zeigte sich umgeben von roten und gelben Blumenarrangements und Erntedankgaben.

 

Der jetzige Dekan Jung dankt dem aus seinem Dienst scheidenden Dekan Knierriem
für seine große Geduld, Weisheit und Erfahrung, mit der er seine Arbeit ausfüllte.

 

„Lieber Herr Dekan," so begann Rektor Paul Heusohn im Namen des Kirchenvorstandes, „es trifft sich wirklich gut, dass wir heute am Erntedanktag unserem Ortspfarrer für all das danken können, was in seinem Leben und durch sein Leben er für uns hier getan hat. Wir haben Dank zu sagen dafür, dass unserer Gemeinde fast 40 Jahre ein guter Freund gegeben war. Sie waren ein Teil unseres täglichen Brotes. Sie waren uns allen ein guter Freund, und wir werden Ihnen auch in kommender Zeit die Treue halten. Der Tag der Abschiednahme vom Berufsleben ist wie ein Meilenstein im Leben der Menschen."

 

Heusohn erwähnte die guten Predigten, denen jeder aufmerksam zuhörte, und ebenso seine Kritik am Zeitgeschehen. In seiner Amtszeit habe Dekan Knierriem 811 Beerdigungen, 731 Trauungen und 1326 Taufen vorgenommen. Heusohn wünschte abschließend dem Dekan und seiner Gattin, die einen großen Teil der Gemeindearbeit mitgetragen hatte, noch viele Jahre Gesundheit und Wohlergehen.

 

Dr. Boettcher, der Präses der Synode, brachte im Anschluss zum Ausdruck, dass der Segen, der auf der Arbeit des Dekans ruhte, fortwähren möge. Er ließ auch gleichzeitig laut werden, dass der Ruhestand nicht so ungestört verlaufen könnte, denn — da die Pfarrstelle nur vorübergehend besetzt sei — die jetzige Besetzung vielleicht einmal an ihn herantreten werde, ab und zu eine Predigt zu halten.

 

Bürgermeister Merle bezog sich auf die Predigt und sagte: „Sie waren ein fröhlicher Geber." Er dankte für die gute Zusammenarbeit in Bezug auf den Kindergarten, der als Schmuckstück der Stadt zu bezeichnen sei, sowie die Kommunalarbeit. Merle: „Ich sage nicht, die Lücken sind nicht zu schließen. Ich weiß aber, dass wir heute einen treuen Freund unserer Stadt verabschieden." Mit diesen Worten überreichte Merle dem Dekan den Wappenteller der Stadt Gedern.

 

Aus der hand von Bürgermeister Merle erhält
der Dekan den Wappenteller der Stdt Gedern.

 

Studiendirektor Morell sprach im Auftrage der Schulen und sagte, dass Worte nicht das ausdrücken könnten, was er sagen müsste. Er würdigte jedoch den überaus großen Einsatz des Dekans, der — wann immer es nötig war — sich für eine Sache voll und ganz eingesetzt habe.

 

Nur wenige Worte sprach die Leiterin des Kindergartens, Frau Munk. Doch gerade diese Worte kamen allen Anwesenden wie aus dem Herzen: „Wir sollten einen alten Freund nicht aufgeben. Herr Dekan wird auch weiterhin unser Herr Dekan bleiben."

Auch Diakon Keil, Leiter des Altersheimes der Inneren Mission in Gedern, würdigte die gute Zusammenarbeit und sprach von den regelmäßigen Besuchen im Altersheim, den Wochenschlußpredigten, der Tischgemeinschaft mit ihm als Hausseelsorger. Und Diakon Keil vergaß auch nicht zu erwähnen, dass „hinterher auch noch ein wenig Zeit blieb für eine gute Zigarre.

 

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Abschied vom Amt

Anlässlich der Verabschiedung von Dekan Knierriem am 6.10.1974 in der ev. Kirche in Gedern wurden unter anderem folgende Worte von Herrn Dekan Knierriem gesprochen:

Abschied von Amt.

Es kommt in jedem Leben einmal der Punkt, wo man aus Altersgründen den Dienet in andere Hände legen muss. Zum Abschied von meinem Amt möchte ich noch ein paar Worte sagen. Geboren wurde ich 1909 in Worms am Rhein, wo ich auch die Schule besuchte und Abitur nachte. Schon gleich nach der Konfirmation stand ich in der Arbeit unserer lebendigen Gemeinde, ich war Gründer der Jungscharen und lange Zeit Leiter des Jugend-Orchesters, dem zeitweise über 20 Spieler angehörten. Durch eine Evangelisation wurde ich bestärkt in deinem Wunsch, Theologie zu studieren. In Gießen konnte ich die verschiedenen Professoren kennen lernen und legte auch dort nein Fakultäte-Examen ab. Es folgte die praktische Ausbildung in Prediger-Seminar in Friedberg. Da damals schon Mangel an jungen Theologen bestand, wurden wir frühzeitig in die Gemeinden gesendet. Ich kam in das Seemental, wo ich einen günstigen Boden für die kirchliche Arbeit vorfand. Die Gottesdienstbesuche waren ausgezeichnet, für Bibelstunden reichte kein Saal aus. Das machte mir als ganz junger Mann viel Freude« Aber schon suchte man für Gedern einen neuen Pfarrer und Propst und Dekan drängten mich nach hier zu gehen, zumal man auf seiner ersten Pfarrstelle nicht definitiv werden soll. Leider wurde schon bald nach deinem Dienstantritt in Gedern infolge Kriegsausbruch das Vogelsberg-Gebiet arm an Pfarrern, und ich musste noch 2 Jahre 5-7 Pfarreien versorgen, bis ich selbst Soldat werden musste. Mit Lesegottesdiensten hat sich die Gemeinde durchgeholfen. Beerdigungen wurden von Frankfurter und Giessener Pfarrern gehalten, bis zuletzt niemand mehr aufzutreiben war. Meine Frau hatte die größte Mühe von irgendwoher noch jemand zu bekommen. Nach dem Krieg und meiner Heimkehr ging es dann gleich wieder an die Arbeit und es war überwältigend, wie die Leute zur Kirche strömten. Man kann heute nur noch mit Wehmut daran denken wie es damals war. Eine lebendige Frauenarbeit blühte wieder auf, es entstand zusätzlich ein Mütterkreis und ein Männerkreis. Bibelstunden mit 70-120 Leuten brachten mir viel Freude, sie sind seit einigen Jahren zu Abendandachten ungestaltet. Unter Mitarbeit von Diakonen ist eine lebendige Jugendarbeit vorhanden. Es wurde vor über 25 Jahren ein Posaunenchor gegründet, der Kirchenchor ist zwar klein, aber gut singfähig. Viele Evangelisationen und Volksmissionswochen haben sich fruchtbar auf das Gemeindeleben ausgewirkt. Wenn ich heute zurückschaue, muss ich schon sagen, man war nicht erst überfordert als vor 24 Jahren Amt des Dekans dazu kam, es war nur gut, dass für einige Jahre die Stelle eines Gemeindediakons besetzt war. Wenn ich heute nach 35 Jahren aus dem Dienst scheide, so denke ich gerne an die schöne Zeit zurück und wünsche der Gemeinde einen neuen Pfarrer, der in der Lage ist das Schiff geradeaus zu steuern. Ich danke allen, die in den vielen Jahren mitgearbeitet haben zum Wohle dar Gemeinde und hoffe, dass sich auch in Zukunft genug Menschen finden, die treu mitarbeiten. Ich befehle Euch dem Segen und den Schutz unseres Gottes. Es grüßen Euch

Euer Dekan Knierriem und Frau Anneliese

 

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