Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Berichte im Kreisanzeiger vom 24.11.2005

 

„Kirche in ihrer bisherigen Form wird es nicht mehr geben“

 

Im Dekanat Schotten sind zur Zeit drei Pfarrstellen unbesetzt und zwei ganz gestrichen.

 

Von Wolfgang Kunert

 

REGION. „Die Kirche in ihrer bisherigen Form wird es auf dem Land so nicht mehr geben.“ Diese Aussage des evangelischen Pfarrers in Gedern und Mitglieds der Dekanatssynode, Kurt Johann, spiegelt die prekäre Personalsituation in der Region wider. „Die Grenze, in der Kirche noch ihrer Bestimmung genügen kann, nämlich Menschen in ihrem Leben zu begleiten, ist längst nicht nur erreicht, sie ist deutlich überschritten.“

 

Worte. die beim Blick in die Pfarrämter im Dekanat Schotten verständlich werden. So sind zum Beispiel in der südlichen Region dieses Kirchenbezirks die Pfarrstellen der Kirchengemeinden Ober-Seemen und Volkartshain, Nieder- und Mittel-Seemen, Wingershausen und Eichelsachsen sowie Stornfels und Ulfa unbesetzt. Außerdem ist eine halbe Stelle in Gedern vakant.

 

Auch das Pfarrhaus für die Gemeinden Burkhards und Eschenrod ist bald verwaist. Positionen, die entweder gestrichen sind oder die nach dem bereits angekündigten Weggang der Amtsinhaber auf unbestimmte Zeit unbesetzt bleiben.

 

Von der Führungsebene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Darmstadt war zu dieser Entwicklung keine Stellungnahme erhältlich. Stattdessen wurde auf bereits erfolgte Veröffentlichungen verwiesen. In diesen wird dargestellt, dass die Streichung von Pfarrämtern allein aus Kostengründen erfolge. Bis zum Jahr 2010 sollen acht Prozent aller Pfarrstellen in der Landeskirche wegfallen.

 

Davon betroffen ist auch die Propstei Oberhessen mit den Zuständigkeitsbereichen Wetterau, Vogelsberg und Gießen mit bisher 288 Pfarrstellen. Nach Meinung von Propst Klaus Eibach besteht für die in der Region um Schotten und Gedern unbesetzten Ämter kein Grund zur Panik. Der Großteil dieser Positionen werde wieder besetzt. „Die Kirchenvorstände müssen nur die Ausschreibungen voranbringen. Dies soll nach seinen Informationen in den kommenden Monaten geschehen

 

Bis zum Sommer ist wieder fast überall ein Pfarrer oder eine Kollegin präsent. Wenn nicht, schicke ich für drei Monate einen Pfarrvikar hin“. so Eibach.

 

Einige Mitglieder der betroffenen Kirchenvorstände sehen das skeptisch. Vor allem. weil die Landeskirche ab 2010 weitere drastische Sparmaßnahmen angekündigt hat. Bisher offiziell bekannt: Die Streichung von weiteren 25 Prozent aller Pfarrstellen. Was nach Meinung von Kurt Johann vor allem für die ländlichen Strukturen fatale Folgen habe. Nicht zuletzt deswegen, weil Pfarrstellen nach ihrem Kirchensteueraufkommen klassifiziert werden. Diese Einnahmen sind in einem städtischen Ballungsraum bekanntlich deutlich höher.

 

Johann warnt daher davor, dass sich „Kirche als Heimat von Mensche“ nicht auf das eigentliche Gebäude beschränken lasse. Wo immer Pfarrstellen länger nicht besetzt sind, da werden Menschen letztendlich auch den Kontakt zur Kirche verlieren.

 

Es sei daher notwendig, dass die Kirchenvorstände und die Gemeinden für die umgehende Besetzung vakanter und gegen die Streichung weiterer Pfarrstellen kämpfen, fordert Johann

 

 

 

Im südlichen Amtsbezirk des Evangelischen Dekanats Schotten sind insgesamt fünfeinhalb Pfarrstellen unbesetzt (weiß markiert).

 

 

Anmerkung an diese Veröffentlichung im Kreisanzeiger:

 

Wegen diesem Artikel wurde kein persönliches Gespräch mit Herrn Pfarrer Johann geführt.

 

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