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Rückblick für das Hochzeitspaar

 

 

Rückblich für das Hochzeitspaar

 

 

50 Jahr sind gezogen ins Land,

wo Ihr Euch gabt fürs Leben die Hand

Krieg und Frieden, Freud und Leid,

Habt Ihr erlebt und zusammen geteilt.

 

Vor 64 Jahren der Krieg brach aus,

und viele kamen nicht mehr nach Haus.

Seid froh, dass es Euch war vergönnt,

dass Ihr Heute richtig feiern könnt.

 

Wie sich die Zeit seitdem geändert hat,

hab ich geschrieben auf dieses Blatt.

Ich möchte einen Rückblick geben,

wie man damals pflegte zu leben.

 

Wie es war vor 50 Jahr!

Es ist nicht zu glauben, aber wahr,

die Technik war noch fremd im Land

und ungeteilt das Vaterland.

 

Man sang noch: „Deutschland, Deutschland über alles…“

Und wusste nicht von Denver und Dallas,

man war Deutsch , und das bewusst,

und Berlin die Hauptstadt mit all ihrer Lust.

 

Alte Sitten wurden sehr in Ehren gehalten,

man hörte noch auf den Rat der Alten.

 

Die Kinder haben auf den Blick pariert,

der Mond, er war noch unberührt.

 

In Ehren noch hielt man den Bauernstand,

war doch der Bauer der Garant,

das Volk vor Hunger zu bewahren,

in guten, wie in bösen Tagen.

 

EWG und Brüssel, das war noch verborgen,

Europa hatte damals andere Sorgen.

 

Vor 50 Jahr, wie könnt es anders sein,

in jedem Hof fand man Pferd, Kuh, Rind und Schwein,

und Hühner, die durften frei sich bewegen

und all überall ihre Eier hinlegen.

 

Im Frühjahr fuhr man hinaus aufs Feld,

mit 1-2 PS wurde der Acker bestellt.

Die Hafermotoren, sie machten keinen Lärm,

sie folgten dem Hüh und Hott ihres Herrn.

 

Man muss doch sagen, auch wenn es heut nicht mehr gilt,

ein Gespann vor dem Pflug, war ein schönes Bild.

 

Auf dem Feld, die Handarbeit

Erforderte auch sehr viele Leut .

Disteln stechen, Rüben hacken,

das Unkraut spross aus allen Ecken.

 

Wenn man war am Ende dann,

fing man vorne wieder an.

 

Die Flur war bevölkert, im Feld waren Leut ,

so war s damals, und wie ist es heut?

 

Mittlerweile kam die Erntezeit,

für Mensch und Tier wahre Schwerstarbeit.

Da ging's rund, Kinder, Kinder,

die Pferde, sie zogen schwer am Binder.

 

Lagerfrucht, die Maschine wollte nicht mehr,

es mussten Sens und Sichel her.

 

Jeder Ähre wurde eingesammelt,

damals ist noch nichts weggegammelt,

aus Ehrfurcht vor dem heiligen Gott,

der uns auch heut noch schenkt, unser täglich Brot.

 

Dann wurde alles heimgeschafft,

das kostete auch noch mal viel Kraft,

hoch beladene Erntewagen

quietschten über alte Straßen.

 

Ein Brett am hinteren Wagen, es ist kein Witz,

zum Mitfahren, ein etwas schwankender Sitz.

War nun endlich die letzte Barbe verpackt,

ein Aufatmen und ein Gott sei Dank gesagt.

 

Ging der Wind dann durch die Stoppeln,

sah man so manchen Hasen hoppeln.

 

Dann musste wieder alles ran,

es mussten die Kartoffeln aus.

Das verlangte wochenlanges Bücken,

ach, wie tat da weh der Rücken.

 

Doch damals hat man es gar nicht als so schlimm empfunden,

bei manchem Scherz verflögen die Stunden.

Und Hunger gab es, nach all dieser Müh,

Matte und Kartoffel schmeckten da besser, als heute das feinste Menü.

 

Das Rüben klopfen folgte als letztes im Reigen,

doch darüber sollte man lieber schweigen.

 

Das Brummen der Dreschmaschine in fast jedem Hof,

des Herbstes Sinfonie im alten Dorf.

 

Die Luft geschwängert vom Honigduft,

der Honig – Lattverg – hatte noch guten Ruf.

 

Da wurde geputzt, geschält, gerührt und beraten,

das Schmierschel fürs Jahr musste doch geraten.

 

Autos gab es noch sehr wenig,

auf der Straße war man König.

 

Der Dorfbüttel mit der Bimmel,

die Milchkutsch mit dem Schimmel,

Kinder, Alte, Tier und Spatz,

auf der alten Strass hatte alles Platz.

 

Wollt man sonntags über Land,

wurde einfach angespannt.

 

Chaisee , genannt auch Halbverdeck,

war da für diese Zweck.

 

Man saß luftig, stolz und keck,

aber auch auf einer Breck .

Es gab noch kein Verkehrsgewühle,

vielmehr romantische Gefühle.

 

Man hörte noch die Vögel singen,

den Kuckucksruf aus dem Wald erklingen.

 

Und die Abgase ihr Leute hört,

es roch nicht nach Benzin, es roch nach Pferd!

 

Die Frau, dem Manne Untertan,

hatte damals noch keine Hosen an.

Sie trug Kleider, fein und elegant,

die Frau in Hosen, das verbot der Anstand.

 

Bemalt wurde auch nicht die Schnut ,

doch dafür trug die Dame Hut.

 

Einen Damensalon, ihr könnt's glauben oder nicht,

gab es damals auf dem Dorf noch nicht,

die deutsche Frau trug hochgesteckt ihr Haar,

schön und sittsam, wie eine Germania.

 

Für den Herren gab es nur einen Begriff,

ab die Mähne, nach preußischem Schliff.

 

Man sah alles eng, alles hatte seine Grenze,

nach dem Klang der Blasmusik, tanzte man die alten Tänze.

 

Israel, Haiti und Sansiba ,

damals in weiter Ferne, fast unerreichbar war.

Dahin, zu düsen, um sich zu bräunen,

es wär ' vermessen gewesen, davon nur zu träumen.

 

Die Medien staken noch in den Anfängen,

man hatte als Radio den Volkempfänger.

 

Doch Trübsal hat man damals auch nicht geblasen,

in froher Runde oft zusammen wir saßen.

 

Beim Bäcker ein Ofen voll Kuchen wurd gebacken,

und einige Abende Spinnstub gehalten.

 

Rezepte brauchte man nicht lange zu suchen,

es gab Streusel- Apfel- und Zwetschgenkuchen.

 

Der Tisch ward gedeckt, ohne große Mengenkel,

mit dabei waren Oma, Opa, Kinder und Enkel.

 

Um 12 Uhr gingen im Dorf die Lichter aus,

man tappte dann oft im Dunkeln nach Haus.

 

So könnte man noch weiterfahre,

mit all den unvergessenen Memoiren.

 

Sie liegt zurück, so lange, wo weit,

die schöne, alte gute Zeit.

 

Der Fortschritt der Technik brachte die große Wende

und ich mach jetzt ein Ende.

 

Wir wünschen Euch auf Euren Wegen

Weiterhin Gottes reichen Segen.

 

Jetzt wollen wir die Gläser heben,

unser goldenes Hochzeitspaar soll leben.

 

 

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