Evangelische Kirchengemeinde Gedern
Kirche > Predigten > Predigt vom 17.05.2015

Predigt vom 17.05.2015

  

 

Predigt zur Konfirmation am 17.05.2015

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Familien und Angehörige unserer Konfirmanden und Konfirmandinnen, liebe Konfirmationsgemeinde,

Gerne würde ich euch anderes verkünden, die ihr mit der Konfirmation einen weiteren wichtigen Schritt in ein selbstständiges Leben geht, aber heute, zur Konfirmation, was ja übersetzt so etwas heißt, als dass ihr im Glauben, in der Kirche, im Leben befestigt werdet, da muss ich es euch doch um der Ehrlichkeit willen sagen: Diese Welt in der ihr lebt ist zutiefst ungerecht und das Leben, das vor euch liegt, wird keine jahrelange Party und auch kein Spaziergang sein, sondern es wird euch auch immer wieder fordern und herausfordern, es sei denn ihr beschließt, irgendwann innerlich es an euch mehr oder weniger gleichgültig vorbeirauschen zu lassen. Aber das hoffe ich freilich nicht.

Denn das Leben ist schön, es ist nur nicht immer einfach.

Da kommt es darauf an, einen festen Halt zu haben, eine Orientierung, damit  man seinen Weg nicht verliert, einen Trost und Tröster, wie es die Bibel sagen würde, der weiterhilft, wenn es mal scheinbar nicht mehr weitergehen will.

Ihr wisst als Konfirmandinnen und Konfirmanden, die ihr ja nun ein Jahr lang regelmäßig in die Kirche gegangen seid, dass ich mir niemals die Predigttexte aussuche, sondern mich immer der Herausforderung stelle, den durch die Kirche vorgegeben Text aus der Bibel auszulegen und zu predigen. Das will ich auch heute tun, an diesem Sonntag Exaudi, diesem Sonntag eine Woche vor Pfingsten, an diesem eurem Konfirmationstag.

Johannes 15.26-16.4

„Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir Und auch ihr seid Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen. Das habe ich zu euch geredet, ihr nicht abfallt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit. Und das werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, dass ich's euch gesagt habe. Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war bei euch.“

Liebe Festgemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

diese Welt ist häufig zutiefst ungerecht, das Leben ist nicht immer einfach, darum brauchen wir darin Stütze und Halt.

Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmandinnen, habt euch am vergangenen Sonntag bei eurem Vorstellunsgottesdienst, auf beeindruckende Weise, wie ich finde, dieser Einsicht gestellt.

Ihr habt euch einige Zeit mit Anne Frank beschäftigt. Das war nicht einfach, aber es war wichtig und richtig es zu tun in einer Zeit, in der die Stimmung zu kippen scheint, dass man Menschen auf der Flucht unbedingt helfen muss. Das war richtig und wichtig, denn euer Vorstellungsgottesdienst fand nur einen Tag nach Ende des zweiten Weltkrieges und dem Untergang der Diktatur der Nationalsozialisten statt.

Das war richtig und wichtig, auch, weil ihr sehr schnell bemerktet, dass Verfolgung und Ermordung unschuldiger Menschen, nicht einfach ein historisches Ereignis der sogenannten dritten Reiches gewesen ist, sondern, dass das bis auf den heutigen Tag geschieht und zwar fast in aller Welt.

Wo Menschen nur noch sich selbst am Nächsten sind, sind sie leider zu allem fähig.

Ihr habt ja gesehen, dass Anne und ihre Familie nur wegen ihres jüdischen Glaubens willen aus Deutschland in die Niederlande fliehen musste, ihr habt gesehen und gelesen unter welch erbärmlichen Zuständen, sie nur ein wenig älter als ihr, in Bergen Belsen starb nur wenige Tage nach ihrer Schwester, ihr habt davon gehört und wir haben darüber gesprochen, zu welchen Schandtaten, Menschen fähig sind - ABER – ihr habt auch gesehen dass es Menschen gab, die ihr Leben für diese im Hinterhaus versteckten Menschen einsetzten, wie sie alles unter größter Gefahr versuchten,  um Familie Frank und den anderen im Hinterhaus zu helfen. Ihr werdet meine Zeugen sein.

Die Welt ist zutiefst ungerecht und das Leben weiß Gott, nicht immer einfach. Darauf bereitet Jesus seine Jünger in seiner großen Abschiedsrede im Johannesevangelium vor, aus der unser heutiger Predigttext stammt.

Die ersten Christen waren, wie Jesus auch, Juden gewesen, doch nach und nach, wehrte die jüdische Gemeinde sich gegen sie, weil die ersten Christen Jesus als den erwarteten und im Alten Testament vorhergesagten Messias erachteten, und die jüdische Gemeinde eben nicht. Sie werden euch aus den Synagogen rauswerfen. Das war damals so und 2000 Jahre später waren es dann die Nationalsozialisten, die die Juden aus ihren Synagogen warfen, sie verfolgten, schlugen und ermordeten.

Darunter kann man nie einen Schlussstrich ziehen. Ihr werdet meine Zeugen sein.

Dieses Wort liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden gilt jedem Christen und jeder Christin als Aufgabe. Und sie gilt darum auch euch. Ihr werdet, ihr sollt meine Zeugen sein, und genau deswegen, braucht es die Konfirmation, die Befestigung im Glauben, weil genau dies, Zeuge zu sein in dieser zutiefst ungerechten Welt, wahrlich kein einfacher Weg ist.

Es ist ein Weg, der zuallererst einmal eine ganz persönliche Entscheidung braucht. Möchte ich mich an Jesus Christus und das was er lebte und verkündigte orientieren? Soll das mein Leben und mein Handel bestimmen?

Um diese Entscheidung kommt niemand herum. Ein bisschen Christentum, das man auf den Sonntag beschränkt, oder sogar auf einige wenige Feiertage, gibt es nicht.

Heute ist zumindest eine erste Gelegenheit, sich diese Fragen zu stellen um dann ein Leben lang diese Entscheidung in sich selbst reifen und wachsen zu lassen.

Ihr werdet meine Zeugen sein. In diesem Moment werden tausende Flüchtlinge von reichen Ländern in ihre armen vom Krieg und Korruption zerstörten Länder zurückgeschickt und abgeschoben, wenn sie die Flucht und die Überfahrt in erbärmlichen Booten überhaupt überleben.

Sie sind in ihrem Land genauso verfolgt, wie Anne Frank und ihre Eltern damals.

Wer wird ihnen helfen? Wer wird den Mut haben für sie einzutreten, ihnen ein Leben in Sicherheit und Frieden zu ermöglichen.

Ihr werdet meine Zeugen sein.

Natürlich ist diese Thematik komplizierter als sie in einer Predigt zur Sprache kommen kann, aber eines ist unzweifelhaft.

Gott ist die Liebe und er liebt alle Menschen. Er hat sie erschaffen. Sie alle sind auf ihre Weise und weil Gott sie liebt, Gottes Kinder. Nichts anderes und dies zu allererst.

Wer sich entschieden hat als Christ oder als Christin zu leben, wer sich entschieden hat, der Liebe und der Botschaft Jesu Christi zu folgen, der kann dazu nicht schweigen und der darf keiner noch so logisch klingenden Parole folgen, die von einer Unterwanderung reden, von einer Überflutung, von einem Untergang, am besten noch des christlichen Abendlandes. Aber wer dem Druck der Masse nicht folgen will, sondern Jesus Christus und seinem Wort, der braucht eine Entscheidung,. Der braucht eine Befestigung, eine Konfirmation in seinem christlichen Glauben, denn sonst wird er die Diskussion meiden, den Konflikt scheuen und dann eben doch angepasst und schweigend irgendwie mitmachen, damit er seine Ruhe hat.

Christinnen und Christen, liebe Gemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, sind keine Helden und sind auch keine Heiligen, die keine Fehler machen und zu keiner Sünde fähig wären.

Sie sind ganz normale Menschen, die sich allerdings in einem von der Masse unterscheiden, nämlich das sie wenigstens versuchen, und wenn es geht, ohne Furcht versuchen, den Weg der Liebe zu gehen, der bedingungslosen Liebe, die Jesus verkündigt und gelebt hat.

Ihr werdet meine Zeugen sein und in meinem Geiste leben, im Geiste der Wahrheit. Gott hat uns diesen Geist gegeben, das feiern wir am kommenden Sonntag, an Pfingsten.

Ihr wart eine tolle Truppe, eine engagierte Gruppe, Ich danke euch dafür und für die Zeit mit euch. Ich kann nur mit Gottes Hilfe den Samen des Glaubens in euch legen, aufgehen und Frucht bringen, muss er in euch und in eurem Leben.

Dafür bete und arbeite ich. Und das hoffe von ganzem Herzen. Dass ihr heute eine erste Entscheidung fällt, die dann in euch wächst.

Denn Gott braucht Menschen wie euch, die seine Zeugen sind, und seinen Weg der Liebe gehen. Nur in der Liebe werden wir Gott begegnen, denn er ist die Liebe. Lieblose Menschen werden Gott niemals erleben und begegnen.

Versucht es zumindest. Versucht in eurem Leben und mit eurem Leben, seine Zeugen zu sein. Und wir alle, wollen es jeden Tag aufs Neue versuchen.

Was der Welt fehlt ist nicht Geld, sondern Liebe.

Gott führe euch auf seinem Weg der Liebe.

Amen.

 

nach oben

zurück

KirchenvereinePfarrerKinderGemeindehausKirchePfarrbüro