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Predigt vom 1.06.2014

  

 

Predigt zur Konfirmation am 1.06.2014

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

Liebe Konfirmationsgemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

es liegt neben der Festlichkeit des Anlasses, eine ungewisse Abschiedsstimmung über diesem Gottesdienst. Vieles scheint zu Ende zu gehen.

Ein Jahr des gemeinsamen Konfirmandenunterrichtes geht zu Ende. Ein Jahr ist vorbei, an dem ihr euch jeden Dienstag getroffen habt, nicht erst zur Konfirmandenstunde, sondern oft auch schon vorher vor dem Gemeindehaus.

Ein Jahr des Lernens und des gemeinsamen Erlebens als Konfirmandinnen und Konfirmanden liegt hinter euch.

Wir haben viel miteinander erlebt. Wir sind gemeinsam geklettert im Pfarrgarten, wir waren zusammen auf der Freizeit, wir haben viel Spaß miteinander gehabt und manche Stunde auch, ihr könnt euch erinnern, wo wir überlegten, wie wir euch etwas aus der Reserve locken könnten, damit ihr euch traut etwas zu sagen, damit ihr euch auch untereinander vertraut, damit ihr euch selbst vertraut.

Ihr habt den Konficup gewonnen, oder wart zu einer Lesung in Butzbach, wo ihr eine Frau kennen lerntet, die das KZ in Auschwitz als Kind überlebte und doch ein Leben lang ihre seelischen Wunden mit sich trug die so schmerzhaft waren, dass sie erst im Alter begann darüber reden und schreiben zu können.

Bei Licht betrachtet, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, scheint aber heute nur etwas zu Ende zu gehen.

Denn eigentlich stehen wir heute an einem Anfang. Ihr seid mit eurer Konfirmation, in allem berechtigte Mitglieder unserer evangelischen Kirche, denn ab dem heutigen Tag seid ihr für uns keine Kinder mehr, sondern Menschen, die selbst entscheiden sollen und entscheiden können, wie es weitergeht für euch in unserer Kirche.

Das ist natürlich nur unsere Sicht als Kirche, es liegt an euch, wie es weitergeht, ob es weitergeht, ob ihr euch zu dieser Kirche halten und in dieser Kirche engagieren wollt.

Es ist heute  nicht selbstverständlich in der Kirche zu sein und sich in ihr zu engagieren. Es ist eine Kirche, die mitten in dieser Welt lebt, die sich in diese Welt einbringt, eine Kirche, die Profil hat, im besten Falle das Profil dessen, der Fundament und Haupt dieser Kirche ist. Jesus Christus.

In dieser Kirche, in dem was sie sagt und was sie tut, soll das Gesicht und das Profil Jesu Christi sichtbar werden für diese Welt.

Und genau darin, das muss gesagt werden, steht diese Kirche nicht nur mitten in der Welt, sie steht ihr auch immer mehr gegenüber.

Wir haben uns in unserer Konfirmandenfreizeit und in unserem Vorstellungsgottesdienst mit dem Thema Vorbilder beschäftigt  und wir haben es getan, um darüber nachzudenken, wer oder was uns beeinflusst, prägt, an wem oder was wir uns orientieren.

Und wenn ich sage, diese Kirche steht zwar mitten in der Welt, aber eben in dem was sie tut und verkündet und lebt, auch der Welt gegenüber, dann meine ich, dass es immer schwerer wird, sich dem allgemeinen Trend, der allgemeinen Meinung der schweigenden Mehrheit, die schweigt, weil sie nicht auffallen will entgegen zu stellen.

Wir versuchen eine Gemeinschaft, eine sehr offene Gemeinschaft zu leben, die sich trägt, die miteinander für andere einsteht, aber es ist Trend in dieser Welt, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist, dass man alleine besser durchs Leben kommt.

Wir verkünden  als Kirche, dass der Mensch frei wird, wenn er sein Leben an Jesus Christus bindet, es an ihm orientiert, diese Welt aber sagt euch, dass man frei wird, wenn man sich an gar nichts mehr bindet, an gar nichts mehr orientiert, außer an dem was einem Spaß macht.

Wir verkünden als Kirche in dieser Welt, dass die Liebe, die größte Gabe Gottes ist, dass es alleine darauf ankommt, wie diese Liebe in meinem Leben und in dieser Welt sichtbar werden kann, doch diese Welt ist verdunkelt in ihrer Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid, gegenüber der Ungerechtigkeit, die sie selbst hervorbringt.

Wir verkündigen Jesus Christus, der unser Leben durch seine Liebe so wertvoll macht, diese Welt aber lebt den Glauben des Geldes und des Besitzes, der unser Leben angeblich wertvoll, weil erfolgreich und sorgenfrei macht.

Und darum, weil Kirche mitten in dieser Welt lebt und doch auch der Welt gegenüber steht, darum braucht es eine Entscheidung von jedem einzelnen von uns, nicht nur von euch Konfirmandinnen und Konfirmanden, und sie braucht diese Entscheidung auf der Seite des Lebens und der Liebe in der Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus zu leben, jeden Tag neu.

Was wir brauchen in unserer Kirche, sind Menschen, die Gott suchen, die sich an ihm orientieren, Menschen, die sich nicht durch ihre Ängste, sondern durch ihre Möglichkeiten bestimmen lassen.

Werdet ihr solche Menschen sein, werdet ihr solche Menschen werden? Werden wir solche Menschen sein oder werden?

Ihr habt es gesehen, habt in der letzten Woche miterlebt, was es bedeuten kann, mitten in der Welt zu leben und doch auch im Gegensatz zu dieser Welt, ihr gegenüber zu leben, als ich von den Jungen Nationalen, der Jugendorganisation der NPD, diesen unsäglichen Drohbrief bekam, in dem mir ein Kondom zugeschickt wurde, mit der Bitte mich und meine Gedanken und Werte nicht mehr fortzupflanzen, sondern der auch dadurch, dass er an meine Adresse geschickt wurde, sagen sollte, wir wissen wo du wohnst und das sollst du Pfarrer Johann wissen.

Es braucht keinen Mut, dem zu widersprechen, sich von diesen Drohungen und diesem Schwachsinn nicht beeindrucken zu lassen, es braucht alleine das Vertrauen in Jesus Christus und die Entscheidung seinen Weg der Liebe gehen zu wollen, der eben mit einschließt, dass man sich nicht immer beliebt macht, bei denen, die meinen mit ihrem Hass und ihrer Verachtung, etwas erreichen zu können.

Im Predigttext für den heutigen Sonntag steht ein Satz, der mir sehr wichtig ist und den ich euch mit auf den Weg geben möchte:

„ Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten diesen“. Römer 8.29

Ihr hört vielleicht immer wieder Glaube sei ein Nicht Wissen. Dem widerspricht dieser Satz deutlich, denn wir wissen, dass der Weg Jesu nicht einfach ist, wir wissen, dass das Leben in der Nachfolge Christi, der Weg der Liebe, nichts mit dem Mainstream, und nichts mit dem immer wieder zitierten Zeitgeist zu tun hat.

Vor allem aber wissen wir, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge, alles was ihnen geschieht, zum Besten diesen.

In diesem Satz steckt ein unerschütterliches Vertrauen in Jesus Christus und seinen Weg.

Aber diese Entscheidung muss man treffen in seinem Leben.

Auf welcher Seite willst du stehen und leben?

Willst du dein Leben als Zufall, oder als Gottes Wille verstehen?

Willst du dein Leben als einen Auftrag Gottes verstehen, der dir Sinn und Erfüllung gibt, oder als zufälliges Schicksal, in dem du auf Teufel komm raus, dem Streben nach Geld, Erfolg und Sicherheit nachgibst?

Willst du mit deinem Leben, den Weg der Liebe gehen, oder den Weg dieser Welt, die immer gleichgültiger dem maßlosen Unrecht und dem nicht mehr fassbaren Leid so vieler Menschen gegenüber steht?

Ich bitte euch als Konfirmandinnen und Konfirmanden, und ich bitte euch als Gemeinde, lebt euer Leben vertrauensvoll, hoffnungsorientiert, zuversichtlich und folgt mit mir Jesus Christus nach.

Werdet mit eurem Leben Teil des Profils, des Gesichtes, der Wirklichkeit Gottes in dieser Welt und lasst euch dabei durch nichts erschüttern.

Denn ich weiß, dass all denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.

Weil Gott dich liebt und weil er dich nie alleine läßt und weil diese Welt nichts mehr braucht, als Menschen, die ihr Leben nicht an der Oberfläche leben, sondern aus der Tiefe ihrer Seele.

Und meine Seele sagt mir: In Gottes Liebe lebe ich gut geborgen, nichts kann mich trennen von dieser Liebe Gottes.

Amen.

 

 

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