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Predigt vom 31.12.2013

  

 

Predigt zum Jahreswechsel 2013/2014

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

Liebe Gemeinde,

 

Gott nahe zu sein ist mein Glück.

Kurz uns knapp kommt uns für dieses neue Jahr die Jahreslosung ins Ohr.

Glück ist in. Jeder und jede von uns will glücklich sein und der Arzt und Kabarettist von Hirschhausen hat sogar ein Buch über das Glück geschrieben, das wochenlang auf den Bestsellerlisten stand.

Schon immer spielte das Glück eine wichtige Rolle, manche erachten es sogar als Sinn des Lebens, dass der Mensch glücklich ist.

Nur wie begegnet man dem Glück? Oder ist wirklich jeder von uns seines Glückes Schmied?

Gott nahe zu sein ist mein Glück.

Der Satz könnte auch in einem der sattsam bekannten Glückskekse in einem asiatischen Restaurant stehen.

Immerhin, liebe Gemeinde, diese Jahreslosung motiviert uns dann schon einmal nachzusinnen darüber wann wir glücklich waren im vergangenen Jahr, und auch darüber, aus welchem Grund und zu welchem Anlass wir zutiefst unglücklich waren.

Und trotzdem, liebe Gemeinde, habe ich zu dieser Jahreslosung meine Bedenken, erstmals entstammt sie nicht der Lutherbibel, sondern der ökumenischen Einheitsübersetzung. Bei Luther würde dieser so griffige Satz schwieriger, aber eben auch gehaltvoller.

Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.

So heißt dieser Vers in der Übersetzung Martin Luthers und es scheint, in diesem Jahr wollte man die Jahreslosung griffiger, glatter, fast ist man geneigt zu sagen: werbewirksamer machen.

Aus:  Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all mein Tun, ist kurz und knapp und einprägsam Gott nahe sein ist mein Glück geworden.

Ich finde das schade, denn jedes Wort, das Luther übersetzte steht auch so im ursprünglichen hebräischen Text und ich denke, man sollte die Worte des Psalmdichters nicht in dieser Weise kürzen.

Sehen sie, bei der Jahreslosung fehlt gleich am Anfang dieses „Aber“ . Es war dem Psalmdichter aber wichtig, denn es war die Antwort letztlich auf ein Problem mit dem er nicht gleich zurecht kam.

Es verdross mich, schreibt er an anderer Stelle, dass es den Gottlosen so gut ging.

Das war sein Problem, nicht weil er ein Mensch war der anderen nichts gönnte, sondern weil man in jeder Zeit des Alten Testamentes davon überzeugt war, es gäbe einen Zusammenhang zwischen dem was einer tut und dem wie es einem geht. Und sein Logik war, dass es dann doch den Gottlosen schlecht gehen müsse.

Vielleicht geht es uns ja auch manchmal so, dass wir kaum noch fassen können, dass offensichtlich diejenigen, denen es richtig gut geht, die keine Sorgen haben, sich nicht gerade durch Frömmigkeit oder wenigstens soziales Engagement auszeichnen.

Wenn du Erfolg haben willst im Leben, und das gehört ja für die meisten Menschen zum Glück dazu, musst du dann nicht auch ein Stück weit egoistisch sein, ja vielleicht skrupellos?

Mich hat das zum Beispiel ziemlich geärgert als ich vor wenigen Wochen erfuhr, dass die HSH Nordbank, die mit Milliarden Steuergeldern gerettet wurde und die ihrem neuen Vorstand Millionengehälter zahlt, sofort nach der Rettung durch den Steuerzahler damit begonnen hat, dem Staat, der sie gerettet hat, um 120 Millionen Euro zu betrügen. Und dann schauen sie sich mal an, wie gut es den Vorstandsmitgliedern geht. Da müsste doch mal ein Blitz vom Himmel kommen über solche Skrupellosigkeit, aber nichts passiert.

Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.

Verstehen sie jetzt liebe Gemeinde, dieses „Aber“ am Beginn des Satzes? Das ist wichtig. Der Psalmdichter entscheidet sich nicht mit den Erfolgreichen und Mächtigen seiner Zeit mitzumachen, sondern sich zu Gott zu halten und darin seine Erfüllung und seine Freude zu finden.

Apropos Freude. Ist Freude nicht etwas ganz anderes als Glück?

Ich empfinde es jedenfalls so. Glück das scheint mir oberflächlicher zu sein als Freude, das scheint mir mehr auf den Moment bezogen, während Freude ein ganzes Lebensgefühl ausspricht, einen dauerhaften Zustand. Fast möchte ich sagen, Glück ist etwas Vergängliches, aber Freude etwas Dauerhaftes, im wahrsten Sinne des Wortes Haltbares.

Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte.

Da wird es jetzt aber spannend. An Was haltre ich mich eigentlich im Leben? Was gibt mir im Leben Halt? Das schnelle Glück des Augenblicks oder die tiefe Freude?

Vielleicht gelingt es mir ja Sie zu motivieren, einmal die Jahreslosung so wie sie ist, zu Hause bei ihrer Bibellese, einmal mit der Übersetzung Martin Luthers zu vergleichen, so in aller Ruhe.

Ist Gott nahe sein, wirklich das selbe, wie sich zu Gott halten? Sich zu Gott halten, das heißt für den Beter des Psalmes, für diesen Menschen, der ins Wanken gekommen war mit seinem Leben, weil offensichtlich nur noch das Unrecht Triumphe feiert, dass er all seine Zuversicht auf Gott setzt und dass er sein Tun in dieser wahrlich zutiefst ungerechten Welt verkündet, dass er Gottes Liebe zu den Menschen in dieser Welt weitersagt.

Lesen Sie einmal den ganzen Psalm 73 zu Hause, in der Psalmlesung haben wir ihn ja nur auszugsweise gebetet.

Dann werden sie sehen, dass der Satz der Jahreslosung der letzte Vers dieses Psalmes ist, quasi die Quintessenz des ganzen Psalmes und wenn man es so will, das Ergebnis all seines Suchens und all seines Lebens.

Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.

 

Mir scheint, diesen Satz so zu verkürzen, wie es die Jahreslosung und dann noch in der sogenannten Einheitsübersetzung tut nicht richtig. Da wird die geistliche Nahrung zum Fast Food, das man mal auf die Schnelle in sich aufnimmt.

Dabei ist jedes Wort doch so wichtig. Dieses „Aber“ , das signalisiert, dass da ein Widerspruch, ein deutlicher Widerspruch zu dem ist, was anderen wohl alles so Freude macht, dass da protestiert wird gerade gegen ein Lebensgefühl, das Verantwortung für andere und den Glauben an Gott nicht mehr kennt.

Und dann geht es nicht einfach um Glück, sondern um eine tiefe, anhaltende Freude, um eine Freude, darüber bei Gott auch dann nicht Halt und Orientierung und Zuversicht zu finden, wenn alles andere im Leben ins Wanken gerät und in Frage gestellt ist.

Stellen sie sich einmal eine Situation im Krankenhaus vor, oder eine Gespräch mit ihrem Steuer- oder Anlageberater, oder um eine Diskussion mit einem Menschen, der mit nichts mehr zufrieden sein kann, obwohl er alles hat und dann würden sie und ich sagen:

Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all sein Tun.

Das hätte doch was.

Ich wünsche ihnen allen ein gesegnetes Neues Jahr und ein Leben voller Zuversicht in der Nähe Gottes.

Amen.

 

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