Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Predigt vom 6.10.2013

  

Predigt zu Erntedank 2013 in der
evangelischen Kirche in Gedern ( 6.10.2013)

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

Liebe Gemeinde,

der Predigttext für das heutige Erntedankfest steht bei Matthäus im 6. Kapitel. Die Kundigen unter uns hören sofort: Aha diese Worte sind Teil der berühmten Bergpredigt von Jesus. Denn in den drei Kapiteln  5-7 sind in bei Matthäus, Worte Jesu zu einer Predigt zusammengeschrieben worden.

Da stehen so berühmte Texte wie das Vaterunser oder die Seligpreisungen drin. Die Bergpredigt, liebe Gemeinde, ist so etwas wie eine Grundsatzerklärung Jesu.

Wir sollten also ganz genau hinhören, auch wenn uns der ein oder andere Satz daraus vielleicht auch ein wenig das schöne Erntedankfest eintrüben wird.  Aber Jesus war damals und ist heute unbequem. Unbequem in dem Sinne, dass er uns aufrütteln möchte, dass er uns einen Denkanstoß geben möchte für unser Leben.

Sich Gedanken machen kommt ja von Danken. Zumindest nehme ich das an. Und weil heute Erntedank ist, wollen wir darum nicht einfach beim Dank stehen bleiben für das was wir haben, sondern uns auch Gedanken machen über unser Leben, über das was uns im Leben wichtig ist.

Darum hören wir jetzt die Worte aus der Bergpredigt, und weil sie aus dieser wichtigen und grundsätzlichen Rede Jesu stammt, darum sollten wir auch genau hinhören.

 

Matthäus 6. 19-23

[19] Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. [20] Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. [21] Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz!

 

Liebe Gemeinde,

wir sind hier um Gott für die Gaben zu danken, die er uns auch in diesem Jahr geschenkt hat. Für das, was er uns zum Leben gegeben hat.

Dazu gehören auch sehr irdische Dinge, wie die Nahrung, symbolisiert durch die Früchte des Feldes hier am Altar, dazu gehört für die meisten von uns aber auch, eine gewisse finanzielle Sicherheit für die wir danken dürfen, dazu gehört vielleicht auch, dass wir in diesem Jahr vor schlimmen Schaden verschont geblieben sind, dazu mag auch gehören, dankbar zu sein, dass wir manches Schwere mit Gottes Hilfe und den Glauben an ihn überwunden und überstanden haben.

Aber leider sieht es Jesus etwas anders. Fast ist es, als ob er unser Erntedankfest für all die irdischen Gaben unseres Lebens ein wenig stören wolle wenn er sagt:

[19] Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen

Liebe Gemeinde,

Jesus möchte uns damit nicht unser irdisches Glück schlecht machen. Der Dualismus „Irdisch-schlecht“ „himmlisch – gut“ stimmt hier einfach nicht.

Natürlich will Gott, dass wir unser Leben genießen. Gott hat uns unser Leben ja nicht geschenkt, weil er meint, alles Irdische sei etwas Schlimmes, wir dürfen es also genießen, unser Leben, denn es kommt von Gott.

Allerdings möchte Jesus, davon bin ich überzeugt, dass wir unser Leben und das was wir haben, nicht einfach als unser Eigentum betrachten.

Und er möchte nicht, dass wir gar das, was wir haben, als unseren Verdienst ansehen, der uns alleine gehört und darum niemandem etwas angeht.

Vielleicht wird das, was ich sagen will mit dem Satz deutlicher, den ich neulich zur Vorbereitung dieser Predigt gelesen habe.

Wenn du etwas besitzt, das du nicht weggeben kannst, dann besitzt du es gar nicht, sondern es besitzt dich.

Ich will den Satz nochmal langsam wiederholen:

Wenn du etwas besitzt, das du nicht weggeben kannst, dann besitzt du es gar nicht, sondern es besitzt dich.

Vielleicht könnte man es auch so sagen: Besitz im falschen Sinne meint von etwas besessen sein.

Wenn wir also heute Erntedank feiern, dann ist es wohl nur zum einen wichtig, dafür zu danken, was uns gegeben und geschenkt ist, zum anderen aber auch wichtig darüber ins Gespräch zu kommen, ob es richtig ist darin fast schon den Sinn unseres Lebens zu sehen. Ein Bankkonto, das Sicherheit gibt, ein Wohlstand, der einem die finanziellen Sorgen wegnimmt, ein bisschen Luxus und Urlaub, das sind alles schöne Dinge. Die dürfen wir genießen. Aber- sie sind nicht unser Leben. Sie sind vergänglich.

Ich hatte mal einen VW Käfer, mein erstes Auto, das habe ich, ich traue es mich kaum zu sagen, geliebt und war mächtig stolz drauf.

Aber ich hab dann irgendwann einsehen müssen, das war ein Schatz auf Erden, den im wahrsten Sinne des Wortes der Rost auch gefressen hat.

Irdische Dinge, was sind das?  Manchmal bespreche ich den Predigttext mit dem ein oder anderen und höre, was anderen dazu einfällt.

Das erinnert mich an die Fleischtöpfe Ägyptens, sagte da jemand. Dahin wollten die Israeliten wieder zurück, weil ihnen der Weg in die Freiheit zu beschwerlich wurde. Ja, vielleicht ist das ein gutes Bild. Irdische Dinge sind in dem Moment, wo wir unser ganzes Herz daran hängen, unser ganzes Leben danach ausrichten, Ballast, der uns den Weg in die Freiheit der Kinder Gottes schwer macht.

Dazu passt der Satz: Was hilft es dir wenn du die ganze Welt gewinnst und nimmst doch Schaden an deiner Seele.

Denken sie bitte in diesem Zusammenhang an die vielen ertrunkenen Flüchtlinge vor Lampedusa, die wir nicht in unsere Festung Europa hereinlassen wollen, weil wir meinen sie gefährden unseren Wohlstand.

Und dazu passt der Satz: Man kann nicht zwei Herren dienen: Gott und dem Mammon. Und dazu passt der Satz aus Luthers Katechismus, der sagt: Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.

Aber was sind dann Schätze im Himmel?

Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.

Liebe Gemeinde, wenn die Schätze der Erde mich auf meinem Weg zu Gott, oder um das Bild des Volkes Israel aufzugreifen, auf meinem Weg zur Freiheit, zurückhalten können, dann müssen die Schätze des Himmels mir dabei helfen, frei zu sein, nahe bei Gott zu sein.

Es ist Erntedank. Die größte Gabe Gottes, ist Jesus Christus.

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn in die Welt gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Ich denke, darauf will Jesus hinweisen, wenn er sagt: Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, dass wir Jesus nicht aus dem Blick verlieren, den Glauben an ihn, dass wir lernen uns für ihn und sein Wort zu öffnen.

Um an diesen Schatz Jesus heranzukommen, seine Liebe zu uns annehmen zu können, müssen wir erst einmal unser Herz frei machen, dürfen wir beginnen, all das was wir haben, aus Gottes Hand zu empfangen. Alle gute Gabe kommt von Gott allein, haben wir gesungen.

Es ist Gott, der uns liebt. Es ist Gott, der uns das Leben schenkt. Es ist Gott, der für uns sorgt.

Nichts ist unser Verdienst. Nichts ist unser Eigentum. Nichts ist unser Besitz, das wir nicht wieder abgeben können, denn wenn wir es nicht wieder abgeben können, besitzt es uns.

Nein, liebe Gemeinde, mit diesen Worten der Bergpredigt, möchte Jesus uns nicht unser Erntedankfest eintrüben und er möchte auch nicht, dass wir dieses Leben auf der Erde genießen.

Ganz im Gegenteil. Er möchte, dass wir alle, was wir haben, aus seiner Hand empfangen und dafür dankbar sind.

Dass wir lernen ihm zu vertrauen, uns mit allem im Leben ihm anzuvertrauen, uns für ihn zu öffnen, damit wir unsere Freiheit finden, in der Bindung an ihn.

Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist.

Sie ist der größte Schatz im Himmel.

Aber den findet eben nur der, der sein Herz nicht an die Schätze auf Erden verschenkt hat, denn wo dein Herz ist, da ist auch dein Gott.

Wo ist mein Herz? Wo ist dein Herz? Auf was vertrauen wir im Leben?

Die Frage mag sich jeder und jede selbst beantworten.

Lieber die Fleischtöpfe Ägyptens oder die Freiheit der Kinder Gottes?

Gottes Liebe möge uns den Weg zeigen.

Hin zur Freiheit die teilen kann, hin zur Liebe Gottes, die ewig ist, die Motten und Rost nicht fressen können.

Gott liebt uns, er sorgt für uns, jetzt und über dieses irdische Leben hinaus.

Gott sei Dank!

Amen.

 

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