Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Predigt vom 19.05.2013

  

Predigt am Pfingstsonntag 2013 in der evangelischen Kirche in Gedern

 

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

 

[11] Und Mose sprach zu dem HERRN: Warum bekümmerst du deinen Knecht? Und warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst? [12] Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass du zu mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast? [ ... ] [14] Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer. [15] Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muss. [16] Und der HERR sprach zu Mose: Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftshütte und stelle sie dort vor dich, [17] so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volks tragen und du nicht allein tragen musst. [ ... ] [24] Und Mose ging heraus und sagte dem Volk die Worte des HERRN und versammelte siebzig Männer aus den Ältesten des Volks und stellte sie rings um die Stiftshütte. [25] Da kam der HERR hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf

Num 11,11-12.14-17.24-25

 

Liebe Gemeinde,

zu Pfingsten erwarten wir eine schöne Geschichte, eine über den Heiligen Geist.

 

Da stehen uns die verängstigten Jünger vor Augen, die mit einen Schlag und der Ausgießung des Heiligen Geistes aus der Trauer und aus der Angst herausgerufen werden.

 

Da sehen wir sie auf einmal in der Pfingstgeschichte als von Gott begabte Menschen, die von aller Furcht befreit öffentlich das Wort Gottes verkündeten, und sich in allen möglichen Sprachen dieser Welt, die sie nicht in der Schule gelernt haben, zu Jesus Christus, als dem Auferstandenen zu bekennen.

 

So haben wir Pfingsten gerne, und das ist auch die pfingstliche Hoffnungsgeschichte, dass Menschen ihre Furcht verlieren, dass Menschen aus der Trauer herausfinden, dass Menschen durch den Geist Gottes befähigt werden, das Wort Gottes so zu verkündigen, dass es auch von jedem verstanden wird.

 

Wo Hoffnung Menschen stärkt geschehen Wunder.

 

Und Wunder gibt es immer wieder, man muss sie nur versteh´n. Die Älteren unter uns wissen, dass das mal ein ganz bekannter Schlager von Katja Ebstein gewesen ist.

 

Aber nun und heute, liebe Gemeinde, wird uns zum Pfingstfest ein sehr bekannter Diener Gottes ganz anders vorgestellt, als die geistbegabten Jünger an diesem ersten Pfingstfest.

 

Mose, von dem wir wissen, er hat mit Gott am brennenden Dornbusch gesprochen, er hat dem Pharao die Stirn geboten, er hat das Rote Meer geteilt, er hat das Volk Gottes aus der Sklaverei heraus in die Freiheit geführt, er hat Wasser aus einem Stein sprudeln lassen, dieser Mose der ist am Ende, der ist fertig, der kann einfach nicht mehr.

 

Warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst? Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass du zu mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast?  Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer. Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muss.

 

Jeder von uns würde meinen, dieser Mose müsste doch vor Selbstbewusstsein strotzen, aber uns wird ein Mensch am Ende seiner physischen, aber noch offensichtlicher am Ende seiner psychischen Kräfte vorgestellt. Heute würde man sagen, vielleicht hat er Depressionen, vielleicht ist er tief drin in einem Burnout.

 

Ich vermag das ganze Volk, die ganze Gemeinde, die du mir anvertraut hast, einfach nicht mehr zu tragen oder vielleicht auch zu ertragen, sagt er.

 

Denn das Volk, heute würden wir sagen, die Gemeinde murrt, meckert, ist unzufrieden.

 

Egal was sie bis jetzt mit Mose erlebt haben, egal welche Wunder sie mit ihrem Gott und durch Mose gesehen haben, sie sehnen sich doch nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurück.  Die gesicherte Gefangenschaft ist ihnen lieber als die unsichere Freiheit.

 

Sicher, das ist richtig, in Ägypten waren sie Sklaven, aber Fleisch gab es wenigstens zu essen und man wusste, was der nächste Tag bringen würde und heute?

 

Da wandern wir Tag für Tag aufs Neue durch die Wüste, kein verheißenes Land ist in Sicht, außer Manna vom Himmel nichts zu essen und außer Wasser nichts zu trinken.

 

Das soll Freiheit sein? Da verzichten wir aber undankend, sagt das Mose anvertraute Volk.

 

Und Mose beginnt immer mehr zu tun und zu machen. Er will das Volk, die Gemeinde, durch seine Tatkraft überzeugen, kann nicht verstehen, warum das Volk so denkt, die müssten sich doch einfach mal vor Augen halten, was sie schon alles erlebt haben und was Mose schon alles für sein Volk getan hat.

 

Tun sie aber nicht.

 

Und Mose ist verzweifelt und ausgebrannt und  am Ende.

 

Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muss.

 

Mehr am Ende kann ein Mensch nicht sein, als dieser Mose.

 

Die Antwort Gottes darauf ist erstaunlich, wie ich finde. Und diese Antwort ist mehr, als ein Kurs in modernem Organisationsmanagment, der zur Teambildung und zum Delegieren der Aufgaben auffordert.

 

Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftshütte und stelle sie dort vor dich, so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volks tragen und du nicht allein tragen musst.

 

Das ist mehr als nur ein praktischer Tipp seine Arbeit zu delegieren, liebe Gemeinde.

 

Ich höre da mehr heraus: Mose höre auf, alles alleine machen zu wollen, alles alleine tragen zu wollen.

 

Such dir Menschen, die dir helfen, die dich verstehen, die dich tragen.

 

Ich höre da mehr heraus:

 

Gemeinde kann nur tragen, wer getragen wird.

 

Du brauchst Menschen, die dich stützen und dich unterstützen, Menschen, die an deinen Aufgaben Anteil nehmen, und nicht dem Volk nach dem Mund reden, Menschen, die zu verstehen suchen, wes Geistes Kind du bist, nämlich ein Kind Gottes und die sich in diesem Geist mit dir verbunden wissen.

 

Kirche geschieht im Wesentlichen nicht durch das spektakuläre Ereignis, sondern durch eine Gemeinschaft des Alltags, die sich im Geist Gottes verbunden weiß.

 

Kirche geschieht, wo nicht einer für alles verantwortlich ist, oder verantwortlich gemacht wird, sondern wo Menschen sich miteinander auf einem Weg wissen.

 

Auf einem Weg, den sie miteinander gehen, auch wenn sie sicher nicht immer einer Meinung sind, auch wenn sie sicher nicht immer darüber ob es der richtige Weg ist, Übereinstimmung erzielen können.

 

Mose jedenfalls, liebe Gemeinde, ist mit seinen Sorgen und Nöten, nicht alleine gelassen worden. Die siebzig, die sich von ihm erwählen ließen, gehörten sicherlich nicht zu denen, die den ganzen Tag unzufrieden waren und wieder heim nach Ägypten wollten, sondern es werden Menschen gewesen sein, die wussten und es als einen Ruf Gottes empfanden, Mose, zu stützen und zu unterstützen.

 

Wer von Mose lernen will, der wird aber das Wichtigste dieser Geschichte nicht vergessen dürfen, nämlich dass er sich Gott anvertraut mit allem, was ihn belastet und bedrückt und dass er von ihm auch die Hilfe annimmt, die Gott für ihn bereithält. Dann sind auch große Sorgen, dann sind auch Wege, die zu Ende scheinen, dann sind auch Krisen des eigenen Lebens, wie sie wir hier bei Mose miterlaben dürfen, immer noch Wege, die von Gott begleitet werden.

In Gottes Geist soll niemand alleine sein, auch der nicht, der wie Mose erfährt, wie alleine und einsam man sein kann, wenn man in einem leitendem Amt unserer Kirche Verantwortung trägt.

 

In Gottes Geist geht Gott mit, mit jedem von uns. Das ist das, was Christen verbindet. Gottes Geist und seine Liebe.

 

Amen.

 

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