Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Predigt vom 12.05.2013

  

Predigt zur Konfirmation 2013 in der evangelischen Kirchengemeinde in Gedern am 12.5.2013

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

heute, am Sonntag nach Himmelfahrt beschäftigen sich die christlichen Gemeinden in ihren Gottesdiensten mit dem Thema Abschied.

 

Himmelfahrt war der Abschied Jesu von seinen Jüngern. Und er hat ihnen vor seinem Abschied einige eindringliche Worte mit auf den Weg gegeben, ermutigende Worte, wie ich finde.

 

Sie stehen im Johannesevangelium und sie erinnern mich zunächst daran, dass Konfirmation für mich auch so ein Abschiedsgefühl ist, denn ihr werdet nun nicht mehr Dienstags in den Konfirmandenunterricht kommen und ich gehe einmal realistisch davon aus, dass wir uns auch die nächsten Sonntage nicht unbedingt um 10 Uhr in der Kirche sehen werden. Ausnahmen bestätigen vielleicht die Regel.

 

Und Abschied ist das heute auch ein Stück weit für eure Eltern, denn sie spüren sehr deutlich an einem Tag wie diesem, wie schnell die Zeit vergeht und dass das Kind, dem man vor kurzem zum Einschlafen noch ein Lied vorgesungen hat, nun ein Jugendlicher, fast Erwachsener geworden ist, der heute ganz andere Lieder hört und das meistens auch recht laut. An Schlaf ist da jedenfalls nicht zu denken.

 

Ja, aber was sagt man denn zu so einem Abschied?

 

Gibt es etwas, was man, was ich, euch mit auf den Weg geben kann in euer Erwachsenenleben, auf euren Lebensweg?

 

Was sagt man eigentlich zu so einem Abschied?

 

Ich verbinde mit Abschied etwas sehr Trauriges. Ich gebe auch zu mir ist bei der ein oder anderen Konfirmation schon passiert, dass mir sie Stimme stockte und ich ein Tränchen runterschlucken musste, also seid schon mal vorgewarnt. Denn das kann mir auch heute passieren, weil ich euch wirklich lieb gewonnen habe und euch als liebeswerte Menschen kennenglernte, als Menschen, die man begeistern kann, nicht immer, aber eben immer wieder.

 

Was sagt man eigentlich zu so einem Abschied?

 

Ich verbinde mit Abschied aber nicht nur Trauriges, sondern ein Loslassen zu einem Neuanfang.

 

Die Konfirmandenzeit liegt hinter euch und das ist gut so. Das sei euch gegönnt und zwar von Herzen. Ich weiß, dass es manchmal Spannenderes gibt als Konfirmandenunterricht und doch denke ich gleichwohl, wir haben in diesem knappen Jahr so viel miteinander auch erlebt, gesungen, gelacht, diskutiert, dass manches dabei sein wird, das euch im Leben begleiten wird.

 

Den Konficup haben wir gewonnen und einen tollen Teamgeist gezeigt.

 

In der Kirche haben wir übernachtet, wir waren klettern, wir waren in Rieneck zur Konfirmandenfreizeit. An was werdet ihr euch erinnern.  Was wird bleiben? Die langen Nächte auf der Freizeit, eure Stundenandachten bei der Kirchenübernachtung, unser gemeinsames Singen auf Stühlen und Tischen? Es wird etwas bleiben, davon bin ich überzeugt. Und manchmal stelle ich mir euch als Silberne Konfirmanden vor, die sich 25 Jahre danach an diese Zeit erinnern werden.

 

Ja, aber was sagt man eigentlich bei einem solchen Abschied?

 

Bei einem Tschüss und mach´s gut will ich es jedenfalls nicht belassen und mich dann doch an den Abschiedsworten Jesu an seine Jünger orientieren, die wir jetzt hören:

 

Predigttext:

 

Jesus sagt zu den Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Weisungen bewahren. Und ich werde Gott bitten, dass er euch einen anderen Beistand geben wird, damit er für immer mit euch sei.

 

Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich lasse euch nicht als Waisen in Stich, ich werde zu euch kommen. Bald wird die Welt auch mich nicht mehr sehen, ihr aber werdet mich sehen, denn ich lebe, und auch ihr werdet leben!  Johannes 14, 15-19

 

Jesus sagt also zu seinen Jüngern, dass sie nicht alleine sein werden und dass sie darum zuversichtlich sein dürfen.

 

Er sagt ihnen, dass sie mit ihm verbunden bleiben im Geiste Gottes.

 

Er sagt ihnen, dass, wenn er nun aus dieser Welt gehen wird, ihnen einen anderen Beistand geben wird, einen anderen Geist, der bei ihnen bleiben wird und in ihnen bleiben wird.

 

Und er wird Wort halten. Genauso ist es geschehen.

 

Daran erinnern wir uns am kommenden Sonntag, wenn wir Pfingsten feiern.

 

Die Jünger haben diese Erfahrung machen dürfen: Gottes Geist lässt uns nicht allein, er führt und begleitet uns im Leben. Er schenkt Hoffnung und ist in uns die Kraft, die wir zum Leben brauchen, die Zuversicht, die uns durch das Leben trägt.

 

Eigentlich, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden könnte ich diese Worte Jesu zum Abschied von seinen Jüngern auch als Worte Jesu für euch einfach übernehmen.

 

Jesus sagt zu euch, die ihr heute konfirmiert werdet, die ihr schon bald eure eigenen Wege geht und auch gehen sollt:

 

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Weisungen bewahren, und euch an meinem Wort im Leben orientieren. Und ich werde Gott bitten, dass er euch für euren Lebensweg einen Beistand geben wird, damit er immer mit euch sei.

 

Soweit und so gut. Aber dann kommt ein Satz, der mich nachdenklich macht, nicht nur, aber auch im Hinblick auf euch.

 

Denn Jesu Geist. Der Heilige Geist, den er den Geist der Wahrheit nennt, den kann die Welt nicht empfangen, weil sie ihn nicht sieht und weil sie ihn nicht kennt. So steht es als Wort Jesu in der Bibel und darum müssen wir auch darüber nachdenken.

 

Wenn ich euch ein Jahr lang unterrichtet habe, versucht habe euch die frohe Botschaft Gottes näher zu bringen, wenn wir als Kirchengemeinde euch versucht haben für ein Leben in Gottes Geist zu prägen, dann auch deswegen, weil wir wissen, diese Welt ist entweder geistlos, oder lebt in einem anderen Geist, als den Geist Gottes, und darum ist diese Welt schon fast auf empörende Weise ungerecht.

 

Auch das will ich euch zu eurem Abschied aus der Konfirmandenzeit ausdrücklich sagen und uns allen.

 

Es ist der Geist des Geldes, dem die Welt folgt.

 

Es ist ein Geist der Unmenschlichkeit, der um des Profites Willen Waffen produziert und auch liefert, der um des eigenen Wohlstands Willen, Menschenrechte nicht mehr achtet.

 

Es ist ein Geist des Egoismus, der bei der Gier nach immer mehr, nun noch daran interessiert ist, wie billig etwas ist und nicht daran, dass unser Wohlstand sich durch gnadenlose Ausbeutung der Ärmsten dieser Welt und Gottes Schöpfung ergibt.

 

An welchem Geist werdet ihr euch in eurem Leben orientieren?

 

Und ganz ehrlich, ich mache mir Sorgen.

 

Ich höre von gnadenlosen Mobbing in der Schule, das keine Rücksicht mehr nimmt auf den Mitmenschen. Ich höre von Jugendtreffen in Spielhallen in Gedern, weil dort Getränke kostenfrei ausgegeben werden und auch davon, dass der ein oder andere Jugendliche sich schon in diese Abhängigkeit begeben hat.

 

Ich mache mir Sorgen, aber ich möchte euch vertrauen.

 

Und darum sage ich jetzt zu eurem Abschied:

 

Ihr habt gelernt wie unendlich wichtig und geliebt jeder von euch bei Gott ist. Achtete das als eure und eurer Mitmenschen Würde, die niemand antasten darf.

 

Ihr habe gehört und gelernt, dass Gott euch liebt und dass er die Liebe ist.

 

Darum geht euren Weg, als einen Weg der Liebe, als einen Weg der Zuwendung zu euren Mitmenschen.

 

Irgendwann muss man sich im Leben dann entscheiden, sagt Jesus.

 

Wenn ihr mich liebt, dann werdet ihr meine Weisungen bewahren und ihr werdet versuchen in meinem Geist zu leben, der euch Beistand im Leben ist und der immer bei euch sein wird.

 

Bei einem Tschüss und mach´s gut, wollte ich es nicht belassen. Weil Gott euch liebt und ich euch liebe.

 

Darum geht mutig und zuversichtlich euren Weg.

 

Aber geht ihn mit Gott. Dann wird Gottes Geist immer bei euch sein.

 

Amen.

 

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