Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Predigt vom 07.10.2012

  

 

Predigt zum Erntedankfest 2012 in Gedern

 

(Es gilt das gesprochene Wort)

 

 

Liebe Gemeinde,

das diesjährige Erntedankfest steht unter dem Motto eines Satzes aus dem Timotheusbrief:

Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts ist verwerflich, was mit Dankbarkeit empfangen wird, denn es ist geheiligt durch Gottes Wort und das Gebet.

Paulus schrieb diese Worte und er nimmt historisch Stellung zu einer Anfrage aus der Gemeinde, ob Christen auch Fleisch essen dürfen, das bei der Schlachtung ein Opfer an fremde Götter gewesen ist. Einige lehnten das ab, andere sahen es locker, und die Gruppierungen gerieten in Streit. Darum fragen sie Paulus, ob man dieses Fleisch, dieses Götzenopferleisch essen darf oder nicht.

Paulus gibt die Antwort, dass es auf die Dankbarkeit ankommt, den Dank an den Gott, an den wir glauben und alles sei gut, weil es schon in der Schöpfungsgeschichte heißt: Und Gott sah, seiner Werk Hände und siehe es war alles sehr gut.

Auf die Dankbarkeit kommt es an und darauf, alles als Gabe Gottes zu empfangen.

Den historischen Bezug wissen wir also nun und den sollten wir auch wissen;  allein wir dürfen dabei nicht stehen bleiben und uns damit zufrieden sein, denn die Bibel ist kein Geschichtsbuch, das uns aus der Vergangenheit erzählt, sondern Gottes Wort, das uns Orientierung heute geben möchte.

Wir müssen also und wir dürfen fragen, was dies alles über den historischen Kontext hinaus mit uns, unserer Zeit und dem heutigen Erntedankfest zu tun hat.

Lassen Sie mich, liebe Gemeinde, hier das Pferd einmal von hinten aufsatteln und fragen, was denn eigentlich Sünde ist?  Denn im Blick auf die großen Katastrophen im Kampf gegen Armut und gegen den Hunger in der Welt, fällt mir im Moment nur der Begriff Sünde ein.

Was ist also Sünde?

Eine Antwort ist relativ einfach: Sünde ist strukturell, Sünde gehört zum System, dem politischen System, der Weltwirtschaftsordnung, zum System sich selbst der Nächste zu sein.

Und da wir, ob wir nun wollen oder nicht, auch immer Teil dieses Systems sind, das seine Entscheidungen immer an der Wirtschaftlichkeit orientiert und nicht etwa zuerst daran wie Menschenrechte umgesetzt werden, sind wir auch immer Teil der Sünde.

Wir gehören dazu ob wir wollen oder nicht. Viele Literaten, unter anderem Thomas Bernhard, haben diese Struktur, dieses System in ihrem Büchern beschrieben, haben die Ohnmacht aufgezeigt, dass heute so viel Unrecht geschieht, aber niemand mehr persönlich wirklich schuldig ist.

Wen wollen sie dafür vor Gericht verklagen und einsperren, dass Lebensmittelpreise so in die Höhe getrieben werden, dass es für viele Länder unmöglich geworden ist auf dem Weltmarkt sich mit grundlegendsten Nahrungsmitteln zu versorgen?

So ist das, glaube ich, liebe Gemeinde, und weil wir meinen alle sind irgendwie schuldig, das ist halt das System, da kann man nichts dagegen machen, deswegen meinen wir, dass wir als kleiner Mann und kleine Frau nichts dagegen tun können gegen die da oben, und dass uns darum keine Schuld treffe. Wenn alle irgendwie Schuld sind, ist wenigsten keiner alleine schuld und ich schon gar nicht.

Was ist Sünde noch, liebe Gemeinde, außer dass sie in einem System geschieht, das zu unserer Struktur dazu gehört?

Ich meine Sünde ist Beziehungslosigkeit, ist die Abkehr von verantwortlich gestalteten Beziehungen.

Süden ist letztendlich Beziehungslosigkeit.

Als Menschen sind wir Beziehungswesen, wir sind darauf angewiesen in Beziehungen zu leben, mit der Familie, mit Freunden, mit Gott und mit unseren Mitmenschen weltweit, in dieser immer kleiner werdenden Welt.

Und ich denke, wir sind in unserem Dran nach Unabhängigkeit, drauf und dran alle wichtigen Beziehungen abzubrechen.

In welcher Beziehung stehen wir eigentlich noch zu den Ärmsten der Welt, oder ist es uns nicht im Großen und Ganzen resignierend gleichgültig, dass dieser Hunger, diese fast 1 Milliarde Menschen, die permanent unterernährt sind, auch uns nicht zuletzt damit zu tun hat, dass Nahrungsmittel, die den Hunger verhindern könnten, an der Börse gehandelt werden. Und wenn

dann noch wie in diesem Jahr eine Dürre in Amerika hinzukommt, dann steigt der Preis an der Börse etwa für Weizen und Mais ins Unermessliche. Dann verhungern eben Menschen, obwohl der Word Food Report uns in diesem Jahr bescheinigt problemlos die doppelte Weltbevölkerung ernähren zu können, wenn wir nur wollten und es uns etwas wert wäre.

In welcher Beziehung stehen wir eigentlich noch zur Landwirtschaft und zu unseren Nahrungsmitteln, wenn wir die Früchte der Ernte um des Profits willen, in die Biogasanlagen fahren oder in unser Auto vertanken. Etwa 40 Prozent der Maisproduktion in Amerika wird zur Treibstoffgewinnung verwendet.

In welcher Beziehung stehen wir eigentlich noch zu uns selbst, wenn wir nicht einmal den Wert der Arbeit anerkennen und fast klaglos akzeptieren, dass Menschen noch auch HARZT $ Niveau aufgestockt werden müssen, obwohl sie arbeiten, allein der Begriff Leiharbeit gehört schon zu Unwort des Jahres.

In welcher Beziehung stehen wir eigentlich noch zu Gott, liebe Gemeinde, wenn alles und jedes Kapitalanhäufung und der Profitmaximierung untergeordnet wird.

Alles ist gut, was Gott geschaffen hat und nichts ist verwerflich, wenn es in Dankbarkeit empfangen wird, denn es ist geheiligt durch den Dank und durch das Gebet.

Dankbarkeit-  liebe Gemeinde, ist keine einzelne Tat, sondern eine Lebenseinstellung, die uns mehr und mehr verloren geht, weil wir uns in die Beziehungslosigkeit begeben haben. Zu unseren Mitmenschen und zu unserem Gott.

Was Gott geschaffen hat ist gut, aber wir machen es schlecht.

Aber nun sind wir als Christinnen und Christen nicht in die Resignation gesetzt, sondern zur Hoffnung berufen. Zu einer Hoffnung, die Martin Luther bekanntlich mit dem Apfelbäumchen beschrieben hat, das er auch dann noch pflanzen würde, wenn morgen die Welt unterginge.

Wir dürfen in der Hoffnung nicht nachlassen, dass es nicht nur besser und gerechter werden muss, sondern auch noch besser werden kann.

Ohne Umkehr zu Gott, ohne Umkehr zu einem verbindlichen, vor Gott verantworteten Leben, aber wird das kaum gehen. Diese Umkehr ist nötig.

So wie jetzt können wir auf der Erde nicht weitermachen, dass sich alles ums Geld dreht, die Reichen immer weniger und reicher, und die Armen immer zahlreicher und ärmer werden. Laut UNHABITAT, einer Unterabteilung des UN Hildswerkes, werden in wenigen Jahrzehnten, ein Drittel der Weltbevölkerung ohne angemessene Behausung und in tiefster Armut leben.

Da muss sich was ändern. Die Anbetung des goldenen Kalbes, dem wir nicht selten unsere wichtigsten Beziehungen opfern, muss zu Ende gehen.

Für diese Umkehr beten und arbeiten wir, nicht weil wir meinen die besseren Menschen zu sein, oder gar unschuldig an dieser Struktur des Todes, sondern weil wir wissen, dass es so nicht weitergehen kann und weil wir darauf vertrauen, dass Gott Schuld vergibt und neue Kraft gibt, denn seine Kraft und sein Mut ist in den Schwachen mächtig.

Kleine Schritte können dabei auch in die richtige Richtung führen, etwa dass wir uns und alles was wir sind und haben, nicht als Selbstverständlichkeit erachten, sondern es mit Dank von Gott empfangen.

Dankbarkeit braucht die Beziehung zu Gott, das persönliche Vertrauen in Gott.

Was Gott gemacht hat ist gut. Und was nichts ist verwerflich, was mit Danksagung und Gebet empfangen wird.

Das gilt auch für dein Leben und für unser Leben. Vielleicht fangen wir damit mal an, dass wir unser Leben in eine Beziehung zu Gott setzen.

Amen.

 

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