Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Predigt vom 22.04.2012

  

Predigt am Sonntag Misericordias Domini, dem 22.4.2012
zur diamantenen und eisernen Konfirmation 2012
 in der evangelischen Kirche in Gedern

(Es gilt der gesprochene Text)  

23:1 Der Herr ist mein Hirte, / mir wird nichts mangeln.

23:2 Er weidet mich auf einer grünen Aue / und führet mich zum frischen Wasser.

23:3 Er erquicket meine Seele. / Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

23:4 Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, / fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir, / dein Stecken und Stab trösten mich.

23:5 Du bereitest vor mir einen Tisch / im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl / und schenkest mir voll ein.

23:6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, / und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Jubiläumskonfirmandinnen und Jubiläumskonfirmanden,

 

Misericordias Domini, die Barmherzigkeit Gottes, die Güte Gottes, so heißt dieser Sonntag, an dem wir ihre Konfirmationsjubiläen heute feiern.

Und diese Barmherzigkeit Gottes hat in der Bibel ein Bild, das Bild des Guten Hirten, der für seine Schafe sorgt, der sie behütet und der ihnen alles gibt, was sie zum Leben brauchen.

Sie haben ja alle, ob sie nun vor sechzig oder vor 65 Jahren konfirmiert wurden, viel auswendig lernen müssen, mehr als heutige Konfirmandinnen und Konfirmanden.  Aber auch die heutigen Konfirmandengruppen müssen diesen Psalm, dieses Gebet auswendig lernen.

Das ist mir einfach wichtig, denn wie kaum ein anderer Psalm spricht Psalm 23 unser ganzes Leben an, unser Leben mit seinen grünen Auen und unser Leben mit seinen dunklen Tälern.

Und beides haben sie, da bin ich sicher alle erlebt, die kennen dir dürren, die traurigen Momente des Lebens und sie kennen die fruchtbaren, glückvollen Momente des Lebens.

Es gehört zum Geheimnis des Lebens, so unterschiedlich unsere Lebenswege auch verlaufen, dass uns im Leben immer beides begegnet, die guten und unbeschwerten Zeiten, genauso wie die schweren und dunklen Zeiten.

Jeder und Jede von ihnen wird im Rückblick auf sein Leben, die Hoch- und die Tiefzeiten seines Lebens vor Augen haben können.

Das ist oft sehr persönlich und ich denke, vielen von ihnen entstehen bei der Erinnerung daran, sehr schnell Bilder des eigenen Lebens.

Damals, als sie konfirmiert wurden, 1947 oder 1952, da lag das Leben vor ihnen und hinter ihnen lagen schon schwere Zeiten, denn zu ihrer Kindheit gehörte der Krieg dazu.

Es macht zwar einen Unterschied ob man nun 1933 oder 1938 geboren ist, aber ihnen gemeinsam ist gleichwohl die Kindheit im Krieg.

Die Erinnerung daran war noch gegenwärtig, als sie in dieser Kirche konfirmiert wurden.

Bei unseren eisernen Konfirmanden gab es noch Bezugsscheine, um damit Schuhe und Kleidung für die Konfirmation zu besorgen.

Das alles ist lange her, aber ihnen allen ist der Moment ihrer Konfirmation noch sehr bewusst, schließlich bedeutete es konfirmiert zu sein, auch vielleicht etwas später mal heimkommen zu dürfen, für die meisten auch, dass nun der Ernst des Lebens mit Lehre und Arbeit beginnt.

 

Nach all den Jahren des Krieges lag nun auch die Zukunft ihres Lebens vor ihnen, aufwärts sollte es gehen, aufwärts musste es gehen.

Heute blicken wir nun nicht voraus wie damals, mit all dem jugendlichen Tatendrang und den Träumen von der Zukunft, sondern wir blicken zurück. Erstaunt wie schnell doch Zeit vergeht, vielleicht auch erschrocken darüber, wohin all die Jahre gegangen sind.

Wir blicken zurück, die einen sind in Gedern geblieben, die anderen zog das Leben hinaus in die weite Welt, bis nach Amerika, nach Norwegen.

Erstaunt stellen wir fest, der Satz stimmt einfach, dass der Mensch denkt, aber Gott eben lenkt.

Hätte man sich damals gar nicht denken oder vorstellen können, was das Leben so bringt.

Aber ich hoffe sehr, sie können alle in ihrem Leben, jeder und jede Einzelne von ihnen, Gott als den guten Hirten ihres Lebens erkennen, können alle und auf ganz persönliche Weise, die Spuren Gottes in ihrem Leben erkennen.

Uns werden in diesem Psalm saftige grüne Wiesen, gute Zeiten versprochen, vielleicht waren es die Zeiten einige Jahre nach dem Krieg, im Wirtschaftswunder, als es in Deutschland noch Vollbeschäftigung gab und es eigentlich immer bergauf ging? Die Zeiten, in denen die Kinder zur Welt kamen, in denen die Familie zusammen war in einem Haus.

Wir wissen ja, dass es gerade in guten Zeiten, sehr menschlich ist, Gott nicht mehr zu sehen, nur noch selten auf sein Wort zu hören. Die guten Zeiten nehmen wir oft als selbstverständlich und übersehen die Gnade, die uns gerade darin gegeben ist.

Die Zeit des wirtschaftlichen Aufstiegs der Bundesrepublik, die oft auch mit einem persönlichen Aufstieg verbunden ist, ist eine gefährliche Zeit für den Glauben. Manche meinen, sie hätten sich das alles mit eigenen Händen verdient und übersehen die Gnade darin, manche lernen in diesen Zeiten, immer mehr zu wollen und verlernen die Zufriedenheit, die sie in Kindheit und Jugend noch kannten.

Für wieder Andere ist es eine gefährliche Zeit im Glauben, weil sie den Wert des Besitzes und des Geldes zu ihrem Lebensinhalt, zu ihrem Lebensziel machen.

Weitere denken, Arbeit, und ich weiß, sie alle haben im Leben sehr viel gearbeitet, also Arbeit sei der ganze Lebensinhalt. Wie oft habe ich den Satz schon gehört: Arbeit war sein oder ihr ganzes Leben!  Das hört sich gut an, aber es ist doch falsch, denn Gott hat den Menschen dazu  bestimmt, seine Erde zu bewahren und seine Liebe zu verkünden und nicht dazu um Arbeitstiere in einer manchmal gnadenlosen Leistungsgesellschaft zu werden.

Ja, die Zeiten des Aufschwungs, sie fühlen sich leicht an, aber sie sind, was das Verhältnis zu Gott betrifft und unsern Glauben an ihn, manchmal ganz schön gefährlich, denn im Leben gibt es auch schlechte Hirten, die uns immer wieder vorgeben für uns zu sorgen und uns doch nur ausnutzen wollen.

Dass sie heute, als ältere Herrschaften eiserne und diamantene Konfirmation feiern, liebe Jubilare, ist für mich darum auch ein Zeichen, dass sie vielleicht nicht immer, aber doch grundlegend den Versuchen der guten Zeiten und der saftigen Auen widerstanden haben, denn sie sind nun über so viele Jahrzehnte, ihrer Kirche treu geblieben und haben den Kontakt zu Kirche und Gottesdienst und vor allem den Kontakt zu Gott behalten.

Dafür danke ich Ihnen, im Namen unserer evangelischen Landeskirche und im Namen des Kirchenvorstandes unserer Gemeinde, sehr herzlich. Und ich hoffe sie spüren uns ab, wie wichtig und wertvoll auch uns als Kirchengemeinde, ihr Konfirmationsjubiläum ist.

Aber ihr Leben kennt auch die dunklen Täler. Sie sind schwer zu begehen und manchmal will man auch aufhören und sagt sich: Ich kann einfach nicht mehr. Der Tod des Partners, oder eines anderen geliebten Menschen, Situationen im Leben, die Lebenswege abbrachen und in denen sich ihr Leben schlagartig änderte. Es ist manchmal schwer zu begreifen, dass diese finsteren Täler zum Leben dazu gehören.

Oft sind sie aber auch Lehrstunden des Glaubens.

Du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich….

Wie oft habe ich als Pfarrer bei Besuchen bei ihnen und in Gesprächen mit ihnen diesen Satz hören dürfen: Das war schwer damals, da will ich gar nicht mehr dran denken. Ich weiß nur eins ohne meinen Glauben, ohne meinen Gott , hätte ich das nicht geschafft, ich weiß auch im Rückblick gar nicht recht, wie ich das geschafft habe und wo die Kraft herkam, das durchzustehen.

Und ich sage ihnen, da haben sie Gott in ihrem Leben erlebt, den guten Hirten, der ihnen Stab war, auf den sie sich stützen konnten und Stecken, der ihnen Halt gab,

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, / und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

So spricht nicht nur der Beter des 23.Psalms, so dürfen alle sprechen, die Gottes Güte und Bewahrung im eigenen Leben erleben durften.

So dürfen alle sprechen, die ihr Vertrauen auch weiterhin auf den guten Hirten ihres Lebens setzen.

Gott war bei ihnen im Leben, liebe Jubilare, und ich versichere ihnen die Verheißung Gottes über ihrem Leben bleibt erhalten:

Er wird bei ihnen sein und die Güte und Barmherzigkeit Gottes werden sie auch weiterhin begleiten.

Vertrauen sie sich und ihren Lebensweg Gott, dem guten Hirten an, oder wie es in einem anderen Psalm heißt:

Befiehlt dem Herrn eure Wege und Hofft auf ihn, Er wird es wohl machen.

Der Friede Gottes sei mit ihnen.

Amen.

 

 

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