Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Predigt vom 08.04.2012

  

Predigt zum Ostermorgen 2012 in der evangelischen Kirche in Gedern

 

(Es gilt der gesprochene Text)

  

Der Friede dieses Osterfestes sei mit euch!

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

 

 

[13] Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. [14] Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einherführen.

1. Thessalonicherbrief 4.13.14

 

Liebe Gemeinde,

ich mag diesen Satz einfach. Warum schreibt Paulus? Warum predigen wir in der Kirche?

Damit ihr nicht traurig seid, über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid, wie die anderen, die keine Hoffnung haben.

Dafür sind diese Worte geschrieben worden, damals an die Gemeinde in Thessaloniki, und verlesen heute an die Gemeinde in Gedern.

Und das ist es, warum wir Ostern feiern, dass bei uns in manche Traurigkeit und Trauer, in diese Dunkelheiten der Seele, aufs Neue das Licht der Hoffnung einziehe, so wie das Licht der Osterkerze heute Morgen in unsere Kirche eingezogen ist.

Christen sind, wenn sie von der Hoffnung der Auferstehung Jesu getragen und erfüllt werden, nicht wie jene, die keine Hoffnung haben.

Und das, liebe Gemeinde, ist nicht etwa arrogant gemeint, oder verurteilend.

Was vielleicht auch wie steile Rechthaberei klingen mag, ist weit mehr.

Es ist das Zentrum und der Grund unseres Glaubens.

Denn wir glauben und vertrauen darauf, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, und darum wird Gott auch die, die gestorben sind, durch Jesus mit ihm auferstehen lassen.

 

Zu dieser Hoffnung sind wir berufen. Von dieser Hoffnung dürfen wir leben. Von dieser Hoffnung dürfen wir reden und verkünden, damit diese Hoffnung sich ausbreitet in dieser Welt der Hoffnungslosigkeit.

 

Hoffnungslosigkeit, liebe Gemeinde, zeigt sich nicht nur in tiefer Depression, so zeigt sie sich auch und viel zu häufig bei vielen Menschen unserem Land, sie zeigt sich auch nicht nur in Resignation, auch das gibt es, diese Hoffnungslosigkeit, die mutlos macht, die aufgibt und die Flinte ins Korn schmeißt, nein Hoffnungslosigkeit zeigt sich vor allem darin, dass der Wert des Lebens nur auf dieses Diesseits bezogen wird, dass wir Leben nur als zufälliges Geschehen betrachten, dass das Leben als ein chemischer Prozess verstanden wird, der mit der Geburt beginnt und mit dem irdischen Tod endet.

Hoffnungslosigkeit zeigt sich wenn nichts mehr vom Leben erwartet wird, vorher und auch nicht nach dem Tod.

Das war es. Da kommt nichts mehr. Aus. Vorbei.

Zu mir hat neulich jemand gesagt: Ich bin Atheist. Und als ich ihn fragte, was er unter Atheist verstehe, da sagte er: „Es gibt keinen Gott“

Und ich entgegnete ihm, dann glauben sie auch irgendwie, denn sie sind felsenfest davon überzeugt, dass das Leben keinen Sinn macht, dass es eine Krankheit ist, die mit dem Tod endet und die mit der Geburt beginnt.

Ich gebe zu, ich wollte ihn auch provozieren.

Und ich verstehe, dass uns manche Schwere des Lebens auch verbittern lässt.

Und trotzdem, alle Hoffnung fängt mit der Liebe an.  Wer liebt, hat immer Hoffnung. Der gibt die Hoffnung nicht auf, der versucht gerade im Gedenken an geliebte Verstorbene die Hoffnung zu bewahren, dass es dem Verstorbenen nun gut geht, dass sein Leben nicht mit dem Tod endet.

Es gibt keine hoffnungslose Liebe.

Ja, als Christinnen sind wir traurig, wenn wir an unsere Verstorbenen denken, denn wir vergessen sie nicht, sogar sehr traurig, denn die Liebe spürt auch den Verlust und die Leere mit der man zurück bleibt, aber Christinnen und Christen sollen eben nicht so traurig sein, wie die anderen, die keine Hoffnung haben.

Vielleicht weil es wohl nicht Schlimmeres gibt, als hoffnungslos dem Tod gegenüber zu stehen.

Die ersten Christen verstanden ihren Glauben noch so, dass sie das Kommen Jesus noch zu Lebzeiten erleben würden.

Paulus schreibt nun an diese Gemeinde, weil die ersten der treuesten Christinnen und Christen gestorben waren.

Hatten sie sich geirrt in ihrem Glauben, in ihrer Hoffnung?

Was wird nun mit den Verstorbenen geschehen?

Wir wollen euch aber, nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einherführen.

 

Das ist die Antwort des Paulus damals. Gott wird auch sie in sein Reich führen. Wer an Gott glaubt, der geht nicht mehr an den Tod verloren.

 

Und das ist auch die Antwort auf unsere Fragen nach unseren Verstorbenen heute.

Was geschieht mit ihnen? Werden sie leiblich auferstehen, oder kommt die Seele zu Gott, oder ist es so, wie Paulus sagt, dass es mit dem Tod und der Auferstehung ist, als ob wir ein neues Kleid anziehen, das alte ist vergangen, siehe es ist alles neu.

Die Bibel und die, die sie geschrieben haben sind sich nicht einig darin, wie der Mensch sein Ziel in Gott findet, wie er auferstehen wird von den Toten, sie sind sich freilich einig darin, dass der Tod nicht den Schlussstrich unter unser Leben zieht, sondern dass wir auferstehen werden aus dem Tod, so wie Jesus auferstanden ist.

All dies ist geschrieben, damit wir nicht traurig sind, wie die, die keine Hoffnung haben. Damals und bis auf den heutigen Tag.

Wir warten nicht angstvoll auf unseren Tod, wenn wir leben, sondern wir leben vom Tod Christi her, der für uns unseren Tod schon gestorben ist.

Das ist, liebe Gemeinde, eine andere Einstellung zum Leben.

Eine Einstellung freilich, die nicht nur mit dem Glauben an das Jenseits verbunden ist.

Auferstehungshoffnung darf und soll schon hier gelebt werden.

Nicht zuletzt auch so, dass wir uns nicht nur mit dem Tod am Ende unseres Lebens beschäftigen, sondern uns auch engagieren gegen alle lebensfeindlichen Strukturen unseres Lebens und unserer Gesellschaft.

Denn wer die Hoffnung lebt, die Ostern verkündet wird, der gibt die Hoffnung auch nicht auf, dass die Strukturen des Todes auch hier immer mal wieder überwunden und zerstört werden können, durch uns und mit Gottes Hilfe.

Das gute Wort und die Zeit die wir uns für Menschen nehmen, die traurig sind, die dabei sind die Hoffnung zu verlieren, auch das ist Ostern und Sieg über den Tod und seine Strukturen, auch das ist Ostern mitten im Leben.

Wo es gelingt Gleichgültigkeit zu überwinden, Menschenwürde zu bewahren, Liebe allem Hass entgegen zu stellen.

Auch das ist Ostern mitten im Leben.

Ich bin zutiefst überzeugt liebe Gemeinde, dass die Hoffnung auf die Auferstehung am Ende unseres irdischen Lebens uns eine innere Freiheit schenkt, die Angst schon hier zu überwinden und die Ketten der Alltagszwänge schon hier zu zerreißen.

Gebe uns Gott diese Hoffnung ins Herz und in die Seele, die Angst und Tod überwindet.

Gebe uns Gott, dass wir liebevoll und in österlicher Freude leben.

Gebe Gott, dass wir ihm vertrauen und ihm unsere Verstorbenen anvertrauen, damit wir nicht traurig sind, wie die, die keine Hoffnung haben.

Amen.

 

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