Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Predigt vom 22.01.2012

  

 

Gottesdienst am 22.1.2012 in der evangelischen Kirche in Gedern

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

 

1] Naaman, der Feldhauptmann des Königs von Aram, war ein trefflicher Mann vor seinem Herrn und wert gehalten; denn durch ihn gab der HERR den Aramäern Sieg. Und er war ein gewaltiger Mann, jedoch aussätzig. [2] Aber die Kriegsleute der Aramäer waren ausgezogen und hatten ein junges Mädchen weggeführt aus dem Lande Israel; die war im Dienst der Frau Naamans. [3] Die sprach zu ihrer Herrin: Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien. [4] Da ging Naaman hinein zu seinem Herrn und sagte es ihm an und sprach: So und so hat das Mädchen aus dem Lande Israel geredet. [5] Der König von Aram sprach: So zieh hin, ich will dem König von Israel einen Brief schreiben. Und er zog hin und nahm mit sich zehn Zentner Silber und sechstausend Goldgulden und zehn Feierkleider [6] und brachte den Brief dem König von Israel; der lautete: Wenn dieser Brief zu dir kommt, siehe, so wisse, ich habe meinen Knecht Naaman zu dir gesandt, damit du ihn von seinem Aussatz befreist. [7] Und als der König von Israel den Brief las, zerriss er seine Kleider und sprach: Bin ich denn Gott, dass ich töten und lebendig machen könnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem Aussatz befreien? Merkt und seht, wie er Streit mit mir sucht! [8] Als Elisa, der Mann Gottes, hörte, dass der König von Israel seine Kleider zerrissen hatte, sandte er zu ihm und ließ ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Lass ihn zu mir kommen, damit er innewerde, dass ein Prophet in Israel ist. [9] So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause Elisas. [10] Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden. [11] Da wurde Naaman zornig und zog weg und sprach: Ich meinte, er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien. [12] Sind nicht die Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel, sodass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte? Und er wandte sich und zog weg im Zorn. [13] Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes geboten hätte, hättest du es nicht getan? Wie viel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein! [14] Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben und er wurde rein. [15] Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes mit allen seinen Leuten. Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel; so nimm nun eine Segensgabe von deinem Knecht. [16] Elisa aber sprach: So wahr der HERR lebt, vor dem ich stehe: Ich nehme es nicht. Und er nötigte ihn, dass er es nehme; aber er wollte nicht. [17] Da sprach Naaman: Wenn nicht, so könnte doch deinem Knecht gegeben werden von dieser Erde eine Last, so viel zwei Maultiere tragen! Denn dein Knecht will nicht mehr andern Göttern opfern und Brandopfer darbringen, sondern allein dem HERRN. [18] Nur darin wolle der HERR deinem Knecht gnädig sein: Wenn mein König in den Tempel Rimmons geht, um dort anzubeten, und er sich auf meinen Arm lehnt und ich auch anbete im Tempel Rimmons, dann möge der HERR deinem Knecht vergeben. [19] Er sprach zu ihm: Zieh hin mit Frieden!

 

Liebe Gemeinde,

damals, vor 2800 Jahren, wird es wohl einige Zeit gedauert haben, bis sich die Heilung des feindlichen Hauptmanns in Israel herumgesprochen hatte. Schließlich gab es noch keine Zeitungen, und kein Fernsehen, das die Menschen live, brisant und hochaktuell über alles Wichtige und Unwichtige in der Welt hätte informieren können.

 

Aber immerhin, wir könnten einmal so tun, und fragen, welche Überschrift wohl der Redakteur einer dieser unseligen Boulevardzeitungen, für die Geschichte gefunden hätte.

Was wäre die Neuigkeit, die News gewesen, die den Lesern wichtig wäre?

 

„General der syrischen Armme vom Aussatz geheilt“!

 

„Feindlicher Soldatenführer bekehrt sich zum Gott Israels“!

 

Oder auch etwas bissiger: „Prophet Elias zeigt Naaman seine Macht“.

 

Wie auch immer, liebe Gemeinde, man wird feststellen dürfen, auch in dieser biblischen Geschichte geht es um Heil und um Heilung, wie es immer, wenn Gott und Mensch sich begegnen, um Heilung geht, des Körpers, aber auch des ganzen übrigen Menschen.

 

Begonnen hat es wohl so, dass Naaman, dieser alttestamentliche Promi, dieser mächtige Militär, eine kleinen roten Fleck, eine unscheinbare, juckende Stelle an seinem Körper entdeckte.

 

Dann wurde der Ausschlag immer stärker, auch schmerzhafter und ließ sich vor der Öffentlichkeit nicht mehr verbergen.

 

Auch der Spott und die Verachtung der Menschen für diese Krankheit, die man Aussatz nannte, weil Menschen damit weitestgehend vom öffentlichen Leben ausgeschlossen waren, ging ihm unter die Haut. Keine Krankheit hat nur körperliche, sondern immer auch psychische Konsequenzen und Ursachen, wir wissen das.

 

Und wie so viele, die heute von schlimmer Krankheit betroffen sind, so wird sich Naaman auch gefragt haben: „Was habe ich nur getan, dass Gott, die Götter, mich so zeichnen, wofür werde ich so bestraft“?

 

Ich stelle mir vor, wie Naaman alle Ärzte und Wunderheiler, aufgesucht hat, wie er im Tempel seines Gottes gebetet hat, doch scheinbar konnte ihm niemand helfen. Der Weg von Pontius zu Pilatus bestätigt ihn eher noch darin, dass alles letztlich vergeblich und er ein Opfer der Krankheit ist.

 

Dieses Auf und Ab, dieses Suchen nach Hilfe und Heilung, nach wirksamen Medikamenten, nach alternativen Behandlungsmethoden, nach der noch nicht zugelassenen Wundermedizin ist uns bis heute geblieben. Kranke Menschen und ihre Angehörigen wollen nichts unversucht lassen, klammern sich an jeden Strohhalm, wer wollte es ihnen verdenken?

 

Der Tipp kam schließlich von einer israelitischen Kriegsgefangenen aus seinem Hause. Normalerweise hatte Naaman ja nichts mit diesen Leuten aus Israel im Sinn, aber in einer solchen Situation, lässt man eben nichts unversucht.

 

Was hatte er schon zu verlieren? Wenn die eigenen Götter nicht helfen konnten, dann vielleicht der fremde Gott?

 

Wenn die Schulmedizin nicht hilft, dann vielleicht der Wunderheiler.

 

Also, liebe Gemeinde, trifft Naaman sorgfältige Vorbereitungen, um möglichst bald und möglichst standesgemäß? nach Israel reisen zu können. Nicht als Privatmensch, sondern als Abgesandter seines Königs. Und er wird auch nicht als armer Schlucker reisen, sondern beladen mit Gold und Silber. Zur schlimmen Krankheit gehört leider auch oft dazu erst die eigene Ohnmacht lernen zu müssen.

Schon bald lernt Naaman aber, dass es widersinnig ist, Macht und Reichtum zu demonstrieren, wenn es um nichts weniger, als um die nackte Haut.

 

Die Geschichte geht weiter, auch wenn er vom israelitischen König missverstanden wird, der eine kriegerische Provokation im Ansinnen Naamans wittert. Immerhin hört Elia von diesem Eklat auf diplomatischer Ebene und lässt Naaman zu sich rufen.

 

Aber auch das hatte sich Naaman ganz anders vorgestellt, der gewohnt war, dass er die Befehle gibt, dass es nach seinem Kopf geht, dass er weiß was richtig ist, dass er Menschen zu sich rufen lässt und nicht umgekehrt.

 

Er hatte erwartet mit Pauken und Trompeten empfangen zu werden, dann solle der Prophet mit allerlei mystischem Hokuspokus, Gebeten und Litaneien, Handauflegungen tätig werden und er wäre den Aussatz los.

 

Aber so geht das nicht, so geht das auch nicht bei Naaman und so geht das auch nicht bei uns.

 

Elisa empfängt den Patienten nicht einmal persönlich. Auch für Naaman gibt es keine exklusive Chefarztbehandlung im Privatzimmer. Vielmehr schickt dieser einen Boten und der schickt Naaman in den Jordan. Siebenmal soll er da untertauchen und alles wäre wieder gut.

 

Naaman aber ist entsetzt. Das hätte er ja wohl auch zu Hause haben können, dort sind die Flüsse viel besser und größer, als in Israel.

 

Wieder bricht sein machtvoller Stolz durch die demütigende Krankheit hindurch. Ich kann ihn gut verstehen, diesen Naaman, aber Reichtum und Macht haben hier nichts zu suchen, in der todbringenden Krankheit sind alle Menschen gleich.

 

Naaman kocht vor Wut, bricht seine Zelte ab, will abreisen, aber wieder sind es die einfachen Menschen, erst die israelitische Kriegsgefangene, jetzt die Dienerin des Hauptmanns, die ihm den richtigen Weg weisen und ihn überreden, nun doch siebenmal im Jordan unterzutauchen.

 

Mit militärischer Stärke, mit machtvollem Reichtum ist da wenig geholfen, Prunkt und Protz machen eher blind, gut zu wissen, dass man Menschen um sich hat, die einem die Augen noch öffnen können für die Realität. Eines ist sicher, das sagen sie ihm auch: Wenn er jetzt abreist, wird er auf jeden Fall nicht geheilt, also, was hat er schon zu verlieren, wenn er in den Jordan abtaucht?

 

Und als er sich dieser scheinbaren Demütigung aussetzt, als sich der mächtige Feldherr nackt in den Jordan geht und untertaucht, da geschieht das Wunder, Naaman wird geheilt, der Aussatz verschwindet.

 

Und Naaman weiß, wem er die Heilung zu verdanken hat. Er weiß, dass das nicht ohne Gottes Hilfe möglich gewesen wäre. Daneben verblassen die Götter und Götzen, die ihm bisher wichtig waren. Nicht nur sein Äußeres wurde geheilt, sondern auch sein Innerstes wurde bekehrt.

 

Er bekehrt sich zu Gott, er möchte auch in seinem Alltag an ihn glauben und ihm dienen, auch wenn das, da er nun einmal an der Seite seines Königs zu Opferhandlungen an einen anderen Gott verpflichtet ist, nicht komplikationslos sein wird.

 

Ein Gedanke ist es, die mir für heute an dieser Geschichte wichtig werden, liebe Gemeinde.

 

Wo haben wir Heil und Heilung erfahren, Befreiung von Angst und Not und wie haben wir dies auch aufgenommen, als Zuwendung Gottes und als Ermutigung an ihn zu glauben?

Sicher, gerade durch eine Heilung sein Leben ändern zu lassen und darin auch für seinen Alltag eine Lebensumstellung zuzulassen ist schwierig. Der Glaube an Gott, liebe Gemeinde, er ist im Alltag nicht eitel Sonnenschein und braucht Kompromisse, auch wenn wir nicht einem fremden König in einem fremden Land dienen, sondern vielleicht unseren Glauben mit Kompromissen in unsere Ehe und uns unsere Familie einbringen wollen, die davon aber vielleicht genauso wenig halten, wie der König von Aram.

 

Was mir gefällt ist, da? Elisa den inneren Zwiespalt und die Bedenken des Naaman barmherzig akzeptieren kann. Er fordert von ihm keinen radikalen Umbruch. Es ging ihm doch um Heilung und nicht um Rechthaberei.

 

So lässt er ihn in seinen Alltag ziehen, bereit ihm zu helfen, ohne alles von ihm zu fordern. Er gibt ihm seinen Segen, aber keine Forderungen und keine klugen Ratschläge mit auf den Weg.

 

Ich höre da auch eine barmherzige Ermutigung für uns heraus, unseren Glauben in unser Alltagsleben einzubringen, aber eben dort wo wir leben und arbeiten. Wer Kompromisse eingeht gibt seinen Glauben noch lange nicht deswegen auf, es ist vielmehr so, da? radikale Glaubensstrukturen in unserem Alltag eher abschreckend und unbarmherzig wirken und es wohl auch sind, ja da? sie uns selbst dann so überfordern, da? wir lieber ganz auf unseren Glauben verzichten.

 

Darum leben sie bitte ihren Glauben, vertrauen sie Gott, und machen sie sich kein schlechtes Gewissen, wenn sie mit ihrem Glauben in ihrem Alltag auch an Grenzen stoßen.

 

Wie das weitere Leben des Naaman ausgesehen hat wissen wir nicht. Das Ende bleibt offen. Naaman wurde in die Freiheit des Glaubens entlassen. Es liegt nun an ihm, damit auch zu leben in seinem Alltag. Er ist frei geworden, und der Glauben an Gott soll uns nicht unbarmherzig und kompromisslos machen. Vielleicht ist das ja, liebe Gemeinde, die eigentliche und nachdenkenswerte Nachricht, News, der Geschichte von der Heilung Naamans.

 

Amen.

 

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