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Predigt vom 24.12.2011

  

Predigt zur Christmette 2011

 

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

 

[10] Und der HERR redete abermals zu Ahas und sprach: [11] Fordere dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe! [12] Aber Ahas sprach: Ich will's nicht fordern, damit ich den HERRN nicht versuche. [13] Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist's euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht? Müsst ihr auch meinen Gott müde machen? [14] Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.

Jesaja 7,10-14

 

 

Liebe Gemeinde,

 

es mag sie etwas überraschen in dieser Heiligen Nacht Worte aus dem Alten Testament zu hören. Aber es sind jene Worte die ein ganzes Volk, das in ihrer Existenz bedrängt und mit dem Rücken zur Wand stehend, elektrisierte.

 

Der Retter wird geboren. Immanuel. Das ist hebräisch und heißt: Gott ist mit uns.

 

Heute, fast dreitausend Jahre nachdem diese Worte gesprochen und verheißen waren, verstehen wir besser, dass die Rettung Gottes anders aussieht, als sie wir uns vorgestellt haben.

 

Ein Kind ist es. Ein Baby. In Windeln gewickelt.

 

So sieht ein Wunder aus, so sieht das Wunder aus, dass Gott Mensch wurde.

 

Uns  geht das in diesen Tagen vielleicht etwas zu leicht über die Lippen, dieses „Gott wird Mensch“ so als sei es das Natürlichste auf der Welt, darum lassen sie uns die Feierlichkeit und die Würde dieser Heiligen Nacht nutzen, darüber nachzudenken, was das überhaupt bedeutet, Gott wurde Mensch.

 

Es bedeutet, liebe Gemeinde, zuerst einmal eben dies, dass Gott die Menschen liebt, jeden einzelnen Menschen liebt, sie und erstaunlicher Weise auch mich.

 

Und das Staunen darüber wollen wir lernen.

 

Gottes Rettung des Menschen besteht darin, dass er die Menschen liebt, darum wird er Mensch, Mensch wie du und ich. Immanuel, Gott ist mir uns, ist einer seiner Namen.

 

Wir sind nicht alleine, auch wenn wir uns manchmal so fühlen, Gott ist mit uns, mit jedem Einzelnen von uns.

 

Das ist das größte Geschenk, das es gibt. Gott lässt uns nicht allein und darum wird Weihnachten also eben nicht unter dem Baum, sondern in deinem und in meinem Herzen entschieden. Machte eure Herzen weit, dass der Retter der Welt und der Retter deines Lebens einziehe.

 

Gott wurde Mensch, weil er die Menschen liebt. Das Wunder dieser Nacht, liebe Gemeinde, erreicht heute viele Menschen, die das vielleicht viel zu wenig, viel zu selten oder gar nicht mehr hören: „Ich habe dich lieb und ich gebe sogar mein Leben für dich.“

Die Kirchen sind an diesem Tag gut besetzt, oft bis auf den letzten Platz, denn wir spüren, dass in dieser Nacht unsere Sehnsucht zur Sprache kommt, wertvoll zu sein und geliebt.

 

Denn wenn Gott Mensch wird, dann zeigt er uns auch wie wertvoll ihm jeder einzelne Mensch ist.

 

Und während ich das sage, verstehe ich innerlich, dass die Botschaft dieses Festes, eben auch ein Zeugnis ist, ein Bekenntnis in dieser Welt und vor dieser Welt.

 

Ich glaube an den Gott, der die Liebe ist, an den Gott, der Mensch wurde, weil jeder Mensch ihm wichtig und wertvoll ist.

 

Und während ich dieses Bekenntnis formuliere, wird mir immer klarer, wie wichtig und hoffentlich auch Not- wendig dies zu sagen ist: Der Mensch ist bei Gott unendlich wertvoll, darum darf unsere Gesellschaft, eben nicht immer weiter entmenschlicht werden.

 

Das macht mir Sorge, liebe Gemeinde, mitzuerleben, wie viele Menschen eigentlich nur noch Druck, Stress und Hetze in ihrem Beruf erleben, unmenschlichen Druck nicht selten, der nicht mehr den Menschen sieht und achtet, sondern immer mehr den finanziellen Profit.

 

Und dann erlebe ich, wie viele Menschen, dem Druck nicht mehr standhalten, regelrecht kaputtgehen an den unmenschlichen Forderungen, die von ihnen erwartet werden.

 

Regelrecht kaputt gehen auch daran, dass ihre Arbeit und noch nicht einmal ihr Menschsein, auch nur ansatzweise Wert geachtet wird.

 

Das werden Gottes geliebte Kinder zu ein Euro-Jobbern, zur 400 Euro Kräften oder zu Leiharbeitern. Leiharbeit, diese kapitalistische Form der Sklaverei.

 

Gott wurde Mensch und wir entmenschlichen unsere Welt und entwürdigen unseren Alltag.

 

Machet die Herzen weit, dass der Retter der Welt und der Retter deines Lebens einziehe. Wenn du verstehst was es bedeutet, dass Gott Mensch wurde, dann wirst du protestieren, Zeugnis dafür ablegen dass der Wert und die Würde des Menschen geachtet werden.

 

Und wir brauchen solche Protestanten immer mehr, denn wir gehen ja selbst mit uns immer unmenschlicher und gnadenloser um.

 

Derselbe Vater, der vor 20 Jahren für die 35 Stunden Woche streikte, nimmt in G8 und Ganztagsschule schweigend zur Kenntnis, dass sein Kind einen 36 Wochenstundenplan hat und dass von seinem Kind mit Hausaufgaben und für Arbeiten lernen, nicht selten eine 50 bis 60 Stunden Woche gefordert wird.

 

Ja sind wir denn eigentlich noch zu retten?

 

Machet die Herzen weit, dass der Retter der Welt und der Retter deines Lebens einziehe.

 

Immanuel, Gott mit uns. Wenn du verstehst und daran glaubst, dass Gott Mensch wurde, dann machst du dich auf den Weg zu mehr Menschlichkeit in dieser Welt und pro- testierst, wenn die Menschlichkeit, ja und manchmal sogar die grundlegendsten Menschenrechte auch in unserem Land auf der Strecke bleiben.

Ist das nicht absurd, liebe Gemeinde und ein nicht mehr fassbarer Skandal, dass wir in Europa bereit sind fast 500 Milliarden Euro bereit zu stellen um unsere Banken zu retten und dass es uns nicht gelingt genügend finanzielle Mittel bereit zu stellen, dass nicht jedes Jahr aufs Neue allein 500.000 Kinder verhungern oder an mangelnder medizinischer Versorgung sterben.

 

Wie viel Menschlichkeit und Herzenswärme sind wir eigentlich noch bereit zu opfern, damit unsere Spareinlagen sicher sind?

 

Gott wurde Mensch. Das darf uns nicht erst jenseitig glücklich machen, das soll und auch diesseitig motivieren, für mehr Menschlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte zu pro-testieren.

 

Ich habe es schon öfter gesagt: „pro testieren“ heißt übersetzt, für etwas Zeugnis ablegen und nicht einfach nur dagegen zu sein.

 

Gott wurde Mensch, weil er die Menschen liebt. Und das habt zum Zeichen. Eine Jungfrau wird einen Sohn gebären, den wird sie Immanuel nennen, Gott ist mit uns.

 

Wenn Gott uns Menschen liebt, dann ist der Mensch unendlich wertvoll und wir wollen in dieser Heiligen Nacht beten und hoffen, dass diese Botschaft gehört wird und bei den Menschen einzieht.

 

Im Neuen Testament aber heißt es: Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf…

 

Wo wir versuchen, Gott los zu werden, da werden wir auch unsere Menschlichkeit los, weil der Mensch und seine Würde ohne die Liebe Gottes zu ihm, kaum denkbar sind.

 

Machet die Herzen weit, dass der Retter der Welt und der Retter deines Lebens einziehe.

 

Nicht nur zur Weihnachtszeit. Gott braucht Menschen, die seine Liebe annehmen und seine Botschaft zu ihrer Botschaft machen.

 

Es ist Zeit für eine Entscheidung. Für Gott und für die Würde des Menschen, in einer Gesellschaft, die nach meinem Ermessen immer mehr entmenschlicht wird.

 

Unsere Propheten heißen Börsenanalytiker, unser Gott ist unser Wohlstand, unser Gottesdienst ist der Konsum in einem Einkaufstempel  geworden und dabei merken wir kaum, wie sehr wir dabei selbst vor die Hunde gehen.

 

Macht eure Herzen weit, öffnet sie für Gott und für die Menschen. Seit Gott Mensch wurde, ist das nicht mehr zu trennen, denn, weil Gott Mensch wurde.

 

Gott wird nicht müde uns zu lieben. Gott ist mit uns. Mit dir und mir.

 

Wir sind nicht alleine und wir sind geliebt.

 

Gott sei Dank. Amen.

 

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