Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Predigt vom 30.10.2011

  

 

Predigt zum Reformationsfest 2011

in der Evangelischen Kirche in Gedern

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

 

Predigttext:  Mt. 10.26b bis 33

Fürchtet euch nicht vor ihnen. Es ist nichts verborgen, das es nicht offenbar werde, und ist nichts heimlich, das man nicht wissen werde

27 Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was ihr hört in das Ohr, das predigt auf den Dächern.
28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und die Seele nicht können töten; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.  29 Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Dennoch fällt deren keiner auf die Erde ohne euren Vater. 30 Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupte alle gezählt31 So fürchtet euch denn nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. 32 Wer nun mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.

Liebe Gemeinde,

am Vortag des Reformationsfestes und zum Abschluss der Visitation unserer Kirchengemeinde, sind uns am heutigen Morgen nur wenige Verse aus der sogenannten Aussendungsrede Jesu an die Jünger gegeben.

Diese Rede soll die Jünger vorbereiten nun selbst zu den Menschen zu gehen um Gottes Liebe zu verkünden.

Vieles daran ist nicht gerade ermutigend für sie gewesen.

Wir wollen darüber nachsinnen, was sie uns wohl heute zu sagen haben und ich darf  ihnen zu ihrem eigenen Nachsinnen einige Gedanken hinzugeben.

Jesus sendet seine Jünger aus. ER macht ihnen keine Illusionen, das Bekenntnis zu Gott wird nicht unwidersprochen bleiben, damals nicht und heute nicht. „Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe“, sagt er an anderer Stelle dieser Rede, und dass, man klug sein soll wie die Schlangen und ohne Falsch zu sein wie die Tauben.

Christentum braucht Menschen, die sich zu Christus bekennen und von ihren Erfahrungen mit Gott nicht schweigen.

Wenn Jesus seine Jünger aussendet, in die Welt sendet, wenn er sie zu den Menschen und in ihren Alltag schickt, dann kann das also nicht bedeuten, dass wir unseren Glauben im sprichwörtlichen stillen Kämmerlein bleiben.

Vielfach hört man ja, Religion und Kirche sei Privatsache, die keinem etwas angehe.

Ich sehe in diesen Worten Jesu keine Bestätigung für eine Privatisierung der Religion, es ist vielmehr eine große Ermutigung unseren Glauben liebe- und vertrauensvoll zu bekennen und raus mit der Sprache zu kommen von dem was uns wirklich wichtig ist.

Redet im Licht und predigt auf den Dächern.

Dieser Satz springt mir geradezu ins Auge. Es soll nichts im Dunkeln bleiben und in den eigenen vier Wänden.

Ich weiß, liebe Gemeinde, es ist für viele von uns nicht einfach über ihren Glauben zu reden.

Nein, wir müssen nicht um unser Leben fürchten, wenn wir uns zu Gott bekennen, wir müssen keine staatliche Überwachung befürchten, wenn wir uns zu Gottesdiensten versammeln, wenn wir zu Jesus beten, wie es in unserem Land aber schon gewesen ist, zu Zeiten des Nationalsozialismus und in den Zeiten der DDR.

Und wir wissen auch um die ganz alltägliche Bedrohung von Christinnen und Christen in dieser Welt, ich möchte heute an jene Christinnen und Christen im Irak und im Iran, auch in Ägypten erinnern, die um ihres Glaubens willen um ihr Leben fürchten.

Nein solch eine lebensgefährliche Bedrohung gibt es, Gott sei Dank, nicht bei uns.

Und doch reden auch wir nicht gerne in der Öffentlichkeit über unseren Glauben. Warum mag das so sein?

Mancher hat vielleicht schon seine Erfahrungen damit gemacht, wie es ist, in Diskussionen am Arbeitspatz und in Gesprächen bei einer Familienfeier davon zu sprechen, dass man an Gott glaubt, zu sprechen von seinem Vertrauen in Gott, das einen trägt und immer neue Kraft gibt.

Mancher denkt vielleicht auch, er würde was Falsches sagen, wenn er über den Glauben spricht, ist unsicher und vielleicht sogar der Meinung, der Pfarrer könne das viel besser, der habe schließlich Theologie studiert.

Mancher weiß um seine Fehler und Schwächen und fürchtet den eigenen Ansprüchen im Glauben nicht gerecht zu werden. Was werden die Menschen sagen, wenn ich von Gott erzähle, ausgerechnet ich? Was würden sie sagen, wenn ich von meinem Glauben erzähle, und sie doch wissen, dass ich gar kein Heiliger, gar keine Heilige bin gerade hier im Dorf?

Und genau darum möchte ich, liebe Gemeinde, ihr und euer Augenmerk darauf lenken, dass Jesus um diese Befürchtungen weiß und dass wir die Furcht vielleicht ausgelacht und nicht ganz ernst genommen zu werden, zu versagen, es nicht hinzukriegen, mit den Jüngern Jesu teilen.

Gleich dreimal sagt Jesus in diesen wenigen Worten: Fürchtet euch nicht. Fürchtet euch nicht von Gottes Liebe zu euch zu reden, zu jedem einzelnen von uns. Fürchtet euch nicht davor über Glaube, Kirche, Gott, Hoffnung und Liebe zu sprechen.

Vielmehr redet es im Licht und predigt es auf den Dächern.

Fürchte euch nicht, das ist der Gruß der Engel für ein gelingendes Leben, es ist der Gruß der Engel in der Weihnachtsnacht und auch am Ostermorgen. Es ist der Gruß, der Jesu Leben und unser Leben immer wieder umrahmt.

Fürchtet euch nicht!

Ihr seid das Licht der Welt und ihr seid das Salz der Erde.

Ohne euer Bekenntnis zu Gott, bleibt es finster in der Welt, ohne euren Glauben und eure Liebe, behält diese Welt den faden Geschmack der Lieblosigkeit, der Gleichgültigkeit, der Ungerechtigkeit.

Ohne euer Reden von Gott, gibt es zu wenige, die sich für die Bewahrung der Schöpfung, für Frieden und für Armen dieser Welt

Ohne euer Reden von Gott, gibt es zu viele, die nicht merken, dass das wahr ist, was geschrieben steht, dass man nur Gott oder dem Mammon dienen kann. Und dann retten sie Finanzmärkte auf Teufel komm raus, die gerade Teil eines Systems sind, dessen Ungerechtigkeit zum Himmel schreit.

Fürchtet euch nicht, denn ohne euer Reden von der Liebe und der Gnade Gottes zu jedem Menschen, gibt es zu viele, die sich in ihrem Leben nicht mehr zurecht finden, die einsam werden, depressiv, weil sie meinen den geforderten Ansprüchen dieser Welt nicht mehr gerecht werden zu können.

Redet es im Licht und predigt es auf den Dächern.

Ein Christ lebt nicht im Schneckenhaus. Unter diesem Motto wurde 1973 zu den Kirchenvorstandswahlen in unserer Landeskirche aufgerufen.

Und ich bin froh und dankbar, dass sich heute zum Gottesdienst Menschen gefunden haben, die in kurzen Sätzen versuchten zu sagen, warum ihnen der Glaube wichtig ist, warum sie in der Kirche sind.

Wir haben ihre Aussagen an die Tür geheftet, um an den Beginn der Reformation an der Schlosskirche in Wittenberg zu erinnern.

Wir  hatten den Satz Jesu dabei vor Augen, dass man es von den Dächern predigen soll und uns überlegt, wie sich unsere Kirche verändern würde, wenn wir zu einer Erzählgemeinschaft unseres Glaubens werden würden.

Ich denke, liebe Gemeinde, Glaube ist nicht alleine und nicht vor allem, eine Überzeugung über die Wahrheit von Überlieferungen, von dogmatischen Sätzen und Lehren, sonder zu allererst eine Lebensform und ein Vertrauen, das sich den religiösen Erlebnissen verdankt, die wir im Laufe unseres Lebens erfahren haben.

Redet es im Licht und predigt es auf den Dächern.

Wie oft höre ich in Gesprächen und bei Besuchen wahre Glaubensgeschichten von Menschen. Davon wie der Glaube Kraft gegeben und durch schwere Situationen getragen hat, davon wie ein Wort einer Predigt noch wochenlang im Herzen nachhallte.

Redet es im Licht und predigt es auf den Dächern.

Wir und unsere Kirche werden anders sein, werden uns verändern, wenn wir beginnen uns und der Welt von unserem Glauben zu erzählen, von dem was uns wichtig ist.

Lasst uns lernen über unseren Glauben zu sprechen und Gott darin zu loben.

Wo wir raus mit der Sprache kommen, kommt Gott zu den Menschen.

Redet es im Licht und predigt es auf den Dächern.

Fürchtet euch nicht.

Amen.

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