Evangelische Kirchengemeinde Gedern
Kirche > Predigten > Predigt vom 14.08.2011

Predigt vom 14.08.2011

  

Predigt am 14.8.2011 in der evangelischen Kirche in Gedern (Einführung der Konfirmandinnen und Konfirmanden)

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

 

Predigttext: Jesaja 2.1-5

[1] Dies ist's, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem: [2] Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Nationen werden herzulaufen, [3] und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. [4] Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. [5] Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern und Familien, liebe Gemeinde,

wir haben den für heute vorgegebenen Predigttext gehört. Es ist eine Vision des Propheten Jesaja, die so auch bei einem anderen Propheten aus der gleichen Zeit vorkommt, nämlich beim Propheten Micha.

Am bekanntesten wird allen das Wort sein, dass aus Schwerter, Pflugscharen gemacht werden und dass die Völker lernen werden nie mehr Krieg zu führen.

Die etwas Älteren unter uns werden sich erinnern, dass dies nicht nur eine alte Vision ist, die vor 2800 Jahren, gesehen, vielleicht auch geträumt, auf jeden Fall aber niedergeschrieben wurde, sondern dass dieser alte Satz in den 80er Jahren in aller Munde war.

Noch heute steht vor der UNO in New York ein Geschenk der ehemaligen UdSSR, mit dem Titel Schwerter zu Pflugscharen.

Gleichzeitig war der Aufnäher auf den Parkas als Zeichen der Friedensbewegung in Ost und West fast schon Pflicht, als ich noch etwas jünger war.

Und ich denke, die Friedensbewegung in der ehemaligen DDR, die oft kirchlich war und sich auf diese Bibelstelle bezog, war die Keimzelle der Volksbewegung gewesen, die letztlich zum Fall der Mauer und zur Widervereinigung Deutschlands führte.

Wir sollten also gerade in Deutschland die Kraft von Visionen, und die Möglichkeiten des Lebens, die sie bieten nicht unterschätzen gerade heute nicht.

Denn diese Welt braucht friedenbewegte Menschen mehr denn je.

Und so frage ich, liebe Gemeinde, heute, da wir das neue Konfirmandenjahr beginnen, zumindest offiziell, denn wir hatten vor den Ferien schon ein paar Kennenlernstunden, welche Visionen wir haben für diese Welt, für die Zukunft unserer Kinder?

Sind es wirklich noch wie in den 80er Jahren Visionen des Friedens? Oder leben wir nur noch oder zumindest weitestgehend für den Moment, für den Tag, eingespannt in den Alltag?

Oder anders gefragt: Interessiert uns noch der Frieden in der Welt, oder sind wir zufrieden das wir wenigstens weitestgehend unsere Ruhe haben?

Welche Welt übergeben wir unseren Kindern?

 

„Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. [5] Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN

 

Liebe Gemeinde, Visionen sind keine Hirngespinste, sondern Auftrag für uns Frieden zu wollen, wirklich zu wollen, für uns und unsere Kinder. Und sie wollen Mut machen, an unseren Visionen, Träumen, Sehnsüchten nach einer friedlichen Welt festzuhalten und sie nicht auf dem Altar des Alltags zu opfern.

Insofern verstehe ich Konfirmandenarbeit als Friedensarbeit, als Ermutigung sich die Friedenssehnsucht als Wirklichkeit meines Lebens nicht durch die sogenannte politische Vernunft ausreden zu lassen.

Gerade jetzt, liebe Gemeinde, in einer Zeit, in der militärische Auseinandersetzungen und bewaffnetes Eingreifen immer mehr zur gängigen Handlungsoption geworden ist, in der viele Kriege nur deshalb stattfinden, weil auch wir unsere Waffen nicht zu Pflügen umschmieden, sondern unsere Rüstungsindustrie immer noch eine milliardenschwere, Arbeitsplatz schaffende Waffenschmiede ist.

Gerade jetzt, wo Diktatoren ihre Völker zusammenschießen, gerade jetzt, wo der Kampf gegen den Terror, scheinbar jedes militärische Eingreifen in ferne Länder rechtfertigt und auch unsere Kinder in unserer Armee für den Krieg vorbereitet werden.

Wir brauchen Vorbilder und Menschen und Visionen, die uns den Weg zum Frieden zeigen, zum Frieden zwischen den Völkern, Rassen und Religionen, wir brauchen Visionen wie die des Propheten Jesaja, weil sie diese Welt verändern können.

Und wir brauchen Sie umso mehr, liebe Gemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, ich will mal sehr direkt sprechen, weil ich auch in den vielen waffenstrotzenden Kriegsspielen auf der Festplatte oder im Internet, weil ich in den vielen actionreichen Hollywoodfilmen, letztlich nichts anderes sehe, als eine subtile Art und Weise unsere Kinder zum Krieg zu erziehen.

Ich weiß, liebe Gemeinde, wir wollen, wenn es geht, alles Schwere und Leidvolle von unseren Kindern fernhalten und mancher hätte sich gerade für diesen Gottesdienst zur Einführung in die Konfirmandenzeit eine, ja wie soll ich sagen, schönere Predigt gewünscht.

Gleichwohl, liebe Gemeinde, hilft es seine Visionen zu bewahren, hilft es sein Leben auf den richtigen, auf den Weg des Friedens zu setzen, wenn wir die Augen vor dieser Realität der Welt nicht einfach verschließen.

Es geht ja nicht allein darum, auch dem Jesaja nicht, der diese Worte wahrscheinlich in sehr kriegerischer Zeit schrieb, der aus seinen Erfahrungen heraus schrieb, dass Waffen keinen Frieden schaffen können, diese Welt und die Zukunft unserer Kinder schlecht zu reden, und noch weniger darum uns und ihnen Angst zu machen, sondern darum Sie zum Frieden zu ermöglichen.

Frieden ist möglich, das ist die Botschaft des Jesaja, und das ist die Botschaft auch unserer christlichen Glaubens und da will ich keine Abstriche machen.

Selig sind, die Frieden stiften, sie werden Gottes Kinder heißen, sagte Jesus, in dessen Nachfolge wir als Christen leben, damals auf dem Berg über dem See Genezareth.

Und er war es, der uns als Vorbild, machtlos und auf einem Esel reitend als König in Jerusalem einzog und er war es, der dem Soldaten der ihm verhaftete, heilte, nachdem Petrus versucht hatte Jesus mit dem Schwert zu verteidigen, und dem Soldaten Malchus so ein Ohr abschlug.

In der Nachfolge und im Glauben an Jesus Christus ist Frieden möglich. In unseren Familien, genauso wie auf den Schlachtfeldern dieser Welt.

Dazu passt die Jahreslosung dieses Jahres in dem ihr beginnt in den Konfirmandenunterricht zu gehen, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden. Denn dieser Satz der Bibel, der uns in diesem Jahr das Thema vorgibt, und unsere Gedanken bestimmen soll lautet: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute.

An der Reaktion Amerikas auf den furchtbaren Terrorangriff in New York, mit Kriegen im Irak und in Afghanistan, können wir sehen, dass wir mit Bösem jedenfalls das Böse nicht aus der Welt schaffen können, wir vermehren es nur. Wir können lernen, dass du durch Krieg kein Frieden entsteht.

Und umgekehrt können wir in Norwegen sehen, dass ein Volk in bitterster Stunde zusammenstehen kann und sich durch solche Gewalt, seine Werte, von Demokratie und Freiheit für jeden Einzelnen, von Mut zu einer multikulurellen Gesellschaft des Miteinanders, nicht einfach wegballern lässt.

„ Lasst uns auf den Berg Zion gehen, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen.“

Wir erkennen darum sehr leicht ob einer an Gott glaubt oder nicht, denn niemals, wirklich niemals, ist Gewalt und Krieg auch nur im Ansatz mit dem Glauben an Gott zu rechtfertigen. Da gibt es keine Kompromisse, da darf es keine Kompromisse geben, wenn es um den Friedenswillen Gottes geht.

Die christlichen Kirchen und die Religionen, dieser Welt sind aufgerufen und ermutigt, den Frieden zu leben, denn daran wird die Welt erkennen, dass wir zu Gott gehören, dass wir untereinander Liebe haben.

Mag die Welt uns andres sagen. Ich setze auf die Liebe.

Und ich erhoffe mir auch vom Konfirmandenunterricht dieses Jahres, eine Ermutigung zum Frieden, dass es geklingen möge in eure Herzen eine Friedenssehnsucht zu geben, die bleibt, wenn ihr dann eigene Wege im Leben geht.

Frieden ist möglich, durch Jesus Christus. Gebe Gott uns seinen Segen dazu.

Das ist unsere Hoffnung und unsere Vision, die wir in der Kirche nicht aufgeben, sondern die wir versuchen zu leben und in Wort und Tat zu verkündigen:

Oder wie Jesaja es sagte: Sie werden nicht mehr lernen Krieg zu führen. Kommt lasst uns leben im Licht des Herrn.

Amen. 

nach oben

zurück

KirchenvereinePfarrerKinderGemeindehausKirchePfarrbüro