Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Predigt vom 05.06.2011

 

 

Predigt am 05.06.2011 in der Evangelischen Kirche in Gedern

Zur Konfirmation

 

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen!
Liebe Festgemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
Ich habe euch hier meine Schreibtischlampe mitgebracht. Das hab ich gerne, so abends vor dem Laptop am Schreibtisch zu sitzen, alles ist schon dunkel um mich herum, nur die Lampe brennt und gibt mir genug Licht.

So stellte ich mir das auch vor, als ich diese Konfirmationspredigt schreiben wollte. Mach´s dir gemütlich dachte ich. Zieh dich in dein Arbeitszimmer zurück, in deine Höhle, wo dich nichts ablenkt und fange an.
So hatte ich mir das gedacht.

Aber nun ging diese Lampe nicht. Ich bin nicht gerade der Techniker in unserer Familie, das kann ich wirklich nicht sagen, aber mit so einer einfachen Schreibtischlampe sollte ich doch wohl zurechtkommen.
Das kann ja nicht so schwierig sein. Ich muss wohl nur die Glühbirne austauschen und dann geht die schon wieder. Aber Pustekuchen.
Na gut, dann wird wohl etwas am Kabel sein, vielleicht ein Kabel locker.
Und als ich das Kabel anhebe merke ich. Es ist gar nicht in die Steckdose eingesteckt.
Na, denk ich, dann kann sie ja auch nicht gehen. Darauf hättest du auch früher kommen können.
Ich hab also den Stecker in die Steckdose getan und alles war wieder in bester Ordnung. Johann am Schreibtisch, Dunkelheit um ihn herum, Laptop funktioniert, ein paar Leckerlies auf der Seite und die Lampe gibt nun auch wieder Licht.

Nun kann es ja losgehen, denke ich.
Und dann stelle ich mir die durchaus berechtigte Frage, wie ich diese Predigt überhaupt beginnen soll und was ich eigentlich dazu  sagen möchte, wenn so viele Jugendliche, ihre Konfirmation feiern, nachdem sie ein Jahr lang gelernt und vieles erlebt haben: In die Konfistunde gingen, Klettern waren auf dem Hoherodskopf, in Rieneck zur Konfifreizeit waren, einen wunderbaren Vorstellungsgottesdienst zu den Seligpreisungen Jesu gestaltet haben.
Was soll man sagen als Pfarrer, der euch ein Jahr unterrichtet und begleitet hat ? Da ist so ein Tag wie heute auch ein bisschen wie Loslassen und Abschied.
Komisch, nicht wahr, dass es einem zuerst einfällt zur Konfirmation, dass man sich nun eine Weile nicht sehen wird?
Das macht mich ein wenig traurig. Wir haben doch wirklich eine gute Zeit miteinander gehabt, aber ich muss gestehen, bei mir hat es auch eine Weile gedauert bis ich nach der Konfirmation wieder in die Kirche ging. Ich hoffe ihr werdet aber die Einladungen der gemeindlichen Jugendarbeit gerne annehmen, Frau Merth hat sich da schon das ein oder andere überlegt.
Was soll ich also predigen an einem Tag wie heute?
Ob ich vielleicht doch und zum x-Mal wohl die Geschichte von den Fledermäusen in der Kirche erzählen soll, die der Pfarrer erst wieder aus der Kirche herausbekam, nachdem er sie konfirmiert hatte? Da lachen die Leute wenigstens, dachte ich.
Aber auf der einen Seite werden alte Witze nicht besser, je öfter man sie erzählt und zum anderen bin ich ja eigentlich nicht da, damit alle lachen, obwohl das natürlich schön ist, wenn in der Kirche und beim Gottesdienst gelacht wird.

Konfirmation ist zu wichtig. Immerhin ist das ein Tag, an den ihr euch ein Leben lang erinnern werdet. So kommt dem Konfirmationsfoto in vielen Familien eine besondere Bedeutung zu, weil es ein Bild ist, das jeder in der Familie kennt und weil es euch immer selbst an eure Jugend erinnern wird.

Und immerhin ist das auch ein ganz wichtiger Tag auch für eure Eltern, die auf der einen Seite heute stolz auf euch sind, und auf der anderen Seite auch ein bisschen traurig, also stolztraurig, denn in euren schicken Kleidern und Anzügen, so mit Kronjuwelen oder Krawatte um den Hals, da wird ihnen auch deutlich, dass ihr gar keine kleinen Kinder mehr seid, dass ihr in Windeseile nun erwachsen seid und eigene Wege gehen werdet.
Wie wird euer Lebensweg werden? Wie werdet ihr euch zurechtfinden? Was wird wichtig für euch sein in eurem Leben?
Das ist der Vers der mir eingefallen ist dazu. Ein Vers aus dem 119. Psalm. " Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege." (Psalm 119.105)
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, ihr lebt in keiner heilen Welt. Das wisst ihr. Eine heile Welt gibt es nicht hier in Deutschland, es gibt sie auch weltweit nicht. Das habt ihr gelernt, als wir darüber sprachen, wie sehr die beiden letzten Generationen diese Erde schädigten, das habt ihr gelernt als wir zu Erntedank darüber sprachen,  dass jedes Jahr hunderttausende Kinder an Unterernährung und ihren Folgen sterben und dass nicht wenige Produkte, die es hier zu kaufen gibt, deswegen so billig sind, weil wir Kinder dafür zu Hungerlöhnen arbeiten lassen.
Da braucht es Orientierung auf dem Lebensweg, da braucht es Licht auf dem Lebensweg, das uns den Weg aus dem Dunkel zeigt.
Ich habe das in diesem Konfirmandenjahr versucht. Und ihr habt mit den Seligpreisungen Jesu dieses Thema im Vorstellungsgottesdienst aufgegriffen. Was macht mich glücklich? Was macht mit unglücklich?
Und ihr habt gelernt, dass den Sanftmütigen die Erde gehören soll, dass die die  barmherzig sind und mitfühlend, auch Barmherzigkeit empfangen werden, ihr habt gelernt, dass Gottes Kinder Frieden stiften, dass Menschen, die trauern getröstet werden sollen und vieles mehr.
Manchmal denke ich, die größte Dunkelheit im Leben, die alles Helle niederdrückt, ist ein Wohlstand, der nur noch das eigene Leben im Blick und im Ziel hat und sonst nichts anderes.
" Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege." (Psalm 119.105)
Gottes Wort und der Glaube an ihn als Orientierung im Leben, als Licht, das auf eurem Lebensweg leuchten soll, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden.
Und nun macht das ja auch mit meiner alten Schreibtischlampe Sinn, denn mit Gottes Wort als dem Licht auf unserem Wege, verhält es sich wie mit der Schreibtischlampe und der Steckdose.
Es leuchtet nur, wenn ihr auch in Verbindung bleibt mit Gott und seinem Wort. Es leuchtet eben nur, wenn ihr euch nicht beirren lasst, von Menschen, die sagen, an Gott zu glauben sei unmodern, out, langweilig, doof.
Lasst euch bitte davon nicht irritieren. Immer mehr Menschen spüren, dass ein Leben ohne die Beziehung zu Gott oft orientierungslos ist, dass manche Freiheit und Unverbindlichkeit sich im Licht,  als Einsamkeit oder Egoismus erweist.
Immer mehr Menschen spüren, dass das Leben erst durch eine Spiritualität, durch seine Bindung an Gott,  seine Tiefe und sein Profil bekommt-
" Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege." (Psalm 119.105)
Darum bitte ich euch, denkt im Leben an meine alte Schreibtischlampe, und an das Wort aus Psalm 119.
Und vergesst nicht, wer die Verbindung zu Gott hält, der wird den Glauben als eine Kraftquelle in schweren Zeiten und als eine wichtige Orientierung im Alltag erfahren.
Ihr habt in diesem Jahr erste Erfahrungen mit dem Glauben und der Kirche gemacht.
Für euren Lebensweg bitt ich euch. Lasst den Stecker drin. Bleibt in Verbindung zu Gott und zu uns.
Gott sei das Licht auf eurem Lebensweg.

 

Amen.

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