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Predigt vom 13.02.2011

  

 

Predigt am 13. Fenruar 2011 in der Evangelischen Kirche in Gedern

 

 

(Es gilt das gesprochene Wort)

 

 

Predigttext: 2. Mose 3.1-14 (brennender Dornbusch)

 

Heute ist der letzte Sonntag nach Epiphanias.

Es ist eine Zeit, in der wir darüber nachdenken, wie Gott zu allen Zeiten sich Menschen offenbarte, wie er Menschen in ihrem Leben begegnet, also auch wie er jedem einzelnen von uns in unserem Leben begegnet.

Die Bibel sagt: Gottesoffenbarungen geschehen immer wieder. Mal laut, mal ganz leise. Mal spektakulär, mal ganz alltäglich, kaum sichtbar und kaum hörbar. Gottes Stimme hört man in der Stille, seine Nähe spürt man in der Seele. Mal begleitet Gott uns, nimmt uns an der Hand und manchmal stellt er sich auch uns in den Weg, stoppt uns abrupt, damit wir einmal innehalten in unserem Tun.

Wem Gott im Leben je begegnete, der ist nach dieser Begegnung auf jeden Fall nicht mehr derselbe.

Gottesbegegnungen verändern Menschen, sie sprechen Menschen an, sie bringen Menschen auf den Weg.

Davon erzählt die Bibel sehr oft.

Zum Beispiel von Mose, vom dem wir lesen und hören können, Gott sei ihm als Stimme in einem brennenden Dornbusch erschienen.

Im 2. Buch Mose, Kapitel 3 heißt es:

Mose hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters von Midian und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb.

Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und Mose sah, dass der Dornbusch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.

Da sprach er zu sich selbst. Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt.

Als aber der Herr sah, dass er hinging um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose!

Und er antwortete: Hier bin ich.

Gott sprach: Komme nicht näher. Ziehe deine Schuhe von deinen Füßen, denn der Ort darauf du stehst ist heiliges Land. Und er sprach weiter:

Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht, denn er fürchtete sich Gott anzuschauen.

Und der Herr sprach zu ihm: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und habe ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört. Ich habe ihre Leiden erkannt.

Und ich bin herabgekommen, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein weites und gutes Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hethiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.

Weil nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, so geh du nun hin. Ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten aus Ägypten führst.

Da sprach Mose zu ihm: Wer bin ich denn, dass ich zum Pharao hingehe und die Israeliten hinausführe aus Ägypten?

Und Gott antwortet: Ich will mit dir sein, und das soll das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe:

Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott auf diesem Berge opfern.

Mose sprach: Siehe wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich dann zu ihnen sagen? Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde.

So sollt du zu den Israeliten sagen: Ich werde sein, der hat mich zu euch gesandt.

 

Liebe Gemeinde,

Vielleicht ist es für den Moment wirklich einmal besser, wenn wir in Mose nicht nur den heiligen Mann, den gewaltigen Führer sehen, so wie viele von uns es schon seit dem Kindergottesdienst gelernt haben.

Denn es ist wirklich erstaunlich, wen Gott da beruft, wem sich Gott hier offenbart.

Als Mose am brennenden Dornbusch niederkniet, kann man sein Leben eigentlich als gescheitert bezeichnen.

Am Pharaonenhof erzogen, gebildet und wohl gelitten sieht er die Frondienste der Hebräer.

Ein eigenes Volk war das noch nicht. Hebräer so nannte man alle Sklaven, die in Ägypten Frondienste zu leisten hatten.

Hebräer, das war also noch nicht der Name des israelitischen Volkes, sondern ursprünglich die Bezeichnung für Fronarbeiter, für Sklaven, für die unterste soziale Schicht.

Sie hatten keinerlei Rechte, wurden ausgebeutet und nicht einmal ihr Leben gehörte ihnen mehr.

Damit konnte der Herrscher machen was er wollte und das machte er auch.

Durch Kriegszüge und Hungersnöte waren sie ins Land gekommen und waren dem Pharao willkommene Arbeitssklaven geworden, die er zum Bau seiner Paläste und zu allen anderen schweren Arbeiten heranzog.

Mose sieht die Brutalität der Herrscher. Da entdeckt er, wie sehr er mit diesen Menschen leidet, wie ungerecht ihr Schicksal ist, wie sehr er mehr zu ihnen, als zu den Unterdrückern gehört.

Es gibt eben so Momente im Leben, wo man merkt, dass man da wo man mit seinem Leben ist eigentlich nicht mehr hingehört.

Mose solidarisiert sich mit den Sklaven.

Und er fällt ganz tief. Mose wird zum Mörder. Verzweifelt versucht er die Schandtat zu verdecken. Vergebens. Mose muss fliehen. Vor seinen Verfolgern zu fliehen gelingt ihm, vor seiner Schuld zu fliehen ist auch für ihn nicht möglich.

Hebräer verraten ihn. Der Pharao will ihn töten.

Er verliert alles was er hatte, sogar seine eigene Identität.

Mose flieht nach Midian.

In knappen Worten wird uns erzählt, er habe nun in Midian als Hirte gearbeitet und Zippora die Tochter des heidnischen Priesters Jethro geheiratet.

Nun ist er also dort, hochgebildet aber tief gesunken arbeitet er als Hirte, ein Mörder ist er, ein Flüchtling, und zudem noch sprachbehindert. Mose war Stotterer und brauchte deshalb, um später den Auftrag Gottes auszuführen, seinen Bruder Aaron, der für ihn sprechen wird.

Es ist ganz erstaunlich, wen Gott beruft um sein Volk herauszuführen aus der Knechtschaft, aus der Gefangenschaft in Ägypten. Wahrlich keine Vorzeigeheld, wahrlich keiner der einem auf den ersten Blick sympathisch sein muss, das können wir gut zwischen den Zeilen in der Bibel lesen.

Aus der anfänglichen Neugier des Mose, was wohl das für ein Dornbusch sei, in dem ein Feuer brennt, das den Dornbusch nicht verzehrt, wird ein großer Schrecken.

Warum ausgerechnet ich?, fragt er.

Und er ahnt wohl dabei, dass Gott da nichts Einfaches von ihm verlangt.

Vielleicht fühlt er sich dabei auch überfordert und sagt das kann ich doch nicht.

Er soll reden, wo er doch gar nicht richtig reden konnte, er soll Verantwortung übernehmen, wo er es sich in seinem Leben so eingerichtet hatte, dass er sich im hintersten Winkel von Midian versteckt. Auch vor seiner Vergangenheit versteckt und nicht nur vor seinen Widersachern.

Seine Vergangenheit die lag doch gut verborgen hinter einer dicken Schicht aus Alltäglichkeit, Genügsamkeit und Verantwortung für die Familie.

Aber da steht es nun dieses „DU sollst“ um das keiner wirklich herumkommt, wenn wir es hören.

Da steht es nun dieses „Du sollst“ und fordert ihn auf nicht mehr wegzulaufen und sich zu verstecken, sondern sich der eigenen Lebensgeschichte zu stellen.

Denn das wird Mose zuerst tun müssen, noch bevor er die Hebräer aus Ägypten herausführt. Er muss zurück woher er kam. Nach Ägypten zum Pharao, in den Palast in dem er aufwuchs, zu den Hebräern, die ihn damals als Mörder verpfiffen haben, zurück muss er an den Ort der eigenen Schuld.

Das ist keine einfache Aufgabe, liebe Gemeinde, und ich bin sicher Mose ist nicht gleich aufgebrochen und hat diesen Auftrag ausgeführt. Wie viele Zweifel wird er gehabt haben, wie viele Ängste wird er durchlitten haben, als im klar wurde, dass dieser Auftrag Gottes auch von ihm verlangt neue Wege zu beschreiten und sein bisheriges Leben aufzugeben?

Wir erfahren darüber leider wenig in der Bibel, aber wenn wir in Mose nicht nur die historische Gestalt und den heiligen Glaubenshelden sehen, sondern den Menschen, dann können wir seine inneren Auseinandersetzungen, Ängste und Zweifel nur zu gut erahnen.

Ich selbst, liebe Gemeinde, bin noch nicht fertig im Nachdenken über diese Mosegeschichte. Sie wird mich in meinem Leben wohl noch einige Zeit begleiten. Wo Gott einem ins Leben tritt, da sind schnelle und spontane Entscheidungen nur ein Ideal, die Realität sieht anders aus.

Zumal diese Mosegeschichte, die irgendwo in Midian an einem brennenden Dornbusch begann eine große menschliche Tragik behält.

Mose geht. Er verlässt alles. Er kämpft mit dem Pharao, er hadert mit dem Volk der Israeliten, er gibt ihnen die 10 Gebote, er führt das Volk aus der Gefangenschaft heraus, aber er selbst wird dieses verheißene Land niemals betreten. Er wird den Jordan nach Kanaan nicht überschreiten, sondern wird kurz vor der Erfüllung der Verheißung sterben.

Diese Tragik bleibt auch in der Bibel bestehen. Sie wird nicht geschönt.

Und was kann ich für mich aus dieser Geschichte des Mose heraushören und lernen?

Man kann Gott nicht ausweichen, wenn er sich einem in den Weg stellt, sei es in einem brennenden Dornbusch, oder als Wort, das einem nicht mehr aus dem Kopf geht.

Wie gesagt, ich bin nicht fertig mit dieser Mosegeschichte, aber sie arbeitet in mir.

Um aus der eigenen Gefangenschaft herauszukommen, was soll ich da tun?

Wie gehe ich mit meiner Lebensgeschichte um. Renne ich weg? Verstecke ich sie unter dicken Schichten aus Pflichtgefühl und Verantwortungsbereitschaft und Alltäglichkeit, oder bin ich bereit mich auf meine eigene Lebensgeschichte, zu der auch Schuld und eine gewisse Tragik gehört, einzulassen?

Und wie sieht es bei ihnen aus?

Vielleicht ist es ja einmal gut, wenn von dieser Kanzel aus nicht nur Antworten gegeben, sondern auch Fragen aufgeworfen werden.

Wo ruft Gott sie? Was verlangt er von Ihnen? Was geht in ihnen vor, wenn sie diese Geschichte von Moses hören?

Lassen sie diese Fragen und diese Geschichte ruhig mal in ihnen arbeiten.

Wie gesagt: Wem Gott begegnet, der ist danach ein anderer Mensch.

Amen.

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