Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Predigt vom 30.01.2011

  

 

Predigt am 4.Sonntag nach Epiphanias (30.1.2011)

in der Evangelischen Kirche Gedern

 

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

 

 

Matthäus 14, 22-33

Jesus und der sinkende Petrus auf dem See

 

Übersetzung der Luther-Bibel

22 Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe.

23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein.

24 Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen.

25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See.

26 Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst! und schrien vor Furcht.

27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!

28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.

29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu.

30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir!

31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

32 Und sie traten in das Boot, und der Wind legte sich.

33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

 

Liebe Gemeinde,

eine bekannte Geschichte war das, aus dem Neuen Testament, eine Geschichte, die uns von Petrus erzählt, oder besser vom Verhältnis Petrus zu Jesus.

Es ist also keine Geschichte, wie manche meinen, in der das Wunder über das Wasser laufen zu können im Mittelpunkt steht. So ist diese Erzählung aus dem Matthäusevangelium immer falsch verstanden worden.

Wenn wir uns fragen, was mag Matthäus bewogen haben diese Geschichte aufzuschreiben, warum erzählt, berichtet er uns diese Geschichte, dann werden wir wissen müssen, Matthäus hat sein Evangelium nicht geschrieben um einen Lebenslauf Jesu historisch genau wiederzugeben, sondern er hat es geschrieben um Gottes Wort zu verkünden, damit Menschen zum Glauben an Jesus Christus kommen, und damit Menschen in den Gemeinden, stärker werden in ihrem Glauben, damit sie vielleicht auch nicht ihren Glauben in den Zeiten der Verfolgung und der Anfechtung verlieren.

Und ich darf ihnen einen kleinen Trick verraten für ihre persönliche Bibellektüre. Geschichten, die uns in den Evangelien etwas von Petrus erzählen, die haben gleich zwei Verstehensebenen, die wollen uns nämlich sowohl etwas über uns erzähle, als auch zum anderen etwas über die Kirche, denn Petrus steht als Person auch für die Kirche. Ihm hatte Jesus am See Genezareth gesagt: Weide meine Schafe und ihm gewissermaßen den Auftrag gegeben sich um die Gemeinde zu kümmern.

Also diese Geschichte wird zuerst uns ganz persönlich und dann auch uns, der Gemeinde, der Kirche erzählt.

Aber warum wird sie erzählt? Uns erzählt und der Kirche?

So richtig verstanden habe ich das erst seit eine meiner Töchter den Führerschein gemacht hat. Sie wissen ja und ich finde das eine ganz gute Sache, dass junge Menschen schon mit 17 Jahren den Führerschein machen und Autofahren dürfen, wenn sie dabei von einem ausgesuchten Erwachsenen, meist Vater oder Mutter, auf dem Beifahrersitz begleitet werden.

Ich erinnere mich noch der ersten Male, als in neben meiner Tochter saß. Obwohl ich mir doch vorgenommen hatte, so wenig wie möglich zu sagen, ihr irgendwie auch zu vertrauen, immerhin hatte sie ja den Führerschein bestanden, wollte es mir nicht gelingen.

Hier fuhr sie mir zu weit rechts und ich hielt es für sicher, dass nun der Außenspiegel dran glauben musste, dort fuhr sie mir viel zu schnell, immerhin ist die Hauptstraße in Gedern etwas eng, besonders wenn man auch noch Gegenverkehr hat.

 Sie können sich denken, wie das für´s erste geendet ist wenn 17-jährige Tochter und ihr Vater, zwei durchaus selbstbewusste Charaktere gemeinsam im Auto sitzen.

Es gab Streit und auch Tränen.   Ich fürchtete um mein Auto, sie verstand nur dass ich schimpfte und keine Geduld mit ihr habe.

Und schließlich sagte sie. Es geht irgendwie nur wenn du Vertrauen hast, dass ich auch fahren kann, sonst schreien wir uns nur noch im Auto an.

Und ich merkte es lag an mir. Es ging gar nicht darum, dass ich um mein Auto fürchtete, einen Unfall, meine Güte für was ist man eigentlich gut versichert, es ging darum und meine Tochter hatte es auf den Punkt gebracht, dass ich zu wenig Vertrauen in sie hatte.

Ich nahm mir fortan fest vor und versprach es ihr vertrauensvoll neben ihr zu sitzen und ihr auch zuzutrauen, dass sie Auto fahren kann. Das war nicht einfach, aber schon in der zweiten Woche konnte ich das auch genießen und wenig später freute ich mich gar darauf mit meiner Tochter zu fahren, denn neben der Fahrerei hatten wir auch das ein oder andere Gespräch im Auto, das ich nicht missen möchte.

Und so ist das mit unserer Geschichte glaube ich auch. Es geht nicht darum, dass Petrus ins Wasser geplumpst ist, es geht auch nicht darum, dass Jesus über das Wasser laufen konnte, all dies ist zweitrangig.

In erster Linie geht es in dieser Geschichte um das Verhältnis von Petrus zu Jesus, und von Jesus zu Petrus. Es geht um Vertrauen, auch hier.

Und nicht wahr. Jeder von uns weiß wie das ist, wenn das Leben etwas aus den Fugen gerät, wenn wir wie die Jünger im Boot, den Stürmen des Lebens hilflos ausgeliefert sind.

Es gibt so vieles im Leben gegen das können wir eigentlich gar nichts, oder nur sehr wenig machen. Was kann mein Vater heute dagegen tun, dass nun, da er 82 Jahre wird, nach und nach eine Demenz sich in seinem Leben ausbreitet?  Und wir als Kinder? Was können wir tun? Wir können uns der Verantwortung als Kinder stellen, wir können uns der Verantwortung stellen, die wir in uns spüren, der wir uns verpflichtet fühlen, und die im vierten Gebot so nachdrücklich ausgesprochen ist:  „Du sollst Vater und Mutter ehren…“

Wir haben neulich alle zusammen gesessen. Jeder hat seinen Teil der Verantwortung übernommen. Aber auch darin waren wir uns einig. Letztlich geht es um Liebe und Vertrauen. Liebe zu unserem Vater, die sich nun in einer verstärkten Zuwendung zum Vater zeigen darf und letztlich geht es um das Vertrauen in die Zukunft, darin, dass wir immer wieder neue Kraft und neue Zuversicht bekommen, Vertrauen, dass Gott uns eine Last auferlegt, aber eben auch darin hilft.

Wir könnten jetzt klagen und jammern, es würde nichts helfen, wir könnten unseren Vater bedauern, aber warum sollten wir es tun, wenn er es selbst nicht tut?

Was unser Vater braucht das sind unsere Zuversicht, unser Vertrauen und unsere Liebe. Und die wird er bekommen und spüren. Und wir bleiben darin gewiss, dass in jeder gelebter Liebe, Gott gegenwärtig ist.

Und manchmal scheint es mir, als ob Jesus diese Worte, die er damals zu den Jüngern auf dem See gesprochen hat, nun auch in sehr konkreter Situation zu mir und zu meinen Geschwistern spricht:

Seid getrost. Ich bin es. Fürchtet euch nicht!

Und wenn sie diese Geschichte genau lesen, dann versinkt Petrus auch nicht einfach in den Wellen, als er zu zweifeln beginnt, und so werden auch wir nicht in dieser familiären Situation untergehen, wenn uns die Kräfte ausgehen, sondern Petrus ruft in entscheidender Stelle. Herr hilf mir. Und dann bekommt er auch geholfen. Es ist ja keine Schande Gott um Hilfe zu bitten, wenn man in Schwierigkeiten ist, sondern ein Zeichen des Vertrauens und ein Bewesi dafür wie gut es ist, auch und gerade in schweren Zeiten, mit Gott zu sprechen und in Beziehung mit ihm zu bleiben.

Und ich sagte es schon, liebe Gemeinde, das ist auch eine Vertrauensgeschichte, die uns als Kirche erzählt wird.

Wie schön wäre es, wenn unsere Kirche offensichtlicher aus ihrem Vertrauen an den auferstandenen Herrn der Kirche leben würde, und weniger offensichtlich sich immer wieder fast ausschließlich mit dem beschäftigen würde, was auch misslingt, wo sie Schwächen hat.

Wir schön und gut wäre es, wenn wir als Gemeinde, über alle Aktivitäten des Gemeindelebens hinaus, über alles Gelingen und Misslingen hinaus, Gott vertrauen lernen, der der Herr und das Fundament unserer Kirche ist.

Ja ich weiß, der demografische Wandel, die sinkenden Gemeindegliederzahlen, die Finanzkrise, der Verlust der Werte in unserer Gesellschaft, der Zerfall der Familie.

All das bedrückt uns auch, aber auch uns gilt:

Seid getrost. Ich bin es. Fürchtet euch nicht.

Lasst uns darum getrost den Dienst tun zu dem wir in dieser Welt berufen sind, nämlich Gottes Wort zu verkündigen in Wort und Tat und in allem anderen darauf vertrauen, dass Gott bei uns ist und uns hilft.

Amen.

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