Evangelische Kirchengemeinde Gedern
Kirche > Predigten > Predigt vom 02.01.2011

Predigt vom 02.01.2011

  

 

Predigt am 2. Sonntag nach dem Christfest in der
evangelischen Kirche in Gedern(2.1.2011)

 

 

(Es gilt der gesprochene Text)

 

 

Liebe Gemeinde,

an diesem 2. Sonntag nach dem Weihnachtsfest verliert sich die Weihnachtsstimmung bei vielen von uns schon ein wenig.

Für viele, ist der Alltag zwischen den Jahren wieder eingekehrt.  Die Feiertage sind vorbei

Das neue Jahr hat begonnen, die ersten haben schon den Weihnachtsbaum abgeschmückt und den Tannenbaum aus der Wohnstube verbannt. 

.

Manche warten damit noch bis 6. Januar, dem Epiphaniasfest.  Hl. Drei Könige, sagen wir hier auch dazu, aber das ist nur noch in drei Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag und da es nur selten auf einen Sonntag fällt in der evangelischen Kirche weitestgehend verloren gegangen.

Auch beim Predigttext, den ich für den heutigen Sonntag ausgesucht habe, sind die Hirten längst wieder bei ihren Schafen, die Weisen aus dem Morgenland haben die Heimreise angetreten.  Josef, Maria und Jesus, müssen den Stall von Bethlehem verlassen, die scheinbare Romantik des Stalles von Bethlehem, weicht einer bedrückenden Realität, bei der es um das nackte Überleben  geht.. 

Gott seinen Sohn in die Welt gegeben haben, weil er die Welt liebt, aber die Welt liebt ihn nicht. Der Heiligen Familie droht Unheil. Sie muss vor Herodes nach Ägypten fliehen.

Und hier bekommt dann, liebe Gemeinde, der in der Weihnachtsgeschichte so schweigsam daneben stehende Josef seine eigene Bedeutung.

Ich lese Ihnen aus dem 2. Kapitel des Matthäusevangeliums:

 

Matthäus 2, 13 - 23

(13) Als sie aber hingezogen waren, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und fliehe nach Ägypten, und bleibe dort, bis ich es dir sage; denn Herodes wird das Kindlein suchen, um es umzubringen.
(14) Er aber stand auf, nahm das Kindlein und seine Mutter des Nachts zu sich und zog hin nach Ägypten.
(15) Und er war dort bis zum Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was von dem Herrn geredet ist durch den Propheten, der spricht: `Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
(16) Da ergrimmte Herodes sehr, als er sah, dass er von den Weisen hintergangen worden war; und er sandte hin und ließ alle Knaben töten, die in Bethlehem und in seinem ganzen Gebiet waren, von zwei Jahren und darunter, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erforscht hatte.
(17) Da wurde erfüllt, was durch den Propheten Jeremia geredet ist, der spricht:
(18) `Eine Stimme ist in Rama gehört worden, Weinen und viel Wehklagen: Rahel beweint ihre Kinder, und sie wollte sich nicht trösten lassen, weil sie nicht [mehr] sind.

19) Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph in Ägypten im Traum
(20) und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und zieh in das Land Israel; denn sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben trachteten.
(21) Und er stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, und er kam in das Land Israel.
(22) Als er aber hörte, dass Archelaus über Judäa herrsche anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dahin zu gehen; und als er im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatte, zog er hin in die Gegenden von Galiläa
(23) und kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth;

 

Liebe Gemeinde,

in der langen und bis zum 16 Jahrhundert weitestgehend katholischen oder auch orthodoxen Tradition des Christentums, haben wir uns immer so sehr auf Maria, die Mutter Jesu, die Gottgebärerin, wie sie in der Tradition genannt wird, konzentriert, dass wir Josef darüber fast vergessen haben. Die bekannten Weihnachtsgeschichten aus dem Lukasevangelium tragen dazu bei, aber im Matthäusevangelium, das für jüdische Christen geschrieben ist, wird die Herkunft Jesu ganz eindeutig aus der Sicht von Josef erzählt.

Es ist der Stammbaum von Josef, mit dem Das Evangelium beginnt und der den erstgeborenen Sohn Jesus mit Abraham und König David verbindet.

Und es ist das Matthäusevangelium, nicht die uns bekannte Weihnachtserzählung des Lukas, die davon berichtet Josef habe einen Moment daran gedacht die schwangere Maria zu verlassen und er habe dann, weil ihm erstmals ein Engel im Traum erschien, zu Maria und dem Kind gestanden.

Liebe Gemeinde,

sieh haben es gehört, noch zwei weitere Male erscheint nun der Engel in unserem heutigen Predigttext dem Josef in einem Traum.

Zum ersten Male fordert er Josef auf  Maria und das Kind nach Ägypten zu  bringen und vor dem Despoten Herodes nach Ägypten zu fliehen.

Ob nun dieser Kindermord des Herodes stattgefunden hat oder nicht, wissen wir nicht. Wir wissen allerdings, dass wir diesem Herrscher jede Gewalttat und jede Skrupellosigkeit zutrauen dürfen. So gilt als historisch gesichert, dass Herodes keinerlei Skrupel hatte, drei seiner Söhne hinrichten und töten zu lassen, um seine eigene Herrschaft abzusichern.

Und so wird dieser Erzählung von der Flucht aus Ägypten bis zum heutigen Tag auch eine Beispielerzählung für all die Kinder, für all die Menschen, die unter Gewaltherrschaft und Diktatur zu leiden haben und auf der Flucht sind. Es sind nach wie vor meistens Männer, die diesem Herodes bis heute so ähnlich sind, die über Leichen gehen und ihren Machtanspruch ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen suchen.

Auch aus dieser Geschichte, liebe Gemeinde, leitet sich die christliche Solidarität mit Menschen und die Unterstützung von Menschen ab, die aus ihrer Heimat fliehen müssen und die durch die Mächtigen dieser Welt mit dem Leben bedroht werden.

Josef nimmt also seine Familie und flieht nach Ägypten. Er fragt nicht, er lebt, wenn sie so wollen seinen Traum, den Traum, in dem ihm der Engel erschienen war und ihn zu dieser Flucht aufforderte.

Josef sorgt für seine Familie, übernimmt Verantwortung, macht sich mit ihr auf die Flucht. Solche Väter gibt es bis auf den heutigen Tag und solche Familiengeschichten auch. Familien, die sich in Afghanistan vor den Taliban in Sicherheit bringen, oder ich erinnere nochmals an die Christinnen und Christen aus dem Irak, von denen etwa 200 Tausend nach meinen Informationen in Syrien oder dem Libanon Unterschlupf gesucht haben um den Schrecken in ihrer Heimat zu entkommen. Und dies sind in der Regel auch noch nur diejenigen, die sich diese Reise überhaupt leisten können. Die meisten irakischen Christen fliehen innerhalb des Landes in den etwas sicheren Norden. Die ganz Armen, die die gar nichts haben, sind allerdings heute gezwungen in Angst und Schrecken vor Verfolgung zu leben.

Wir erkennen an dieser Geschichte aber auch und auch deswegen wird sie uns von Matthäus so aufgeschrieben worden sein, wohin das Leben von Jesus letztlich führen wird. Es stimmt schon was einstmals ein Kirchenvater niederschrieb: Die Krippe von Jesu Geburt und das Kreuz, an den sie ihn nagelten, sind aus dem gleichen Holz geschnitzt. Und es ist wohl auch dies, warum der Evangelist uns diese Geschichte überliefert.

Der Machtanspruch des Reiches Gottes ist ein Machtanspruch der Liebe mitten in dieser Welt. Jesus ist diesen Weg der Liebe in seinem Leben konsequent gegangen. Und er wird gerade darin den Mächtigen dieser Welt in Religion und in Staat zum Ärgernis, zu einem solchen Ärgernis, dass sie beschließen ihn zu töten.

Die Welt wird sich nicht ändern, sagen viele. Und noch mehr sagen, die Welt ist nun einmal wie sie ist, liebe Gemeinde. Und wer wollte das bestreiten.

Das Licht kam in die Finsternis und die Seinen nahmen es nicht auf. Gott wird Mensch, doch die Welt will von diesem menschgewordenen Gott nichts wissen.

Die Bibel verschweigt uns in keiner Art und Weise, den Zustand dieser Welt. Sie verschweigt uns in keiner Weise, wie schwer es das Gute hat in dieser Welt, wie gottlos diese Welt manchmal sein kann.

Sie verschweigt uns aber auch nicht, wie sehr Gott die Menschen liebt und diese Welt und wie sehr Gott den Seinen nahe ist.

Ich muss gestehen, mich beschäftigt das sehr, wie Gott Josef durch seinen Engel hilft, wie sehr er ihm in konkreter Situation Weisung erteilt und ihm den Weg weist.

Judentum, Christentum und auch der Islam bezeugen uns die Existenz von Engeln. Ich frage mich, ob wir es noch mehr lernen müssten, ob wir nicht noch viel sensibler werden dürften, mehr beten könnten, damit Gott uns durch seine Engel erscheinen und zu uns reden könnte.

Manchmal erscheint es ja einem, als hörte man eine innere Stimme, als wisse man nach einem Traum, was man nun am nächsten Tag zu tun hat. Manchmal hat man ja so eine Ahnung davon vor Schlimmeren bewahrt worden zu sein.

An Josef, den fast vergessenen Mann der Maria, den fast vergessenen Vater von Jesus, will ich mir Mut machen, wieder mehr die Stimme Gottes in meinem Leben zu suchen.

Amen.

nach oben

zurück

KirchenvereinePfarrerKinderGemeindehausKirchePfarrbüro