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Kirchenbrand 2004 KA vom 27.10.2004

 

Kreisanzeiger vom 27.10.2004

 

Flammen wüteten in Gederner Kirche

 

Feuer zerstörte eine Empore – Schaden in nicht bekannter Höhe – Mögliche Ursache brennende Kerze.

 

GEDERN. Der Schock sitzt tief in Gederns Bevölkerung nach dem verheerenden Brand gestern Abend in der evangelischen Kirche. Um 18.30 Uhr wurde das Feuer entdeckt, dessen Flammen bereits lichterloh im Kirchenschiff wüteten.

„Wenn das erst mitten in der Nacht entdeckt worden wäre, gäbe es keine Kirche mehr.“ Mit diesen Worten und versteinerter Miene steht Pfarrer Kurt Johann vor der Eingangstür des Gottes­hauses. Dichter Qualm dringt aus der Pforte, an der er jeden Sonntag die Gläubi­gen begrüßt. Der Rauch hindert ihn daran, das Kirchenschiff zu betreten. So muss er ausharren, ohne hilfreich eingreifen zu können, und zusehen, wie die Flammen in der Kirche ihr vernichtendes Werk tun und aus den Fenstern am Seitenportal meter-hoch züngeln.

 

 

Bereits zu diesem Zeitpunkt war den Einsatzkräften klar, wie knapp Gedern gestern Abend einer Brandkatastrophe ungeahnten Ausmaßes entgangen ist. Nur der raschen Entdeckung durch Gederner Bürger und dem schnellen Einsatz der Feuerwehrleute ist es zu verdanken, dass das Feuer schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Durch das Fenster war deutlich zu sehen, wie die Flammen im Schiff der Gederner Kirche loderten und sich immer weiter durch die Holz-Empore fraßen.

   

„Das war unglaublich, was die Männer und Frauen der Gederner Feuerwehr und der Ortsteile geleistet haben“, kommen­tierte Kreisbrandinspektor Otfried Hart­mann den Verlauf des Einsatzes nach Abschluss der Löscharbeiten. „Das hätte keine zehn Minuten länger unbemerkt brennen dürfen, dann wäre nichts mehr zu retten gewesen.“ Eine Darstellung, die auch Johann und Kirchenvorstandsmit­glied Horst Kissel nur bestätigen konnten. Auch wenn gestern Abend nach der Mel­dung „Feuer aus“ noch nicht abzusehen war, welchen Schaden der Brand tatsäch­lich angerichtet hat, dürfte die Summe erheblich sein.

 

Davon überzeugten sich auch der noch im Krankenstand befindliche Bürgermeis­ter Wolfgang Zenkert und Erster Stadtrat Martin Hölker sowie Stadtverordnetenvorsteher Kurt Heusohn. Erst nach einem gelungenen Außenangriff durch die ge­borstenen Fensterscheiben konnten Feu­erwehrleute, ausgerüstet mit Atemschutz­geräten, in das Kirchenschiff vordringen. Der dann erfolgende Innenangriff führte zusätzlich zum schnelleren Erfolg der Brandbekämpfung. So konnte nur rund 30 Minuten nach der Alarmierung von der Einsatzleitung unter Stadtbrandinspektor Klaus Neunert „Feuer unter Kontrolle“ gemeldet werden.

 

Erste vorsichtige Einschätzungen zur Brandursache lassen vermuten, dass auf diesem Tisch stehende brennende Kerzen das Feuer verursachten.

 

 

Unter dieser Empore wurden die Flammen entfacht, die in dem Holz der Fußbodenkonstruktion reichlich Nahrung fanden.

Danach loderten allerdings immer wie­der Flammen im Gebälk der einen Empore auf, in deren Bereich der Brand ausgebro­chen war. Unter Nutzung der Wärmebild­kamera der Feuerwehr Nidda suchte man anschließend noch nach weiteren Brandnestern. Parallel versuchte man, die Ursa­che für das Flammeninferno zu finden. Dabei wurden die Feuerwehrleute relativ schnell fündig. Während man zuerst von einem technischen Defekt ausgegangen war, besteht jetzt der Verdacht, dass eine brennende Kerze das Feuer ausgelöst ha­ben könnte. Unter der Empore, in deren Bereich die Flammen wüteten, wurde ein Tisch entdeckt, auf dem nach bisherigem Kentnissstand Kerzen standen. Über die­sen hing ein Bild. Die Brandspuren in diesem Bereich lassen die Vermutung zu, dass dort das Feuer ausgebrochen ist. Die tatsächliche Ursache werden jedoch die Ermittlungen der Brandexperten der Kri­po ergeben. Auch wenn noch nicht abzu­schätzen ist, welchen Schaden das Feuer angerichtet hat, steht fest, dass nicht nur die Empore erneuert werden muss, son­dern auch das gesamte Kirchenschiff und einige Bänke einer grundlegenden Reno­vierung unterzogen werden müssen.

Und was gestern Abend auch noch nicht geklärt werden konnte, ist die wichtige Frage, welche Auswirkungen die relativ hohe Hitzeentwicklung in der Kirche wäh­rend des Brandes auf die Orgel hatte.

Dichte Rauchwolken quollen aus dem Kirchturm der evangelischen Kirche und signalisierten weithin das Unglück.

 

 

Gaffer

 

Was nützt Schnelligkeit, was nützt Professionalität, wenn es heute leider zum alltäglichen Bild gehört, dass sich eine große Zahl von Schaulusti­gen am Ort des Geschehens einfin­det, um zu gaffen? Dass dabei wie selbstverständlich Einsatzkräfte behin­dert werden, nimmt man in Kauf. Schließlich will man ja ganz vorne stehen und alles mitbekommen. Ja, man stellt sich sogar noch in Position, um via Handy-Fotografie der Freun­din oder anderen „wichtigen“ Bekannten live berichten zu können. Und wieder einmal mussten sich Ein­satzkräfte, statt sich um das Feuer kümmern zu können, derjenigen Mit­menschen annehmen, die erst durch ein Flatterband zur Vernunft gebracht werden konnten. Wolfgang Kunert

 

Der Einsatz der Feuerwehr wurde zusätzlich durch eine große Zahl Schaulustiger belastet, die es sich nicht nehmen ließen, möglichst dicht am Geschehen dabei zu sein.

 

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