Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Grundsteinlegung Gederner Kirche

 

Grundsteinlegung der neuen evangelischen Kirche
zu Gedern am 17. Juli 1845

 

 

(Darmstädter Zeitung vom 29.07.1845)

 

Der heutige Tag war ein bedeutungsvoller, ein freudig bewegter für alle Bewohner Gederns, vor 2 Jahren war die frühere Kirche dem alles zerstörenden Zähne der Zeit erlegen und musste abgebrochen werden. Der Gottesdienst wurde seitdem in einem durch die Gnade unseres erlauchten Grafen hergerichteten Local gehalten.- Waren auch einige Fonds zu kirchlichen Zwecken disponibel, so erschienen sie doch, wie die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde selbst zu beschränkt, als dass man hoffen durfte, ein den heiligen Zwecken völlig entsprechendes Gebäude bald zu besitzen. - Da erklärte Se. Durchlaucht der Graf Heinrich zu Stolberg-Wernigerode und Gedern, dessen hohen kirchlichen Sinn, dessen stetes Bestreben, Gutes zu tun und nicht müde zu werden die Bewohner seiner Grafschaften so oft zu verehren Gelegenheit hatten, Sich bereit, wenn die hiesige Gemeinde einen, ihren Verhältnissen entsprechenden Beitrag leistete, den Kirchenbau aus höchsteigenen Mitteln zu vollenden. - Und so geschah es. Fröhlich schritt man zum Werke. Unter Mitwirkung des Hrn. Oberbaudirektors Möller entwarf der grßh. Kreisbaumeister Gladbach in Nidda den Plan, und übernahm die obere, sowie der grßh. Bauaufseher Mathes die specielle technische Leitung des Baues, während der hiesigen gräflichen Rentkammer die geschäftliche „Leitung überwiesen ward. - Rasch wurden die Vorarbeiten beendet und der heutige Tag zur Grundsteinlegung bestimmt und beschlossen, dieselbe , dem hohen Zwecke entsprechend, feierlich zu begehen. - Zu diesem Behuf hatte sich unter Vorsitz des Decans und Hofpredigers Bernhardt ein eigenes Comite gebildet. Auf dem Bauplatze wurden 2 Tribünen erbaut, die eine für die hisigen Damen und auswärtige Honorationen, die andere für die Musik und den hießgen Gesangverein.- beide waren mit Guirlanden und Fahnen, welche abwechselnd die Landes- und die Stolberger Hausfarben zeigten, geschmackvoll verziert. - Morgens 5 Uhr läuteten alle Glocken den festlichen Tag ein. Eine große Menschnemasse kam von nah und fern herbei. Um 9 Uhr versammelten sich die Teilnehmer am Festzuge im Saale und Hofe des hiesigen Schlosses. Um 10 Uhr setzte sich der Zug unter dem Geläute der Glocken in folgender Ordnung nach dem Bauplatze in Bewegung: l) Zugführer;2) die Musik; 3) zwei Zimmergesellen - der grßh. Kreisbaumeister und Bauaufseher;- sämmtliche Bauhandwerker, je zwei und zwei, alle in festlicher Kleidung und ihre Handwerkszeuge mit roth und weißen und schwarz und gelben Bändern abwechselnd geschmückt tragend: der 4) der Schulvorstand, - die hiesigen 4 Volksschulen je 3 und 3; -5) der Gesangverein; 6) der Concisistorialpedell, - der Kirchenvorstand, - die hiesigen Geistlichen, denen sich die gräflich stolberg-gedernschen und ortenbergischen, sowie einige auswärtige Geistlichen, sämmtliche Amtstracht, angeschlossen hatten; 7) zwölf festlich geschmückte Mädchen mit Kränzen und zwölf Knaben mit den Einlagen in den Grundstein; 8) Se. Erlaucht der Graf Rudolph zu Stolberg-Wemigerode, begleitet von dem Dirigenten des großherzogl. hessischen und gräfl. stolbergischen Gesammtconsistoriums und den Mitgliedern der Rentkammer, sodann die übrigen Beamten; 9) der Bürgermeister, der Beigeordnete, nebst den Gemeinderäthen; 10) etwa 300 jüngere und ältere Bürger hiesiger Gemeinde, voran die Fahne der Veteranen. Sie waren in Sectionen zu 18 Mann getheilt, deren jede von einem Veteran angeführt wurde. Auf dem Bauplatze angelangt nahm der Zug die vorher bestimmten Plätze ein, und die Feierlichkeit begann mit einem Wechselgesang des Gesangvereins und der Gemeinde, welche wie alle Festlieder von dem zweiten Geistlichen, Hofcaplan Ritsert, eigens zu diesem Zwecke zu allgemeiner Erbauung gedichtet war. Herr Decan und Hofpreiger Bernhardt hielt sodann eine tiefen Eindruck hervorbringende Festrede, und schloß mit einem innigen Gebete für das Wohl S.K.H. des Großherzogs und Allerhöchstdessen durchlauchtigsten Hauses, für unsern gnädigsten allverehrten Grafen und die erlauchten Angehörigen Seines hohen Hauses, für die Bauhandwerker und die ganze Gemeinde. Nachdem nun der Director des großh. hess. gräflich stolbergischen Gesammtconsistoriums, Herr Langermann,-die über den Act aufgestellte und vollzogene Urkunde verlesen hatte, erfolgte unter dem Ge läute der Glocken die feierliche Legung und Bekränzung des Grundsteil In denselben wurden gelegt: die Urkunde über den Act, ein Meisterstück der Kalligrphie, ausgeführt von Herrn Secretär Davidsohn, eine kurze geschichtliche Darstellung über den Neubau der Kirche und statistische Nachrichten über den Ort Gedern, unter Beilegung des Grundrisses und der Profilzeichnung der Kirche, der Namen der Techniker und sämmtlicher Aecordanten, die letzte Nummer des Kreisblattes wegen der darin enthaltenen dermaligen Frucht- und Victualienpreise, ein Programm über die Festlichkeit; alles in eine Kapsel von Zink verschlossen; die neuesten großh. hessischen Münzen, ein gräflich stolbergischer Ducat v dem jetzigen Grafen zu Stolber-Wernigerode.in neuerer Zeit geschlagen und einige ältere stolbergische Münzen. Proben hiesiger Landeserzeugniss und hiesigen Schwarz- und Weißbrodes. - S. Erl. der Graf Rudolf gaben dem nun geschlossenen Grundsteine die drei ersten Hammerschläge, welches sodann von den übrigen Beamten geschah. Nachdem der Herr Hofpreddiger noch einen Weihespruch gesprochen, entließ der zweite Geistliche die Versammlung mit dem gewöhnlichen kirchlichen Segen.- Sämmtliche Geistliche und die Beamten hatten die Ehre zu gräflichen Tafel gezogen zu werden. Nachmittags um 4 Uhr hatte der erlauchte Graf Rudolf, sämmtliche Schulkinder ein Fest bereitet, wobei an dieselben, deren Zahl weit über 400 betrug, Semmeln vertheilt wurden un wobei sich in kindlicher Freude dieselben in lauten Lebehochs für den erlauchten Festgeber aussprach. Musterhaft war die Ordnung im Zuge und von tiefer Andacht zeigte die Stille der so zahlreichen Versammlung bei der Feier selbst. - Zu einem heiligen Bau wurde so der Grundstein gelegt; möge jener im Segen gedeihen und Segen bringen bis auf die spätesten Geschlechter!

(Ende Darmstädter Zeitung)

 

Ersterwähnung der hiesigen Kirche im Lorscher Codex:

Im Namen Christi, am 1. Januar im 19 Regierungsjahr des Königs Karl, - also 787 ,- mache ich Reginher, zu meinem Seelenheil - eine Vergabung an den leibhaftig im Oberrheingauer Kloster Lorsch ruhenden heiligen Märtyrer N(azarius), beziehungsweise an jene geweihte Mönchsversammlung, welche ebendort unter dem ehrwürdigen Abt Richbodo Gott dient. Ich bestimme, daß meine Spende für alle Ewigkeit gültig bleiben soll, und bekräftige den gänzlich freien Willen, mit dem ich sie gegeben habe.

Ich schenke im Gau Werdereiba (Wetterau) im Dorf Gewirada (Gedern) eine Kirche mit allem, was ich an Äckern, Wohn- und Wirtschaftsbauten, Hofreiten, Wiesen, Wäldern und Gewässern besitze, außerdem noch acht Leibeigene. - Bekräftigt durch Handschlag und Brief schenke, übergebe und übertrage ich dies alles vom gegenwärtigen Tag an als Eigentum für ewige Zeiten aus meinem Besitzrecht in das Eigentums- und Herrenrecht des Heiligen N(azarius). — Gesehen im Kloster Lorsch.

Erstellt von Erwin Diehl im Juli 2004

 

 

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