Evangelische Kirchengemeinde Gedern
Kirche >Berichte im Kreianzeiger vom 23.01.2016

Berichte im Kreisanzeiger vom 23.01.2016

 

 

 

„Standhaft bleiben“

 

FRIEDENSGEBET Regelmäßig besuchen 70 bis 100 Menschen den Gottesdienst in der Gederner Kirche

 

GEDERN - (red). „Als wir im Herbst im Kirchenvorstand zum ersten Mal über ein regelmäßiges Friedensgebet in Gedern gesprochen haben, dachten wir nicht, dass uns die Ereignisse so schnell einholen, dass sich der Ton in der öffentlichen, aber auch in so mancher privat geführten Diskussion so schnell verschärfen würde.“ Vier Mal hat inzwischen in der evangelischen Kirche Gedern ein Friedensgebet stattgefunden, jedes Mal besucht von 70 bis 100 Menschen. Die Überzeugung, zur rechten Zeit das Richtige zu tun, hinterlässt bei Pfarrer Kurt Johann aber auch Betroffenheit: „Die Debatte um Flüchtlinge ist notwendig, aber sie läuft mittlerweile aus dem Ruder.“ Umso wichtiger sei es, Mut zu machen, Zuversicht zu verbreiten und – vor allem – „standhaft zu bleiben“.

„Der andere Dank geht an den Himmel.“ Abdullah Kakeri (M.) übersetzt den Text des Liedes aus seiner Heimat Afghanistan, das er zusammen mit Bahman Kaker auf Tabla und Harmonium spielt, rechts Pfarrer Kurt Johann. Foto: red.

 

Johann: „Wir beten um den Frieden, auch um den sozialen Frieden im Land. Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, geraten in ihrem Alltag immer mehr unter Druck, werden zum Teil auch heftigst beleidigt. Gerade ihnen wollen wir eine Gemeinschaft sein, die sie stützt und ermutigt. Wir wollen aber auch sehr konkret Menschen ansprechen, die sich sorgen, die Fragen haben, die sich informieren wollen.“ Er versuche, das Gebet so lebensnah und interessant zu gestalten wie möglich. „Kurt Johann ist ein politischer Mensch, das klammert er auch in seinen Predigten nicht aus, sondern redet Klartext. Das erklärt vermutlich, weshalb auch immer wieder Menschen zum Friedensgebet kommen, die eigentlich gar keine Kirchgänger sind“, sagt Maria Seipel vom Kirchenvorstand. Das zeige aber auch, dass es wichtig sei, eine Gemeinschaft zu haben, die Hoffnung macht und die in schwierigen Zeiten trägt.

 

„Deshalb bieten wir nach dem Gebet in der Kirche Tee und Glühwein an. Menschen können sich kennenlernen, sich austauschen und gegenseitig ermutigen“, sagt Johann. Dass auch viele Menschen aus Nachbarkommunen kommen, freue ihn besonders. „Schade ist eigentlich nur, dass sich bisher nur wenige andere Kirchengemeinden an den Gebeten beteiligen. Die Veranstaltung ist offen. Es gibt zwar eine kurze wiederkehrende Liturgie, aber alles andere darf gerne ganz persönlich und frei gestaltet werden.“

 

Dafür kommen in Gedern lebende Flüchtlinge regelmäßig zum Friedensgebet. Auch sie können dort Kontakte knüpfen und Hilfe finden.

 

Daneben spielt die Musik eine große Rolle: Der Gospelchor der evangelischen Kirchengemeinde Gedern, Grundschüler der Erlenbachschule und Kurt Johann und Anke Merth haben schon gesungen.

 

Berührend war der Auftritt von Abdullah Kakeri und Bahnam Kaker aus Hirzenhain beim jüngsten Friedensgebet. Auf Harmonium und Tabla spielten sie Musik aus ihrer afghanischen Heimat.

 

 

TERMINE

 

Das Friedensgebet der evangelischen Kirchengemeinde Gedern findet alle zwei Wochen montags ab 19.30 Uhr in der Kirche statt. Das Friedensgebet am 1. Februar werden Susanne und Vardis Anezakis aus Hirzenhain mit Udo Lindenbergs „Wozu sind Kriege da“ und dem Antikriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“ gestalten. Am 15. Februar werden drei junge eritreeische Männer, die derzeit in Ortenberg eine Heimat gefunden haben, die Musik ihrer Heimat vorstellen. Dafür haben sie aus Sperrholzresten und Fahrradkabeln ein Instrument gebaut, das ausschaut wie eine Mischung aus antiker Lyra, Gitarre und Harfe und faszinierende Töne erzeugt. (red)

 

 

nach oben

zurück

KirchenvereinePfarrerKinderGemeindehausKirchePfarrbüro