Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Berichte im Kreisanzeiger vom 25.01.2014

 

 

 

GEDANKEN ZUM SONNTAG

 

Menschlichkeit und Nächstenliebe

Von Kurt Johann

Da hat Petrus, der wohl bekannteste Jünger Jesu, mal wieder was dazulernen dürfen. Zunächst hatte er eine etwas unappetitliche Vision von für ihn als Juden sehr unappetitlichen Essen, also so ein Stück Bibel-Dschungelcamp für Apostel, und Gott befahl ihm, das zu essen. Petrus aber hatte seit Kindesbeinen gelernt, dass man das nicht dürfe. Er ekelte sich und wollte es nicht essen. Dann begegnete er einem Menschen, dem er eigentlich als Jude nicht begegnen dufte, der hieß Kornelius und war eben kein Jude und dazu noch ein Römer. Aber Petrus lässt sich auf ihn ein und lernt: "Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen für rein oder unrein halten darf und dass Gott die Person nicht ansieht." Offensichtlich braucht Veränderung Visionen und Petrus verstand. Gott kennt keine Grenzen, er offenbart sich in jedem Menschen.

Derzeit wird viel über die Flüchtlinge geredet, die in Deutschland Zuflucht suchen. Etwa 800 Flüchtlinge werden wir in unseren Wetterauer Kommunen aufnehmen. Ich erlebe derzeit viel Interesse und Sympathie für sie, ich höre natürlich auch dort hin, wo Ängste sind, und auch dort hin, wo sie geschürt werden. Eine Willkommenskultur wäre so eine Vision, die in den letzten Wochen immer wieder ins Gespräch kam. Vielleicht können sich auch Menschen verändern, die sich fragen, was die hier wollen, oder auch jene, die mit ihren Sprüchen noch in der Stammtischhoheit sind. Man kann mit den Flüchtlingen reden, auf sie zugehen, von ihrem Schicksal erfahren. Wenn man sich kennt, sich aufeinander einlässt, bleibt man sich nicht fremd, man lernt sich kennen, kennt sich mit Namen.

Und kann vielleicht wie Petrus sagen: Gott hat mir gezeigt, dass ich niemanden verachten oder ihm gleichgültig gegenüberstehen soll, und dass Gott die Person nicht ansieht. Viele Menschen wissen das und leben das. Herzlichen Dank Ihnen, den Mitarbeitern in den Kommunen, bei den Tafeln, in den Kleiderkammern und Unterkünften, in Kirchen und Vereinen, dass sie versuchen, Menschlichkeit und Nächstenliebe zu leben.

Kurt Johann ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Gedern.

 

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