Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Kreisanzeiger vom 18.08.2012

 

 

 

Wenn Unrecht zu Recht wird .....

  

Von Kurt Johann

 

Marvin Wilson wurde 54 Jahre alt. Ihm wurde vorgeworfen, dass er mit Drogen gehandelt und einen Polizeispitzel getötet habe. Wahrlich kein geringes Verbrechen, das seine Strafe verdient, auch 1 wenn der einzige Zeuge der Mittäter Wilsons war. 1992 wurde Wilson, der stets seine Unschuld beteuerte, zum Tod verurteilt, sein Mittäter für seine Zeugenaussage mit lebenslanger Haft "belohnt".

 

In der vergangenen Woche wurde Wilson, der in der Schule für Lernschwache g nicht mitkam und von vielen als geistig behindert eingestuft wurde, mit einer Giftspritze in Huntsville/Texas hingerichtet. Jedes nur erdenkliche Gnadengesuch wurde abgelehnt. Gerade Freikirchen in den USA sind für die Todesstrafe, während die römisch-katholische Kirchen und die Protestantische Kirche in den USA, etwa die United Church of Christ (UCC) die Todesstrafe verurteilen. Christinnen und Christen glauben an Jesus Christus, der nach einem ungerechten Verfahren zum Tode verurteilt wurde. Seine Hinrichtung fand in Golgatha vor den Toren Jerusalems statt. Schon alleine deswegen ist es unbegreiflich, dass rechtskonservative Freikirchen sich nicht gegen dies Unrecht wiedersetzen, und dass man immer wieder auch hier zu Lande hört, "dem gehöre die Rübe ab." Ganz klar: Opferschutz hat Vorrang und darf nicht Täterschutz werden, aber eben Strafverfolgung auch nicht zur menschenunwürdigen Barbarei.

 

In Texas wurden seit Wiedereinführung der Todesstrafe etwa 500 Menschen hingerichtet, allein in diesem Jahr starben 25 Menschen dort durch eine Giftspritze.

 

Mit der in USA so verbreiteten christlichen Gesinnung der Bevölkerung ist das nicht zu vereinbaren.

 

Christen stehen ein für eine Kultur des Lebens. Wir haben nicht das Recht andere Menschen zu töten, sonst werden wir Teil einer Kultur des Todes. Den hingerichteten Jesus auf Golgatha vor Augen protestiere ich mit vielen Menschen und Institutionen der freien Welt gegen die Barbarei der Todesstrafe und gegen den vom Obersten Gerichtshof in Amerika Recht gesprochenen Mord an Wilson.

 

So wird das himmelschreiende Unrecht des Mordes an einem anderen Menschen, zum Recht des Staates. Und wo Unrecht zu Recht wird, ist immer zu verurteilen, wo auch immer es geschieht.

 

Kurt Johann ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde in Gedern.

 

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