Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Kreisanzeiger vom 07.01.2012

 

 

 

Wohin der Lebensweg uns führt

 

Von Kurt Johann

 

 

Ziemlich gehetzt kam der Gast aus Frankfurt an. Sein Navigationsgerät hatte ihn von Frankfurt über das Gambacher Kreuz nach Gedern geschickt. Warum auch immer. Als ich ihm sagte, das sei ein ziemlicher Umweg gewesen und über die Landstraße viel weniger Kilometer, sagte er den Satz, der meine Seelsorgerohren zum Klingeln brachte: " Auf nichts kann man sich mehr verlassen, nicht einmal auf sein Navi, aber wenn man den Weg nicht weiß, dann muss man sich halt drauf verlassen!"

Wohin wird uns unser Leben weg im neuen Jahr führen? Auf jeden Fall stellt sich die Frage, auf wen wir uns im neuen Jahr verlassen wollen, auf den unbekannten Straßen unseres Lebens, unterwegs zu Zielen, die wir jetzt noch nicht einmal kennen.

 

Das Navigationsgerät für uns Christinnen und Christen ist die Bibel, Gottes Wort. Und da findet sich al Routenvorschlag für das kommende Jahr der Satz "Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." Das heißt wahrscheinlich für das kommende Jahr: Wer ans Ziel kommen will, der muss ein wenig Ballast abgeben. Ballast, den jeder und jede von uns rumschleppt, solche Routenvorschläge für den Lebensweg, die wir seit Jugendtagen verinnerlichen. Beispiele gefällig? "Du musst immer stark sein!" "Du musst tough sein, wenn du erfolgreich sein willst." "Du musst dich durchsetzen können, damit du in der Firma geachtet bist. In dem Job darf man keine Schwäche zeigen, sonst ist man weg."

 

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig, sagt Jeus. Und ich höre da so was raus wie: "Du darfst sensibel sein und liebevoll. Gott braucht keine starken Männer, sondern Menschen, die aus ihren Fehlern lernen, die sich Zeit nehmen, Trauer und Leid durchleiden, anstatt sie im Beruf zu "verarbeiten". Manchem macht das Angst, nicht immer stark zu sein, oder nicht immer stark sein zu können. Aber, wir sind gar nicht allein und hilflos bei unserer Reise durchs Leben. Gott ist mit uns und er führt uns auf seinem Weg. Und er spricht uns dabei zu: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Lass dir an meiner Gnade genügen, du musst nicht perfekt und fehlerfrei sein wollen.

 

Und ich darf ihnen aus Erfahrung sagen: Gott schickt sie auch nicht auf kürzestem Weg zum Ziel. Manchmal rät er uns gar umzukehren oder wenigstens mal die Richtung zu wechseln. Irgendwie findet Gott den einfachsten und bequemsten Weg selten gut und das erinnert mich dann wieder an das Navi meines Freundes aus Frankfurt.

 

Hauptsache ist ohnehin. dass man gut und heil ankommt.

 

Ein gesegnetes neues Jahr Ihnen allen. Mögen wir Gottes Kraft gerade dann spüren, wenn wir sie am nötigsten brauchen ...

 

Kurt Johann ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Gedern

 

 

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