Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Kreisanzeiger vom 12.11.2011

 

 

 

Gedanken zum Volkstrauertag

 

Von Kurt Johann

 

Auf dem Friedhof, aber auch vor der ehemaligen Synagoge, sind in Gedern Gedenktafeln angebracht. Sie erinnern an Menschen aus dem Dorf oder der Stadt, die Opfer der Weltkriege wurden.

 

Ich lese die Namen und bin immer wieder erschrocken wie viele Menschen deutsche Soldaten und jüdische Mitbürger, ihre Leben lassen mussten. Betroffen lese ich auch, wie jung viele von ihnen waren.

 

Auch in meiner Familie gibt es den Onkel, der nicht mehr aus dem Krieg nach Hause kam. Ein Held wollte auch er ganz bestimmt nicht werden. Er hatte Zukunftspläne, wollte Bäcker werden, wie sein Vater. Er kam nie zurück, dass auch sein Name unter den vielen Namen der Opfer nicht vergessen wird, ist ein schwacher Trost, aber immerhin einer.

 

Warum Gott das alle zuließ? Wir wollen nicht vergessen, dass es Kriege waren, die von Menschen, gegen Menschen geführt wurden. Es war auch nicht allein Hitler, der Krieg gemacht hat, Sympathien und Verehrung für ihn gab es schon früh bei uns und in den Vogelsberggemeinden.

 

Vielen jungen Menschen sagt der Volkstrauertag nicht mehr viel und kaum einer von ihnen empfindet noch Trauer. Die Zahl derer, die das Gedenken am Volkstrauertag pflegen, beschränkt sich meist auf offizielle Vertreter aus Kommune, Kirche und Vereinen.

 

Die Schrecken der Kriege in Europa sind lange her und das ist gut so. Vielleicht ist es auch zu idealistisch gedacht, von einem ganzen Volk ein trauerndes Gedenken zu erwarten. Wer jedoch mit offenen Sinnen durch die Welt geht, wird genug Gelegenheiten finden, erschrocken und betroffen, das Gedenken mit der Mahnung zum Frieden zu verbinden.

 

Dier Krieg ist in Computerspielen, die besonders grausames oder hinterhältiges Töten mit Prämien belohnen. Und ich sehe auch mit Sorge, wie im politischen Handeln der Staaten die Anwendung von Gewalt und Krieg, nicht mehr nur letzte, ultima ratio ist, sondern Teil einer Strategie ist, den Zugang zu knapper werdenden Ressourcen sicherzustellen.

 

Bitte vergessen Sie auch nicht, dass deutsche Soldaten in Afghanistan im Krieg sind. Die Haarspalterei, ob es ein Krieg ist, oder ob es kriegsähnliche Handlungen sind, sollten wir uns dabei sparen. Denn viele Menschen, auch deutsche Soldaten sterben in diesem Krieg.

 

Es ist gut, dass auch die Kirche sich an diesem Gedanken auf den Friedhöfen und an den Gedenktafeln beteiligt. Es ist gut an diesem Tag, Gott für den Frieden zu danken und ihn um Frieden zu bitten, für uns und die Welt.

 

Und es ist gut nach Gottes Wort dabei zu handeln: „ist es euch möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ (Römer 12,18)

 

Kurt Johann ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Gedern.

 

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