Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Kreisanzeiger vom 21.04.2011

 

 

 

Gedanken zum Karfreitag

  

 

Warum hast du mich verlassen?

 

Von Kurt Johann

 

Die Frau sitzt vor mir. Die Augen verweint. Alle Hoffnungen enttäuscht. Der Mann hat sie verlassen. Die Kinder sind noch klein. „Ich weiß nicht, wie es weitergeht", sagt sie

 

Der Mann liegt in seinem Krankenbett. 53 Jahre. Krebs. Er wird sterben. Er weiß es, schüttelt den Kopf. „Das ist alles so hoffnungslos" und „ Wenn es Gott gibt, dann hat er mich verlassen."

 

Zwei Menschen mit ihren Karfreitagserlebnissen. Menschen, die nicht mehr wissen wie es weitergeht, die sich verlassen fühlen. Wo ist Trost, was kann man sagen?

 

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?", dieses Gebet Jesu in seiner Sterbestunde gehört für mich zu den wertvollsten Sätzen der Bibel. Gott ist wirklich Mensch geworden, Mensch in der ganzen Fülle menschlichen Lebens. Gott ist nicht wie im Theater mal in die Rolle des Jesus geschlüpft, sondern Jesus war Mensch wie du und ich. Er hat gelitten und er hat die Erfahrungen so vieler Menschen auch durchleiden müssen, diese Erfahrung von Gott verlassen, ohne Hoffnung, ja vielleicht sogar ohne Sinn zu sein.

 

Mir hilft es, von Gott zu wissen, daran zu glauben, dass er nicht abseits des Leids so vieler Menschen steht, dass er weiß und es durchlitten hat, was so viele Menschen durchleiden müssen, Tag für Tag. Wir werden das Leid so vieler Menschen nicht erklären können, wissen aber, dass dieses Leid zu unserem Menschsein gehört. Leben ist ohne den Tod nicht möglich.

 

Christlicher Glaube verschweigt diese Not und dieses Leid nicht, er sieht aber darin nicht das Letzte und ermutigt dazu, Hoffnung zu bewahren, auch wenn es scheinbar nicht mehr weitergeht.

 

Jesus am Kreuz. Das ist ganz offensichtlich das Ende. „Mein Gott, warum hast du mich verlassen", in diesem Satz hat Jesus selbst alle Hoffnungslosigkeit durchlebt.

 

Unser Glaube ist es, dass sein Tod aber nicht das Ende war. Und dass unser Tod nicht das Ende für uns ist.

 

Als alle nur das Ende sahen, nicht mehr wussten wie es weitergehen soll, die Jünger waren in Angst davongerannt oder versteckten sich davor so zu enden wie Jesus, da geschah das Unglaubliche, an das wir glauben.

 

Jesus ist auferstanden. Das nahm seinem Tod und seinem Sterben nicht die Schwere und nicht das Leid. Aber es darf uns ermutigen in unserem Leid, wenn wir nicht mehr wissen wie es weitergeht, die Hoffnung nicht zu verlieren. Unsere Trauer darf auch Hoffnung haben.

 

Darum kommen Menschen am Karfreitag zum Gottesdienst zusammen.

 

In jeder Liebe ist auch Hoffnung. Deswegen hoffen wir auch für all jene die gestorben sind und deren Erinnerung und Liebe wir in unseren Herzen bewahren.

 

Lasst uns gegenseitig zur Hoffnung ermutigen, gerade dann, wenn wir uns verlassen fühlen von den Menschen und von Gott, gerade dann wenn wir nicht mehr wissen wie es weitergeht.

 

Wir dürfen Hoffnung haben auch in schweren und leidvollen Zeiten.



Kurt Johann ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Gedern

 

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