Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Kreisanzeiger vom 10.04.2010

 

 

 

Gedanken zum Sonntag

 

 

"Mein Herr und mein Gott"

 

Von Pfarrer Kurt Johann

 

Es ist schon eine erstaunliche Sache, dass wir Menschen uns vom Anderen das am Besten merken können, was ihm misslungen ist, wo er einen Fehler gemacht hat. Wir können ja alle so unherrlich nachtragend sein. Das was unser Mitmensch vielleicht auch gut gemacht hat, wo er etwas richtig Tolles geleistet hat, das ist uns oft nicht so tief in unserer Erinnerung verankert.

 

Auch die Evangelisten der Bibel berichten über die Jünger Jesu nicht gerade so, als ob sie Glaubenshelden gewesen seien, obwohl man das doch erwarten könnte, sondern sehr oft davon, was bei den Jüngern so richtig schief lief.

 

Wir erfahren, dass sie wie kleine Kinder einmal darum stritten, wer zur Rechten und zur Linken Jesu im Himmelreich sitzen dürfe. Hören von Petrus, wie sein Kleinglaube ihn im Meer versinken ließ, oder auch davon, dass die Jünger im Sturm auf dem See Genezareth es tüchtig mit der Angst zu tun bekamen, obwohl Jesus doch bei ihnen war. Im Garten Gethsemane, am Vorabend des Todes Jesu, waren sie schlichtweg eingepennt, obwohl Jesus sie doch eindringlich gebeten hatte: Bleibt hier und wachet!

 

Und so geht das weiter. Judas verrät ihn für 30 Silberlinge, Petrus leugnet ihn je gekannt zu haben und schließlich, als es richtig ernst wurde und Jesus am Kreuz starb, da waren sie weggelaufen und hatten sich versteckt.

 

Und dann noch Thomas. Den kennen wir. Den nennen wir den ungläubigen Thomas, weil er den anderen Jüngern nicht geglaubt hatte, dass Jesu auferstanden sei. "Das glaube ich erst, wenn ich ihn sehe und wenn ich meine Hände in seine Wunden legen kann", sagte er und gilt seitdem als ungläubig in unseren Erinnerungen.

 

Die Jünger scheinen auch nicht anders gewesen zu sein als wir, wenn ich das mal so salopp sagen darf.

 

Wie oft verleugnen wir Jesus, wenn es darum geht, unseren Glauben am Stammtisch oder im Sportverein zu bezeugen, wenn sie alle wieder mal über die Welt und auch über Gott herziehen?

 

Wie oft sind wir gleichgültig und verpennen regelrecht, dass wir als Christinnen und Christen wachsam sein sollten gegenüber dem, was in der Welt und uns herum geschieht, wie oft sind wir gleichgläubig und angstvoll.

 

Und das mit dem Thomas, das haben wir uns auch gut gemerkt. Das mit dem ungläubigen Thomas.

 

Vielleicht weil wir so ähnlich sind. Weil wir das gerne mal genauer wissen wollen mit Jesus, weil wir gerne für uns und erst recht für andere mal einen Beweis haben möchten, dass Jesus lebt.

 

Was wir uns nicht gemerkt haben ist, dass die Geschichte mit Thomas und Jesus weitergeht. Und es ist nun gar nicht mehr davon die Rede, dass er wirklich die Wunden Jesu betastet habe. Davon ist im Fortlauf der Geschichte keine Rede.

Thomas erkennt Jesus, als er ihm begegnet und Jesus zu ihm sagt: "Friede sei mit dir". Und dann sagt Thomas einen Satz, von dem die meisten gar nicht wissen, dass dieser ungläubige Thomas ihn gesagt hat: "Mein Herr und mein Gott". Eines der ersten wirklichen Bekenntnisse der Christenheit. Es braucht offensichtlich immer wieder die Begegnung mit Jesus, um an ihn zu glauben.

 

Das ist auf vielfache Weise möglich. Im Gebet zu ihm, wenn wir die Bibel lesen, wenn wir mit Menschen sprechen, die an ihn glauben und dies auch bekennen, im Gottesdienst oder im Vorbild eines Menschen, der seinen Glauben lebt.

 

Und diese Begegnungen mit Jesus wünsche ich ihnen, denn ich bin fest davon überzeugt, dass Gott jedem Menschen in seinem Leben begegnet und uns seinen Frieden geben möchte.

 

Mögen wir dann mit dem gläubigen Thomas sprechen können: "Mein Herr und mein Gott".

 

Und ich wünsche uns allen, dass wir mal mehr danach schauen, was unser Nachbar, unser Mitmensch, unser Nächster, unser Kind, unser Partner, alles schon an Gutem getan hat und tut, und dass wir ihn nicht nur nach dem beurteilen, was er falsch getan, oder womit er uns verärgert hat. Man nennt das Barmherzigkeit und die macht das Leben leichter.

 

Kurt Johann ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Gedern

 

 

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