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Kreisanzeiger vom 3.08.2009

 

  

Bündnis für Demokratie stoppt NPD-Demonstration in Nidda

 

1000 Gegendemonstranten zeigen Flagge gegen Rechts - "Abgrenzung führt zu Hass"

 

NIDDA (ten). Der Versuch der NPD, am Samstag in Nidda zu demonstrieren, ist gescheitert. Die rechtsextremen Demonstranten aus dem Bundesgebiet gelangten vom Bahnhof nicht einmal bis zur ersten Straßenecke, bevor sie von einer Polizeisperre gestoppt wurden.

 

Damit verhinderte die Polizei eine Konfrontation mit den 1000 Gegendemonstranten, die sich um den Bahnhof versammelt hatten, um die NPD-Demonstration zu stoppen. Das Niddaer Bündnis für Demokratie hatte aufgerufen, den Rechtsextremen entgegenzutreten. Nach Schätzung von Bürgermeisterin Lucia Puttrich waren zunächst mehr als 250 Bürger dem Aufruf gefolgt, unter ihnen auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Nina Hauer sowie die Landtagsabgeordneten Klaus Dietz (CDU) und Lisa Gnadl (SPD).

 

Etwa 1000 Gegendemonstranten stellten sich am Samstag
in Nidda der NPD-Anhängern entgegen.

 

 

Puttrich vermutete, dass die NPD ihre Demonstration bewusst in die Ferien gelegt hatte, um auf weniger Widerstand zu stoßen. Deshalb war sie mit der Zahl der anfänglichen Gegendemonstranten durchaus zufrieden. Die wuchs jedoch im Verlauf des Zugs durch Nidda durch weitere Bürger und Demonstranten aus Friedberg, die nach dem Ende der dortigen Kundgebungen nach Nidda gefahren waren, weiter an. Diese Verstärkung und die zwischenzeitlich eingetroffenen Nachrichten über das Scheitern der NPD-Demonstration in Friedberg ermutigten die Niddaer Gegendemonstranten.

 

Bei einer ersten Kundgebung auf dem Marktplatz betonte Dekan Manfred Patzelt, dass die Kirche nicht für die "Angst vor Überfremdung" und den "Geist der Intoleranz" stehe. In den Kirchen wehe nicht der Geist "der Abgrenzung, der zu Hass führt. Wohin solcher Hass führt, das können wir am Gedenkstein im Johanniterpark sehen", zog Patzelt die historische Parallele zur Judenverfolgung im Nationalsozialismus. "Ich möchte in einer Stadt leben, in der sich alle Menschen offen begegnen, sich gegenseitig respektieren und achten", erklärte Patzelt. "Wo unterschiedliche Nationalitäten, Berufe und Gruppen friedlich zusammenleben, da steht es gut um eine Stadt." Analog zum Greenpeace-Slogan "Vielfalt statt Einfalt" auf dem T-Shirt einer Teilnehmerin erklärte er: "In der Verschiedenheit von Menschen mit ihren verschiedenen Ideen, Ansichten, Überzeugungen und Werten liegt ein ganz großer Reichtum. Das ist ein ganz großer Schatz, eine große Fülle und Möglichkeit, die Gott uns schenkt."

 

Anschließend zog die Gruppe zur Bahnhofstraße, der NPD-Demonstration entgegen. Dort empfingen sie zwei Verpflegungsstände der Ahmadiyya-Gemeinde, aber auch eine massive Polizeisperre. Matthias Weidmann vom Gymnasium Nidda freute sich, dass trotz der Ferien einige Schüler zur Demonstration gekommen waren. Als Lehrer habe er die Verantwortung, demokratische Überzeugungen und Zivilcourage weiterzugeben. "Von Nidda geht ein Zeichen aus", betonte er. Anschließend erklärte Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Potinius die Veranstaltung für beendet, womit die Stadt die organisatorische Verantwortung abgab. "Was Sie machen, ist Ihre Sache", ergänzte Potinius.

 

Mit eindeutigen Gesten zeigten diese Demonstranten, was sie von der NPD halten

 

 

Die Teilnehmer entschlossen sich, der NPD den Weg in die Stadt zu versperren. Inzwischen hatten sich einige Demonstranten aus der autonomen Szene auf der Kreuzung Wilhelmstraße/Ludwigstraße versammelt, wo sie von der Polizei am Weitergehen gehindert wurden. Dieses relativ kleine Häuflein wurde jedoch bald von Teilnehmern der Gegendemonstration des Bündnisses für Demokratie verstärkt. Angesichts dessen verzichtete die Polizei auf eine Räumung. Längere Zeit harrten die Gegendemonstranten an der Polizeisperre aus, bevor vom Bahnhof die erlösenden Nachricht kam: Um kurz vor 17 Uhr verzichtete die NPD auf die geplante Demonstration und beschloss, mit dem nächsten Zug abzufahren. Allerdings stieg sie gleich in Ranstadt wieder aus (siehe nebenstehenden Bericht).

 

Puttrich zeigte sich mit dem Verlauf des Nachmittags zufrieden, da es keine Zwischenfälle oder Gewalt gab. Ausdrücklich dankte sie dem Leiter der Büdinger Polizeistation, Gerhard Keller, für die Arbeit seiner Beamten. Auch Anwal Tanveer, Mitglied der Ahmadiyya-Gemeinde, freute sich, dass es auf beiden Seiten keine Gewalt oder gar Verletzte gab. Das schwere Räumgerät und der Wasserwerfer, den die Polizei vorbeugend nach Nidda gebracht hatte, mussten nicht eingesetzt werden.

 

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