Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Kreisanzeiger vom 16.05.2009

 

  

"Krönungsmesse" in all ihrer Ausdrucksfülle

 

 

Oratorienabende in Gedern und Schotten waren etwas ganz Besonderes –

50-köpfiger Projektchor begeisterte

 

 

GEDERN/SCHOTTEN (em). Anspruchsvolle Kirchenmusik wird im evangelischen Dekanat Schotten seit vielen Jahren geboten, aber die beiden Oratorienabende in Gederns und Schottens Kirche waren etwas ganz Besonderes. Auf dem Programm standen Mozarts Messe in C-Dur, als "Krönungsmesse" bekannt, seine "Linzer Sinfonie" sowie Mendelssohn-Bartholdys Vertonung des 42. Psalms. Ausführende waren die Solisten Hyun-Mi Park (Sopran), Michaela Wehrum (Alt), Jochen Elbert (Tenor) und Marcus Licher (Bass) sowie die Dekanatskantorei Schotten, durch zusätzliche Engagierte zum einem 50-köpfigen Projektchor erweitert. Es spielte die Kammerphilharmonie Bad Nauheim, die Gesamtleitung hatte Dekanatskirchenmusiker Kiwon Lee.

 

"Ich begrüße Sie zu wunderbarer Musik hier in unserer Kirche" - der Gederner Pfarrer Kurt Johann versprach nicht zu viel. Auch die noch zahlreicheren Schottener Besucher waren überwältigt vom musikalischen Reichtum des Konzertes, der Gegenüberstellung von klassischer und romantischer Tonsprache.


Die Krönungsmesse, wohl das bekannteste von Mozarts sakralen Werken, stand am Anfang. Festliche Gestaltungsfreude prägt das Werk. Die Orchestrierung ist ein eigenständiges Element der Krönungsmesse, doch die Musik gleitet nie in opulente Klangschwelgerei ab, sondern gestaltet die liturgische Botschaft aus. Lee hatte in der Bad Nauheimer Kammerphilharmonie Interpreten auf hohem Niveau gefunden.

 

 

Dankbar nahmen die Musiker um Kiwon Lee den Applaus des Publikums entgegen. Bild: Maresch

 

 


Machtvoll begann mit Chor und Instrumenten das Kyrie, wurde mit der duettartigen Begegnung von Sopran und Tenor in reichen Verzierungen weiter geführt. Das Gotteslob des Gloria in schönen Chorsequenzen wurde zunächst von den Streichern, dann vom Gesamtorchester untermalt. Flehend trugen erst die beiden Sängerinnen, dann alle vier Solisten die Bitte um das Erbarmen des Gotteslammes vor. Forte-Passagen des Chores wechselten mit zarten Soli beim "Quoniam tu solus sanctus". Bewundern muss man, wie der Projektchor nicht nur die gesangstechnischen Anforderungen meisterte, sondern auch die Ausdrucksfülle des Mozartschen Werkes wiedergab. Auch mit den Solisten hatte Lee eine gute Besetzung gefunden. Mit kräftigen Chorpassagen als Ausdruck der Glaubensstärke begann das rondoartige Credo, um etwa beim Bekenntnis zur Menschwerdung Christi "...et incarnatus est" durch eine getragene, geheimnisvolle Stimmführung der vier Solisten abgelöst zu werden. In abgesetztem Staccato, fast rhythmisch deklamierend, schilderte der Chor Kreuzigung und Auferstehung Christi. Dem zarten, innigen Benedictus, von den Solisten gesungen und hauptsächlich von den Streichern und Bläsern ausgestaltet, folgte ein ebenfalls rondoartiges Sanctus. Beim Agnus Dei mit seinen nuancierten Klangfarben trug Hyun-Mi Park ein eindringliches, rhythmisches Sopransolo vor. Das Werk schloss mit einem machtvollen Dona nobis von Chor und Instrumentalensemble.


Als Werk der Nuancen zeigte sich auch Mozarts "Linzer Sinfonie in C-Dur": harmonisch und ein anmutig, aber auch tief und komplex. "Vom Dunklen ins Helle" könnte man den instrumentalen Anfang, aber auch die Grundlinie von Felix Mendelssohn-Bartholdys Vertonung des 42. Psalms "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser" charakterisieren. Große Textabschnitte, die gerade die Trauer, die Verlassenheit des Psalmisten ausdrücken, hat die Sopranstimme vorzutragen. Hyun-Mi Park genügte nicht nur vom Umfang und von der Gesangstechnik her den großen Anforderungen, sondern stellte ausdrucksvoll das Ringen der Seele um Glaubensgewissheit, die Klage "Herr, hast du meiner vergessen?" dar.


In einer eindrucksvollen Gegenüberstellung trugen vor allem die Männerstimmen des Chores die Hoffnung auf die göttliche Verheißung vor, mit dem zarten vollen Klang der Streicher ausgestaltet. Die Aufforderung "Harre auf Gott" erklang durch die Sängerinnen und Sänger und Instrumentalensemble in hell aufscheinenden, gewissermaßen ermutigenden Akkorden, von instrumentalen Staccati unterstrichen. Mit kräftigen Tutti war im Sinne einer Doxologie das Gotteslob "von Ewigkeit zu Ewigkeit" dem Psalmtext angefügt. Es spricht für diese Aufführung, dass am Schluss das Publikum aufsprang und lange stehend applaudierte.

 

 

 

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