Evangelische Kirchengemeinde Gedern
Kirche > Berichte im Kreisanzeiger vom 28.02.2009

Kreisanzeiger vom 28.02.2009

 

 

 

Gedanken zum Sonntag

 

 

Den Nächsten lieben wie sich selbst

 

Von Pfarrer Kurt Johann

 

 

Als der neue Kirchenpräsident Pfarrer Volker Jung vor rund zwei Wochen in sein neues Amt eingeführt wurde, sprach er davon, dass die Kirche, aber auch jeder einzelne von uns sich viel mehr damit beschäftigt, was nicht gelungen ist und wo es Probleme gibt, und viel zu wenig mit dem, was gelingt oder schon erstaunlich gut ist.


Als Beispiel führte er an, dass es gelungen ist, in den Gemeinden unserer Landeskirche sage und schreibe 18 000 Menschen zu finden, die in diesen Zeiten bereit sind, für das sicherlich nicht immer einfache Amt des Kirchenvorstehers, der Kirchenvorsteherin zu kandidieren.

Und recht hat er natürlich gehabt, unser neuer Kirchenpräsident, der auch lange Jahre in Lauterbach Pfarrer und Dekan gewesen ist.

Wenn man mit den Menschen spricht, dann hört man immer wieder das Klagen, dass alles nicht mehr so ist, wie es war, dass die Menschen immer egoistischer würden, dass jeder nur noch nach sich selbst schaue.

Und tatsächlich gibt es ja genug Menschen, die nur noch "ihr Ding" machen wollen, die sich alleine in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen, denen das eigene Hemd konsequent am nächsten ist, die nur den zweiten Teil des Doppelgebotes der Liebe. "Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!", ernst nehmen.

Aber es gibt auch viele Menschen, die haben längst verstanden, dass der selbstlose und ehrenamtliche Dienst für den Mitmenschen das Leben reicher und erfüllter machen kann und wie schnell man einsam werden kann, wenn sich alles nur noch um sich selbst dreht.

Gerade auch in den Kirchen, aber bei weitem nicht nur dort, versuchen Menschen das Doppelgebot der Liebe in ihr Leben zu integrieren. "Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst, denn ich bin der Herr!"

Auf Seite der Schwachen Mir fallen nicht nur die Kandidatinnen und Kandidaten für die Kirchenvorstandswahlen ein, sondern die Menschen des Hospizvereins in unserem Dekanat, die vielen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Kindergottesdienst, die Menschen in den Besuchsdiensten der Gemeinden und Krankenhäuser, und nicht zuletzt die Menschen, die zu Hause die Mutter, die Schwiegermutter, die Großeltern oder sogar den eigenen Partner pflegen.

Sie kennen sicherlich selbst viele Menschen, die andere pflegen, die sich auf die Seite der Schwachen und der Armen stellen, die versuchen unsere Welt liebevoller, gerechter und menschenwürdiger zu machen.

Nächstenliebe gehört zu den wichtigsten Säulen christlicher Lebensgestaltung, und sie geschieht jeden Tag durch ungezählt viele Menschen.

Stellvertretend für viele danke ich ihnen von ganzem Herzen. Ich denke, wir sollten, bevor wir über alles und jedes und über die Finanzkrise sowieso jammern und klagen, auch mal den Blick dafür gewinnen, was gelingt, was einfach wunderbar ist und wohltuend gut.

Als Kirchen sind wir die Träger einer Kultur der Nächstenliebe und der Solidarität mit den Ärmsten und Schwächsten.

Mission im 21. Jahrhundert heißt für mich nicht mehr, den Andersgläubigen "bekehren" zu wollen.

Mission heute heißt auch eher, mitzuhelfen und sich dazu gesandt wissen, dass die Nächstenliebe und das friedliche Miteinander zu einer gemeinsamen Aufgabe der Religionen und der Menschheit werden.

Und wir sind schon mehr, als wir manchmal selbst meinen.

Kurt Johann ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde in Gedern

 

 

 


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