Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Kreisanzeiger vom 10.01.2009

 

 

 

Gedanken zum Sonntag.

Gottes Kinder?

 

Von Pfarrer Kurt Johann

 

(Bericht im Kreisanzeiger vom 10.01.2009)

 

 

Wer in diesen Tagen den Krieg erlebt, der zwischen Hamas und Israel im Gazastreifen tobt, der ist zutiefst erschüttert über die gnadenlose Bereitschaft zur Gewalt auf beiden Seiten, aber auch über die Verlogenheit mit der Kriege angefangen oder begründet werden.
Wer hier im Abendland zu Solidarität mit dem Palästinensischen Volk aufruft, der kann nicht die durch den Iran finanzierte und gesteuerte Hamas meinen und erst echt nicht, das vom Westen als Frontmacht im Nahen Osten unterstützte Israel.
Der Iran ist schiitisch und die ebenfalls vom Iran finanzierte schiitische Hizbollah im Libanon kümmert sich in Wirklichkeit einen Dreck um die sunnitischen Palästinenser in den Flüchtlingslagern des Libanon. Hizbollah ist an der Regierung beteiligt und trotzdem dürfen Palästinenser dort weder arbeiten gehen noch die libanesische Staatsbürgerschaft annehmen.
Hizbollah und Hamas sind religiöse Parteien, Terrorarmeen, die keine Probleme damit haben Kinder zu Selbstmordattentätern auszubilden. Ihr einziges Ziel: Die Vorherrschaft des Iran in der arabischen Welt durch die Vernichtung Israels herbeizuführen.
Im Gazastreifen tobt ein Krieg zwischen islamistischen Fundamentalisten, die kein anderes Ziel haben als den jüdischen Staat auszurotten und Israel, das mehr und mehr unter dem Einfluss des ultraorthodoxen Judentums steht, das seine finanziellen Möglichkeiten im Wesentlichen aus Amerika erhält.
Vor etwa 2000 Jahren schrieb der Apostel Paulus der Gemeinde in Rom: "Die der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder."
Was mich am meisten betroffen macht, ist die Tatsache, dass gerade jene die ihren Gotteskindanspruch so vehement einfordern, also ultraorthodoxe Juden und islamistische Fundamentalisten, Grund und Ursache für eine beispiellose Geschichte des Hasses und der Gewalt geworden sind.
Wer ist Gottes Kind? Die der Geist Gottes treibt, schreibt Paulus und Jesus erklärt in den Seligpreisungen: "Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Im Gazastreifen, diesem kleinen Landstrich etwa so groß wie Sylt, geht es in Wirklichkeit nicht um Religion, um Judentum und Islam. Es geht um Macht und um eine religiös motivierte Ideologie, die nach Jahrzehnten der Konfrontation nur noch den Hass kennt.
Die Christen haben in der Moderne dazu ihre Geschichte in Nordirland und brauchen das nicht überheblich zu betrachten. Was aber fest stehen muss und nicht aufgebbar erscheint: Gottes Kinder erkennt man an dem Geist der Liebe, der sie treibt und an ihren unbedingten Willen Frieden zu stiften. Dies passiert im übrigen auch in Palästina. Etwa durch das Wirken des evangelischen Pfarrer Mitri Raheb in Bethlehem, durch das von allen Gruppierungen unterstütze Kinderkrankenhaus oder auch durch die Abrahamsherberge in Beit Jala und durch zahlreiche Initiativen in Palästina, die der Friedenserziehung dienen. Es gibt sie durchaus im Nahen Osten, Gottes Kinder, die den Frieden wollen und die getrieben sind vom Geist der Liebe. Und soll ich ihnen was sagen?
Gottes Kinder erkennt man nicht an ihrer Religionszugehörigkeit. Gottes Kinder erkennt man an Gottes Geist, der sie erfüllt und antreibt. Ich denke, Gottes Kinder sind in dieser Welt ganz einfach zu erkennen, aber es sind nicht immer die, die von sich behaupten, Gottes Kinder zu sein.

Kurt Johann ist Pfarrer der Kirchengemeinde Gedern und lebte im Jahr 2007 drei Monate im Libanon

 

 

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