Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Kreisanzeiger vom 13.12.2008

 

 

 

Gedanken zum Sonntag.

So kann das nicht weitergehen!

 

Von Pfarrer Kurt Johann

 

 

Im Mittelpunkt der Gottesdienste zum 3. Advent steht die Person und die Verkündigung Johannes des Täufers.
Johannes war ein ziemlich - na sagen wir - eigenbrötlerischer Mann, seltsam gekleidet in einen Mantel aus Kamelhaar. Er aß Heuschrecken mit Honig und das was ihm Mutter Natur in der Wüste zu essen gab, und vor allen Dingen: Er konnte ziemlich zornig werden.
"Otterngezücht", hat er die Vertreter der religiösen Macht in Jerusalem genannt und ihnen gesagt: "Ihr müsst umkehren. So geht das nicht weiter". Damit machte er sich freilich nicht nur Freunde.
Und als er sich mit König Herodes anlegte - ein mutiger Mann war er also auch - da war es ganz aus mit ihm. Es war ja auch nicht in Ordnung was der König gemacht hatte. War schon verheiratet und nahm dann noch die Gattin seines Stiefbruders Philippus zu Frau. Nicht die feine Art.
Herodes war aber ganz sicher jemand, der nie daran gedacht hätte, dass er einmal angeklagt werden würde, dass man ihm mal den Prozess machen könnte. Er war das Gesetz, und gleichzeitig dachte er nicht im Traum daran, sich an Gesetz, Sitte und Moral zu halten. Und geprasst hat er, was das Zeug hielt, während das Volk immer ärmer wurde. Kommt ihnen das bekannt vor?
Johannes hat dem König das aber dann auch in ziemlich direkten Worten gesagt: Du brichst das Recht, aber es wird einer kommen, der wird auch über dich Recht sprechen. Kehre um und tue Buße, denn das Himmelreich ist nahe!"
Adventszeit ist also nicht nur schöne Zeit mit Plätzchenbacken und Lichterketten in den Fenstern, mit besinnlichen Konzerten und ganz vielen vorgezogenen Weihnachtsfeiern.
Es ist auch eine Zeit, in der Gott uns durch Johannes sagt: Kehrt um! So kann das nicht weitergehen!
Und ganz ehrlich gesagt: Für mich ist dieser Ruf zur Umkehr, eine der wichtigsten Botschaften der Adventszeit dieses Jahres. So kann das einfach nicht weitergehen. Und da kann ich mittlerweile so zornig werden wie Johannes.
Während Millionen Menschen verhungern, die vergeblich auf die Hilfe der reichen Industrienationen warten, haben diese Staaten im Moment Milliarden und Abermilliarden zur Verfügung, um sie in Banken und Konzerne zu stecken, die jahrelang abgesahnt haben, was das Zeug hielt und die sich einen Teufel um Investitionen zur Schaffung oder zum Erhalt der Arbeitsplätze scherten.
Ist das denn richtig? Sind wir wirklich auf einem auch nur halbwegs richtigen Weg?
Steuerflucht von Zumwinkel und Konsorten, Managergehälter, die schlicht unverschämt waren, Korruption durch "Lustreisen" bei Siemens, bei der Bahn fahren die Züge nicht mehr, während die Bezüge in den oberen Etagen steigen, Energiequellen, Öl und Gas, Grundsäulen einer funktionierenden Wirtschaft, und grundlegend für das Überleben vieler Millionen Menschen in den ärmsten Ländern, sind in der Hand von Zockern an den Börsen.
Ist das denn wirklich nicht richtig?
Es waren falsche Propheten, all die Börsengurus und Wirtschaftskapitäne, die uns immer wieder telegen erzählen wollten, sie wüssten wie die Wirtschaft funktioniert und wie wir alle glücklicher und erfolgreicher leben könnten.
Es waren die falschen Propheten in den Tempeln der Finanzwelt. Und nun ist dieser Turmbau zu Babel, dieses "immer mehr" und "immer höher" zusammengebrochen wie ein Kartenhaus.
Es waren falsche Propheten, darum sollten nicht nur sie, sondern die meisten von uns vielleicht zur Abwechslung einmal auf einen Propheten hören, von dem Jesus sagte, er sei sogar mehr als ein Prophet gewesen, Johannes, den sie den Täufer nannten: "Kehrt um. Tut Buße. So kann das nicht weitergehen."
Ich denke, das ist die Botschaft der Adventszeit 2008. Es ist Zeit umzukehren. Es ist Zeit, nicht nur nach wirtschaftlichem Erfolg, sondern auch nach spirituellen Werten zu streben.
Es ist Zeit, die Gier abzulegen und Verantwortung für den Mitmenschen und das Gemeinwohl zu übernehmen. Es ist Zeit die Schöpfung nicht mehr auszubeuten, sondern zu lernen mit ihr zu leben und ihr zu dienen. Es ist Zeit nicht mehr all den Singsang von "Wirtschaftlichkeit" , "Dividenden", "Dax", "Dow Jones" und "Gewinnmaximierung" mitzusingen, sondern all dem den Gesang der Engel entgegenzusetzen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen!
Es ist Zeit, sich Gott zuzuwenden, der Mensch wurde, weil er die Menschen liebt. Bis auf den heutigen Tag, damit die Liebe unseren Umgang miteinander bestimmt und nicht die Gier.

Kurt Johann ist Pfarrer der evangelischen
Kirchengemeinde in Gedern

 

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