Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Kreisanzeiger vom 11.11.2008

 

 

 

Es muss doch möglich sein, miteinander zu reden"

 

Auftaktveranstaltung einer Reihe, in der interreligiöser Dialog mit Mittelpunkt steht - Wie sprechen Gläubige mit ihren Kindern über Gott?

 

 

GEDERN (jhk). "Es muss doch möglich sein, nicht nur miteinander zu leben, sondern auch miteinander zu reden." Das betonte Pfarrer Kurt Johann während der Auftaktveranstaltung der Reihe "Miteinander leben - miteinander reden". Dazu trafen sich Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde, der kirchlichen Arbeitsgemeinschaft (AG) der Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten sowie katholische Christen der Region mit Mitgliedern der türkisch-islamischen Gemeinschaft in Büdingen und der alevitischen Gemeinde in Düdelsheim im Gemeindehaus.

 

 

 

Der Abend, in dessen Mittelpunkt die Frage stand, wie Gläubige in verschiedenen Religionsgemeinschaften mit ihren Kindern über Gott reden, begann mit einer islamischen Choralrezitation und einem Psalm aus der Bibel und dem Gederner Posaunenchor, der "Herr deine Liebe" spielte. Gemeinsam mit Dr. Karin Lehmeyer, Ökumenebeauftrage der AG, leitete Pfarrer Johann die Diskussion und führte durch das Programm. Bei den Gesprächen, die als gegenseitige Interviews von jeweils zwei Vertretern der Religionen angelegt waren, ging es um Fragen, die jedem begegnen können: Warum religiöse Erziehung? Welche Rechte und Pflichten haben die Kinder in den Religionsgemeinschaften? Wie steht es mit dem Beten?


Zum Thema "Erziehung bei Christen und Muslimen - Was für einen Stellenwert hat die Familie in der Religion?" diskutierte Kariye Sahin-Ayyildiz vom sunnitischen Kultur- und Bildungszentrum Büdingen mit Katja Lerch vom Kindergarten Gedern und der Dekanatsseelsorge Kariye Sahin-Ayyildiz betonte: "Im Islam ist Allahs Gesetz das Wichtigste. Der Islam ist die Religion, die zum Frieden führt. Mein Ziel ist es, mein Kind zum Frieden zu erziehen. Im Islam beginnt Erziehung bereits mit der Eheschließung. Später wird den Kindern dann der Glaube vorgelebt." Katja Lerch stellte fest: "Letztendlich sind die Punkte im evangelischen Christentum sehr ähnlich. Wir versuchen, für die Kinder da zu sein, in guten wie auch in schlechten Zeiten." Sie erläuterte, dass ein Kind unabhängig vom Alter getauft werden kann und dabei Taufpaten erhält, die das Kind in seiner Entwicklung unterstützen und den christlichen Glauben vorleben sollen. Die religiöse Erziehung erfolgt durch Eltern, Kindergottesdienst, Religionsunterricht in der Schule und nicht zuletzt den Konfirmandenunterricht.


Ähnlichkeiten konnte man auch bei der Mündigkeit feststellen. Im Islam ist man ab der Pubertät erwachsen, im Christentum mit der Konfirmation beziehungsweise Firmung.


Katja Lerch interessierte es, ob muslimische Kinder etwas über andere Religionen erfahren. Worauf Kariye Sahin-Ayyildiz betonte: "Der Koran besagt, dass man als Moslem verpflichtet ist, die Kinder über andere Religionen zu informieren. Der Islam ist die abschließende Religion, und im Islam finden sich Parallelen mit der Bibel. So ist Jesus zum Beispiel ein wichtiger Prophet und die Jungfrau Maria eine der wichtigsten Frauen."

In der zweiten Diskussionsrunde sprachen Maria Rieger von der katholischen St. Bonifatius Kirche in Büdingen und Nejdet Albayrak vom Alevitischen Kulturzentrum in Düdelsheim über weitere Fragen.


Nejdet Albayrak erläuterte, dass bei den Aleviten Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Die religiöse Erziehung der Kinder beginnt ist vor Aufgabe der Eltern. Während des Ramadans müssen alevitische Kinder nicht fasten. Die Einhaltung des Ramadans ist bei Aleviten kein Zwang. Jeder muss es für sich selbst entscheiden, ob er ihn einhält oder nicht. Kopftuch ist bei alevitischen Frauen ebenfalls keine Pflicht. Es wurde im Verlauf des Abends deutlich, dass es neben wichtigen Unterschieden auch viele Gemeinsamkeiten bei den Religionen gibt. Jeder Besucher konnte an diesem Abend feststellen, wie wichtig weitere Dialoge zwischen Muslimen und Christen sind, um gegenseitiges Verständnis und Toleranz zu vertiefen.

 

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