Evangelische Kirchengemeinde Gedern
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Berichte im Kreisanzeiger vom 17.03.2007

 

Zwei Glocken auf stummer Fahrt durch Gederns Straßen


Feierlicher Einzug zwölf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges.
Kosten von 9000 Mark


Ralf DörschnerGEDERN.

"Glocken der Heimat, tragt ihr mir Grüße zu...", so lautete der Text
eines Filmschlagers, der mitten im Zweiten Weltkrieg zu hören war. Allerdings wurde das Berliner Propagandaministerium sofort tätig und verbot das Lied, denn die Bevölkerung machte sich darüber lustig. Denn gleichzeitig wurden die Kirchenglocken im ganzen Land eingesammelt, um in ein zentrales Sammellager nach Hamburg gebracht zu werden. Voln dort aus, zu Waffen umgeschmolzen, sollten sie beitragen, den Krieg zu gewinnen. Die
Glockengrüße verstummten zusehends. So erging es auch vielen wertvollen alten Glocken in der heimischen Region. Über zehn Jahre später, am Montag, 11. März 1957, meldete der Kreis- Anzeiger: "Feierlicher Einzug der neuen Glocken in Gedern" und führte weiter aus: "Am Freitag erhielt die Gederner evangelische Kirchengemeinde ihre beiden neuen Glocken und damit seit
genau 15 Jahren wieder ein schönes volles Geläut. Bei dem Glockenguss vor einer Woche bei der Firma Gebr. Bachert in Kochendorf, der in würdevoller Form begangen wurde, waren bereits viele Gemeindeglieder anwesend.


Nach der Ankunft der beiden Glocken, die in dankenswerter Weise von der Firma Wilhelm Rullmann kostenlos in der Gießerei abgeholt wurden, wurde der Wagen und die Glocken festlich mit Tannengrün geschmückt. Bei der Begrüßung am Eingang der Stadt war die Bevölkerung Gederns sehr zahlreich vertreten. Nach dem Glockenlied des Schülerchores der Volksschule unter Leitung von Lehrer Fernges sprach Hiltrud Oberheim den Prolog. Der Erste
Stadtrat, Hermann Diehl, begrüßte die Glocken im Namen der Stadt und gab seiner Freudeüber das nun wieder volle Geläute beredten Ausdruck. Er sprach die Hoffnung aus, dass die neuen Glocken allezeit wahre Friedensglocken bleiben mögen. In seiner Begrüßungsansprache betonte Dekan Knieriem besonders die Freude der Gemeinde und schickte dann die beiden
Glocken auf ihre stumme Fahrt durch alle Straßen der Stadt, über deren Dächer sie ihre ehernen Zungen künftig erklingen lassen werden.

Auf ihrer Fahrt durch die Stadt wurden die Glocken durch das eineinhalbstündige Läuten der aus dem Jahr 1721 stammenden großen Schwester begleitet. Überall säumten viele Bürger den Weg der Glocken.
Das neue Geläut trägt die fachmännische Bezeichnung Te-Deum-Geläut. Zu der alten etwa 17 Zentner schweren großen Glocke, die auch im Jahr 1942 abgeliefert werden musste, aber wegen ihres Alters nicht zur Einschmelzung kam, sind nun eine A-Glocke mit 438 Kilogramm und eine H-Glocke mit 308 Kilogramm gekommen. Gleichzeitig wird eine elektrische Läutanlage eingebaut. Die Gesamtkosten der Anschaffungen betragen etwa 9.000 Mark, von denen ungefähr 6.000 Mark durch Spenden aufgebracht wurden. Die Stadt gibt einen Zuschuss von 3.000 Mark. Die Glockenweihe findet am Sonntag, 17. März, durch Propst Weinberger statt.


Am Freitagabend fand vor der alten Volksschule die eigentliche egrüßungsfeier statt, an der eine vielhundertköpfige Gemeinde teilnahm. Durch den Posaunenchor und den Gesangverein Liederkranz, der den Männerchor ,Das ist der Tag des Herrn` sang, wurde die Feierlichkeit würdig umrahmt. Magdalene Traub trug das Gedicht ,Der Glockenguss` vor. Dekan Knieriem
erwähnte in seiner Ansprache, dass er vor genau 15 Jahren ebenfalls zwischen zwei Glocken gestanden habe, um Abschied zu nehmen. Er dankte vor allem all den vielen Spendern, die zu der schnellen Anschaffung beigetragen haben, und teilte mit, dass die größere der beiden neuen Glocken den Namen ,Friedensglocke` erhalten solle und an die Stelle der aus dem Jahre 1920 stammenden Gedächtnisglocke treten solle. Sie trägt die Inschrift ,Er istunser Friede`. Die Inschrift der kleineren Glocke lautet: ,Land, Land, Land, höre des Herren Wort`. Bürgermeister Merkel sprach die Grußworte der Stadt und wünschte, dass die Glocken allezeit Frieden verkünden mögen. Prediger Hoof der evangelischen freikirchlichen Gemeinde Gedernüberbrachte deren Grüße und guten Wünsche und Pfarrer Schwalbach wünschte namens der katholischen Kirchengemeinde, dass die Glocken nicht nur in die Ohren der Bürger, sondern auch in ihre Herzen klingen mögen."

 

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