Evangelische Kirchengemeinde Gedern
Kirche > Berichte im Kreisanzeiger vom 03.12.2005

Berichte im Kreisanzeiger vom 03.12.2005

 

 

Gedanken zum Sonntag

 

 

Von Pfarrer Kurt Johann

 

Hmmm, lecker. Dieses kleine Papptellerchen vor mir soll wohl für adventliche Stimmung in meinem Arbeitszimmer sorgen. Im Moment ist es aber schlichtweg eine Versuchung Es wird eher dafür sorgen. dass sich Kalorien in Kilos verwandeln. Sie kennen ja sicherlich die kleinen Männchen, die über Nacht die Kleider in den Schränken enger nähen. Einfach zu verlockend. Na mal schauen: Was haben wir denn da alles?

 

Kleine Schokoladenriegelchen, Mandarinen, die ersten selbstgebackenen Kekse ( nicht von mir natürlich) und richtig schöne Walnüsse.

 

Da stellt sich natürlich für den, der nichts Besseres zu tun hat die Frage: Warum gehören Nüsse eigentlich auf so einen Adventsteller?

Ich könnte es mir einfach machen und sagen. die gibt es halt im späten Herbst, oder so was, aber das erklärt ja nun noch lange nicht, warum sie auf den Adventsteller kommen.

 

Ich nehme die Nuss in die Hand. Schöne Schale, sogar gold bemalt. Fast zu schade, aber wenn ich an den schmackhaften Kern möchte, muss ich sie wohl knacken. Irgendwie und einfach ist das nicht immer.

 

Und so ist das vielleicht mit dem bevorstehenden Weihnachtsfest.

 

Es hat nicht nur eine schöne, glänzende Schale. sondern eben auch einen Kern.

 

Und wir sollten uns zu Weihnachten nicht nur mit der schönen Schale zufrieden geben, den Lichtern, dem Duft, den Liedern, den Weihnachtsmärkten, na ja und was sonst noch so zu dieser Zeit gehört.

 

Weihnachten ist zwar manchmal eine harte Nuss. aber wenn wir die Schale mal weglassen, dann bleibt von Weihnachten noch dies übrig:

 

Ein verarmtes Paar findet fern der Heimat eine Notunterkunft. Das gibt es auch heute leider noch Millionen Mal überall in der Welt Aber nun wird über dieses Kind etwas besonderes gesagt: Dieses Kind ist der Heiland der Welt.

 

Das ist der sicherlich nicht für jeden schmackhafte Kern des Weihnachtsfestes. Ne harte Nuss ganz sicher für die, die meinen sie seien die Herren der Welt, Reichtum, Einfluss oder manchmal auch blanke Gewalt wurden sie zu Herren der Welt machen.

 

Aber so ist es nun mal nicht nach Gottes Willen. Als ohnmächtiges Kind erscheint er, ohnmächtig am Kreuz ist er gestorben. Gottes Allmacht ist, dass er ohnmächtig sein, mitleiden kann.

 

In seinem Reich zählt nur die Liebe. Nichts, aber auch rein gar nichts anderes.

 

Mit dieser Liebe hat er das mächtigste besiegt, was uns Menschen ängstigt, den Tod. Darum heißt er Heiland. weil er heilt, die Wunden unseres Lebens oder eben auch heilt von unserer Angst.

 

Das ist der Kern des Weihnachtsfestes. Mit diesem Kind fängt alles an. Und wir warten darauf, dass er wiederkommt und die Toten auferstehen lässt. Unser Leben hat einen Sinn und ein Ziel.

 

Advent und Weihnachten ist manchmal eine harte Nuss. Ohne Schale wäre es sicherlich weniger schön. Aber auf den Kern kommt es an.

 

Advent ist die Zeit, in der wir uns die Muße nehmen sollen, zu diesem Kern hindurchzudringen, dass Liebe die Welt retten wird, dass Liebe die größte Macht ist und nicht die Herren der Welt, die meinen mit Geld und Einfluss die Welt zu regieren.

 

Aber was mache ich nun mit der Nuss aus meinem Adventstellerchen?

 

Die steck ich ein, die trage ich mal die Adventzeit über in meiner Hosentasche, damit ich noch ein bisschen mehr darüber nachdenken kann. Übrigens kann man eine Nuss nicht nur essen, sie ist auch ein Samen, die neue Früchte tragen kann.

 

Also, die Nuss steck ich ein.

 

Und die Plätzchen? Na ja, die nehme ich jetzt mal als Zeichen, dass nichts auf Erden für die Ewigkeit gemacht ist. Hmmm, lecker.

 

Kurt Johann ist evangelischer Pfarrer in Gedern.

 

nach oben

zurück

KirchenvereinePfarrerKinderGemeindehausKirchePfarrbüro