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Bericht im Kreisanzeiger vom 21.03.2005

 

 

Perspektive der Unbeteiligten erlebt

 

Vierter ökumenischer Jugendkreuzweg in der Region fand in Gedern statt - Motto lautete „Das Kreuz vor Augen“

 

GEDERN (mam). Auf einem Katholikentag vor mehreren Jahrzehnten entstand der Gedanke des Jugendkreuzweges, der in den Folgejahren auch in unserer Region aufgegriffen wurde und jetzt - zum vierten Mal im ökumenischen Zusammenwirken katholischer wie evangelischer Jugendlicher – in Gedern stattfand.

 

 

Immer wechseln die Perspektive und die künstlerischen Anregungen, um jungen Menschen das Passionsgeschehen nahe zu bringen und immer werden die Teilnehmer in den Arbeitshilfen ausdrücklich eingeladen, eigene Gestaltungsideen umzusetzen. „Das Kreuz vor Augen“ hatten die Herausgeber, die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der deutschen Bischofskonferenz, der Vorstand des Bundes der katholischen Jugend und die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend, diesmal als Motto gewählt - eine Entscheidung, aus der Perspektive der Zuschauer. der scheinbar unbeteiligten Menge. Jesus auf seinem Leidensweg zu begleiten. Illustrationen des holländischen Künstlers Ruud Bartlema luden zum sichtbaren Nachvollziehen, aber auch zum Bezug auf unsere eigene Zeit ein.

 

So auch in Gedern: Die Mitwirkenden, evangelische Jugendliche der Dekanate Nidda und Schotten und Angehörige des Bundes der katholischen Jugend im Dekanat Wetterau Ost, begleitet von einigen Gemeindepfarrern und Hauptamtlichen aus der Jugendarbeit, hatten weit über die Vorschläge des Arbeitsheftes hinaus Gestaltungselemente entwickelt.

 

Der Kreuzweg begann mit der ersten Station „Macht - Vor Augen“ in der fast dunklen katholischen Kirche. Hinter Gittern standen zwei Figuren im Umriss auf dem Meditationsbild - Jesus und Pilatus. Die Erzählung des Verhörs aus dem Matthäusevangelium wurde vorgetragen. „Alte Geschichten“? Eine kurze Erinnerung an die Misshandlungen, die einem Hildesheimer Berufsschüler von seinen Klassenkameraden zugefügt wurden, zeigte die Aktualität von Machtmissbrauch. Hart klang der Beat der eingespielten Musik - wie Hammerschläge, wie Tritte marschierender Kolonnen und die Kreuzwegteilnehmer sangen den Kehrvers „ Lass uns hinsehen, erkennen, hilf uns, wachsam zu sein.“

 

 

Passion greifbar - ein Kreuz wurde in Gedern von Station zu Station getragen.

 

„Wahrheit - Vor Augen“ war die zweite Szene überschrieben, die sich im Schlosspark im Licht von Fackeln abspielte. Eine Schalenwaage hatten die Jugendlichen mitgebracht, Sinnbild der richtenden Gerechtigkeit, aber sie wurde einseitig beladen, bewusst aus dem Gleichgewicht gebracht - so wie man Recht beugen kann. So entstand der Bezug zum Matthäustext. Die Frau des Pilatus lässt ihren Mann davor warnen, Unrecht zu tun - er hört nicht!

 

Vor dem Altenheim war die dritte Station „Mitschuld - Vor Augen“. Um die Bewohner nicht zu stören, verzichtete man hier auf das Megaphon, schloss einen dichten Kreis, in dessen Mitte die Handwaschungsszene des Pilatus nachgespielt wurde. „Was können wir da schon helfen“ – „Lieber wegschauen...“ - die Mitschuld der schweigenden Mehrheit wurde deutlich, im Gebet noch einmal aufgenommen.

 

„Willkür - Vor Augen“ lautete das Motto des Haltes am Krankenhaus und die Entscheidung der aufgepeitschten Menge für die Freigabe des Verbrechers Barrabas wurde heraufbeschworen. „Leid - Vor Augen“ an der Schule erinnerte an den Kreuztrager Simon von Kyrene, seine selbstverständliche Bereitschaft, einem Anderen die Last abzunehmen. Gesang, meditative Texte gestalteten eindringlich die Szenen aus. „Tod vor Augen“ spielte sich in der nur von wenigen Kerzen erhellten Friedhofskapelle ab. Musik erklang, der Kreuzigungsbericht wurde gelesen. Herzschläge, Zeichen des Lebens waren in dem schattenhaften Raum zu hören. „Hoffnung - Vor Augen“ war das Thema an der siebenten Station vor der evangelischen Kirche. Hier wirkten auch Erwachsene aus der Kirchengemeinde mit; Menschen aller Generationen sind beim Jugendkreuzweg willkommen. Lebenssituationen wurden geschildert: Arbeitslosigkeit, Kinderarmut, ein Todesfall in einer Familie und ganz konkret - der Brand in der Gederner Kirche. So wurde Hoffnung deutlich. Das Feuer hatte zwar die Kirche verwüstet, aber in der Folge kam große Hilfsbereitschaft auf. Die Kirche steht den Gemeindegliedern wieder offen (siehe Berichterstattung Seite 7). Der Jugendkreuzweg endet nie abrupt - im Gemeindehaus saß man noch im Gespräch eine Weile beisammen.

 

 

 

Im fast dunklen Schlosspark zeigten die Jugendlichen eine einseitig beladene Schalenwaage als Sinnbild der Rechtsbeugung.

 

 

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